Der MotoGP-Samstag in Brünn verkam zu einer völligen Farce. Der Reifenmindestdruck bestimmte einmal mehr die Schlagzeilen im negativen Sinne, lieferte im Sprint in gleich dreierlei Hinsicht denkwürdige Geschichten. Was dabei völlig unterging: Dass es bereits einige Stunden zuvor im Qualifying zu einem Disput zweier WM-Rivalen gekommen war.

Francesco Bagnaia und Alex Marquez: Schon in Q2 Rad an Rad

Was damit genau gemeint ist? Ganz einfach: Über Q1 ins zweite Qualifying-Segment aufgestiegen, verfolgte Francesco Bagnaia am Samstagvormittag eine andere Strategie als seine Kontrahenten. Während diese zu Beginn der Schlussphase noch an der Box warteten, fuhr die Startnummer 63 bereits frühzeitig zum zweiten Run auf die Strecke und schoss mit freier Fahrt auf den ersten Platz nach vorne. Als dann auch die Marquez-Brüder auf die Strecke kamen, lag der Druck bei ihnen. Und Bagnaia nutzte das, um speziell mit Alex Marquez Spielchen zu spielen.

Er drängte sich zwischen die beiden Marquez-Brüder und verteidigte seinen Platz fortan auch hart, ermöglichte Alex Marquez so nicht, die letzte fliegende Runde am Heck von Marc zu beginnen. Stattdessen schien es zunächst, als wolle Bagnaia sich von der Startnummer 93 zu einer potenziellen Pole-Runde ziehen lassen. Doch das daraus nichts werden würde, wurde schnell mit bloßem Auge ersichtlich. Bagnaia konnte - oder wollte - nicht mit seinem Ducati-Teamkollegen mithalten und ließ schnell abreißen, blieb aber bis zum Ende auf dem Gas. Alex Marquez kam so bis zum Ende der letzten fliegenden Runde nicht vorbei, konnte sich nicht mehr verbessern und landete letztlich nur auf Startplatz acht, während Bagnaia die Pole Position abräumte.

Alex Marquez hadert: Bagnaia zwei Sekunden langsamer als normal!

Ein skurriler Zwischenfall, der speziell Alex Marquez sauer aufstieß. "Ich bin auf Verkehr aufgelaufen. Mehr will ich dazu nicht sagen", begann er zunächst in seiner Medienrunde. Auf erneute Nachfrage der Journalisten ließ sich der WM-Zweite dann aber doch noch ein paar zusätzliche Worte entlocken - und die hatten es in sich. "Ich konnte mich nicht wehren, weil ich noch etwas Hinterreifen für die letzte Runde aufsparen wollte. In der letzten Runde war er dann aber zwei Sekunden langsamer als in seiner schnellsten Runde. Er hat also mit mir gespielt. Das reicht natürlich nicht für eine Strafe [wegen Bummelns auf der Ideallinie, Anm.], aber die feine Art war das nicht, um ehrlich zu sein."

Klare Kritik also von Alex Marquez am zweimaligen MotoGP-Weltmeister und aktuellen WM-Dritten, der in seiner Medienrunde allerdings nichts von bewussten Spielchen mit der Nummer 73 wissen wollte. Stattdessen beschrieb Bagnaia seinen Ansatz in der Qualifying-Schlussphase wie folgt: "Zum ersten Mal in dieser Saison hatte ich die Möglichkeit, Marc in einer 'Timeattack' hinterherzufahren. Normalerweise erlauben sie mir das nicht. Ich wollte einfach nur Marc folgen. Alex wollte vor mir sein, aber ich wollte Marc unbedingt folgen. Ich dachte, dass zwei Cooldown-Runden genug wären, um wieder etwas Grip zur Verfügung zu haben. Aber sobald ich gestartet bin, konnte ich nicht mit Marc mithalten."

Q2-Spielchen für Alex Marquez nur Auftakt in Horrortag in Brünn

Ob nun bewusstes Ausbremsen oder nicht: Das bessere Ende hatte im Qualifying unverkennbar Bagnaia auf seiner Seite. Alex Marquez landete nur auf dem angesprochenen Startplatz acht, seiner schlechtesten Startposition seit dem Saisonfinale 2024 in Barcelona. Doch damit nicht genug, Marquez' Tag wurde fortan nur noch schlimmer. Zunächst legte er einen Horrorstart in den Sprint hin, fiel gleich auf den ersten Metern weit zurück. "Mein Hinterrad hat komplett durchgedreht. Wir müssen analysieren, was da passiert ist", erklärte er.

Durch den schlechten Start dann der nächste Zwischenfall: Eine Kollision mit dem eigenen Teamkollegen Fermin Aldeguer in Kurve drei. "Ich habe versucht, ihn zu überholen, hatte dabei aber Zweifel. Ich war mir nicht sicher, ob ich reinstechen soll oder nicht. Als ich das realisiert habe, war es zu spät. Ich konnte den Kontakt nicht mehr verhindern", beschrieb Marquez und nahm die Schuld auf die eigene Kappe: "Ich habe mich bei ihm entschuldigt. Der Letzte mit dem du kollidieren willst, ist dein Teamkollege."

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Damit war der Horror-Tag für den Gresini-Piloten aber immer noch nicht vorbei. Inzwischen nur noch auf Platz 20 liegend, blieb eine erwartete Aufholjagd aus. Nur durch Stürze anderer Piloten ging es im restlichen Sprintverlauf noch nach vorne. "Ich hatte Vibrationen am Hinterrad", begründet Marquez seine schwache Pace und muss gestehen: "Wir haben keine Antworten für das, was passiert ist. Ich weiß nicht, ob es am Setup oder am Reifen lag." Die Ausgangslage für das Hauptrennen am Sonntag ist also keine gute: "Wir müssen das jetzt analysieren, tief in die Recherche gehen und im Warm Up ein paar Lösungen finden."

Was am Samstag sonst noch so im Sprint passiert ist, könnt ihr in unserem Rennbericht nachlesen: