Marc Marquez ging auch bei Regen als haushoher Favorit in den Sprint am Sachsenring, aber tatsächlich war der Sieg diesmal ein hartes Stück Arbeit. Das hatte sich der MotoGP-Superstar zum Einen selbst zuzuschreiben, weil ihm mehrere Fehler unterliefen. Zum Anderen leistete ein unbeugsamer Aprilia-Pilot bis zur letzten Runde Widerstand. So viel, dass Marquez am Ende zugab, wohl ein bisschen zu viel Risiko eingegangen zu sein.

Marc Marquez: Platz zwei hinter Marco Bezzecchi wäre genug gewesen

"Jetzt sind wir glücklich und lächeln, weil uns ein fantastisches Rennen gelungen ist. Aber ehrlicherweise war das heute zu viel Risiko. In unserer Lage wäre auch Platz zwei genug gewesen", gibt der WM-Führende zu. Zuerst ging er am Start zu weit, dann kosteten Zweikämpfe mit Fabio di Giannantonio und ein Fehler nach dem Überholmanöver gegen Fabio Quartararo einiges an Zeit. So viel Zeit, dass Marc Marquez kurz daran dachte, dass er den führenden Marco Bezzecchi gar nicht mehr attackieren könne.

"Ich war ein bisschen schneller, also dachte ich mir in der nächsten Runde: Probiere zu attackieren, um zu sehen, ob es geht. Als ich dann eine 28.9 fuhr, verstand ich, dass ich ihn doch einholen kann. Also habe ich es versucht", erklärte die Nummer 93 die spontane Entscheidung für den Schlussspurt. Diesen hatte 'Bezz' vorausgesehen, aber dennoch reichte es nicht: "Sobald ich seinen Namen [den von Marquez] auf meiner Boxentafel sah, da begann ich zu pushen. Aber ich habe zu Beginn ein bisschen zu sehr den Hinterreifen verheizt. Am Ende hatte ich viel durchdrehende Räder. Besonders im dritten Sektor den Berg hinauf war er sehr stark. "

Ein bisschen ärgerte sich der Italiener, denn bei mehr Information über das Renngeschehen hätte er es vielleicht besser angehen können: "Ich kannte Marcs Position nach dem Start nicht. Ich sah, dass er weit ging, aber mir war nicht klar, wie weit er zurückgefallen war. Ich wollte einfach in Führung gehen und bei diesen Bedingungen wollte ich Temperatur in den Reifen bekommen, daher habe ich viel gepusht. Ein bisschen zu viel." Erst am Ende wurde es ihm klar: "Als ich dann bemerkte, dass Marc Zweiter war, da wusste ich, dass er schneller war. Es war nicht viel, aber genug, um mich abzufangen."

Marco Bezzecchi (Aprilia Racing Team), Marc Marquez (Ducati Lenovo Team), Fabio Quartararo (Monster Energy Yamaha MotoGP)
Das Sprint-Podium am Sachsenring, Foto: Tobias Linke

Marc Marquez gibt zu: Manchmal brechen meine Instinkte durch

Aber warum ging Marquez überhaupt noch das Risiko, welches er im Nachhinein verurteilte? "Das war nur, weil heute der Geburtstag vom Boss ist. Der Sieg war für ihn", scherzte er angesichts des 59ten Jahrestages von Gigi Dall'Igna. Die ernste Antwort auf die Frage war aber dann doch der Kampf mit den eigenen 'Dämonen': "Ich versuche dieses Jahr viel an meinen Instinkten und meinem Charakter als Fahrer zu arbeiten, aber manchmal brechen sie durch. Diesmal war das so. Jetzt lächle ich, aber wir waren nah am Sturz."

Letztlich ging mit ihm wieder der Killerinstinkt durch und der Ducati-Star setzte im letzten Umlauf das Siegmanöver: "Er [Bezzecchi] wollte verteidigen, aber als er ans Gas ging, hatte er größere Probleme mit dem Grip am Heck. In so einer letzten Runde denkst du nicht an die Meisterschaft." Sein Gegner bestätigte: "Ich wollte ihn wieder überholen, aber als ich ans Gas ging, war er immer noch da. Da konnte ich mich nicht mehr wehren." Trotzdem war beim Aprilia-Pilot letztlich keine große Wehmut über den verlorenen Sieg zu spüren, denn: "Wenn du mit ihm kämpfst, heißt das, dass du schnell warst." Tatsächlich scheint 'Bezz' im Moment der Einzige zu sein, der das ab und zu kann.

Leider nicht mit ins Geschehen eingreifen konnte Maverick Vinales. Sein Sturz im Qualifying sorgte für einen Totalausfall bei Tech3: