Während die MotoGP als ganzes aufgrund der Reifendruckfarce wohl als Verlierer gelten muss, sorgte ein Hersteller beim Sprint in Brünn für positive Schlagzeilen. Gleich zwei KTMs stürmten auf das Podium und sogar ein Ersatzpilot punktete. Es war die Erlösung nach einer bisher zähen Saison.
MotoGP-Erlösung für KTM: Das tut so unglaublich gut!
"Das tut so unglaublich gut, da steckt so viel Herzblut, Sorgen und Kampf drin. Wir wussten, dass es möglich ist. Dieses Podium ist so verdient für das ganze Team und die Fahrer", jubelte Sportchef Pit Beirer mit großer Erleichterung ins Mikrofon bei ServusTV. Statt Insolvenz und Krise nun endlich die ersten beiden Podestplätze der Saison.

Nur einen konnten Pedro Acosta und Enea Bastianini bei ihrem sensationellen Sturm nach vorne nicht schlagen. Marc Marquez ließ den Spanier absichtlich vorbei, um seinen Reifendruck hochzutreiben. Acosta wusste aber, was Sache ist: "Es war klar, dass er mich früher oder später wieder überholen würde. Aber es war trotzdem gut." Keine Trauer, vielleicht sogar den Sieg verpasst zu haben, sondern uneingeschränkte Freude über die Ränge zwei und drei bestimmte die Gesichter bei den Orangenen.
Bastianini lacht über Blinddarmentzündung: Gehe wieder in das Restaurant!
Das galt besonders für den anderen Mann auf dem Podium. Tech3-Pilot Bastianini gelang das wichtige Ausrufezeichen ausgerechnet, nachdem er eine Woche zuvor noch mit Blinddarmentzündung flach gelegen hatte und das Rennen am Sachsenring verpasste. Beirer huldigte 'La Bestia': "Drei Kilo abzuspecken, scheint das Bike leichter gemacht zu haben (lacht). Er ist so ein qualitativ hochwertiger Fahrer. Wenn wir sein ganzes Potenzial rausholen, kann er solche Ergebnisse holen. Eine ganz starke Leistung!"

Und auch der Italiener selbst lachte nun über seine Leidenszeit. "Ich werde wieder in das Restaurant gehen", kündigte er an. Ein wohl nicht ganz durchgebratenes Hähnchen galt als Übeltäter. Diese Episode wird nun vom grandiosen Comeback überstrahlt: "Ich komme aus dem Krankenhaus, also ist dieses Podium eine Überraschung. Aber ehrlicherweise habe ich schon gestern gesehen, dass ich schneller war. Ich hatte unter allen Bedingungen Pace. "
Grandioser Asphalt macht Brünn noch mehr zur KTM-Strecke
Doch woher kam diese Pace? Selbst Ersatzpilot Pol Espargaro holte sich als Neunter noch den letzten Punkt. "4,7 Sekunden hinter Marc Marquez, das ist nicht schlecht", strahlte auch er. "Ich denke da kommen eine Menge Dinge zusammen. Historisch waren wir hier schon immer schnell", erinnert er sich.
Doch es tat sich noch mehr beim Klassiker in Tschechien seit der letzten Ausgabe von 2020. "Diese Strecke hat sehr viel Grip und das hilft unserem Bike. Wir können unser Einlenken forcieren, denn wir haben viel Vertrauen ins Heck. Das kannst du bei so einer Menge Grip machen. Wenn er fehlt, dann wirst du stürzen", gab Acosta an. Bei der Neuasphaltierung wurde ganze Arbeit geleistet. Das gesamte Fahrerfeld zeigte sich durchweg begeistert.
Besonders froh sind aber die KTM-Fahrer. Espargaro erklärte, warum sie im Vergleich zu den Dominatoren aus Italien stärker profitieren: " Ducati generiert mechanisch den Grip und wir haben da mehr Probleme. Wenn aber die Strecke diesen Grip natürlich bietet, dann sind unsere Jungs sehr schnell. Das Bike reagiert sehr gut auf diese Bedingungen."
Durchbruch für Bastianini und KTM: Gute Arbeit bringt Resultate
Bei Bastianini kam dann noch ein persönlicher Grund für den Druchbruch auf der KTM hinzu: "Ich fuhr hier noch nie mit einem MotoGP-Bike. Das war ein kleiner Vorteil, weil mir eine Referenz fehlte. Ich ging den Grand Prix also anders an und das hat besser funktioniert." Die Fahrweise der Ducati nicht im Kopf zu haben erwies sich also als hilfreich. Der Wechsel zu KTM war die erste Umstellung seiner Karriere, zuvor hatte er nur die Desmosedici pilotiert.
Damit die RC16 überall die Ducati herausfordern kann, braucht es wohl noch einige Entwicklungsschritte. Aber ein Anfang ist gemacht. Der Erfolg im Sprint von Brünn war vor allem einer für die Moral, davon ist Espargaro überzeugt: "Ich freue mich, aber besonders für das Werk. Das waren harte Zeiten über den Winter [aufgrund der KTM-Insolvenz, Anm. d. Red] und für die Jungs in Mattighofen ist das ein großer Atemschub, dass sie uns hier Rennen fahren sehen können und Freude haben. Sie wissen jetzt, dass gute Arbeit Resultate bringen wird."
Nicht mit den KTMs kämpfte Alex Marquez. Eigentlich ist er Stammgast auf dem Podium, doch an diesem Samstag ging eine Menge schief, was ihn frustriert zurücklies:



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