Seit Montagnachmittag herrscht Klarheit: Liberty Media wird die MotoGP übernehmen. Die Europäische Kommission hat grünes Licht erteilt, spätestens am 3. Juli und somit schon kommende Woche soll der Deal in trockenen Tüchern sein. Damit startet die Motorrad-WM zeitnah in eine neue Ära, denn das Ziel der Liberty-Übernahme ist klar: Die MotoGP soll weltweit bekannter werden und künftig mehr Profit generieren.

Dass Liberty Media weiß, wie so etwas geht, ist hinlänglich bekannt. "Das ist eine großartige Sache für unsere Weltmeisterschaft, weil Liberty schon in anderen Sportarten wie der Formel 1 grandiose Dinge getan hat", erkannte am Medien-Donnerstag vor der anstehenden Dutch TT in Assen (27. - 29. Juni) auch MotoGP-Superstar Marc Marquez.

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Vorbild Formel 1: MotoGP will mit Liberty Media wachsen

Seitdem Liberty Media die Formel-1-Rechte im Herbst 2016 erworben hatte, legte die Königsklasse auf vier Rädern ein gewaltiges Wachstum hin. Durch Dokumentationen wie die inzwischen weltbekannte Netflix-Serie 'Drive to survive', Kooperationen mit anderen Marken oder deutlich mehr Präsenz in den Sozialen Netzwerken konnten Millionen neuer Fans gewonnen werden. Das soll nun auch mit der MotoGP passieren. "Jeder Sport hat seinen eigenen Weg", warnt Marquez zwar, dass man die Erfolgsformel der F1 nicht einfach auf die Motorrad-WM projezieren könne, aber der Ducati-Pilot ist guter Dinge: "Du musst verstehen, was deine Ziele sind und was deine Fans wollen. Darin sind sie aber großartig."

Ob Liberty Media auch für die MotoGP eine Erfolgsformel finden wird, wird die Zukunft zeigen. Klar ist aber schon jetzt, dass auf die Fahrer einige Veränderungen zukommen werden. Denn um die Rennserie weltweit bekannter zu machen, sind ihre Protagonisten natürlich unerlässlich. Doch sind die MotoGP-Stars überhaupt bereit, künftig mehr Werbung für den eigenen Sport zu machen? Schließlich geht dies unweigerlich auch mit einem Plus an Arbeitsstunden einher.

Werbeauftritte sind schon heute fester Bestandteil eines MotoGP-Wochenendes, Foto: gp-photo/Ronny Lekl
Werbeauftritte sind schon heute fester Bestandteil eines MotoGP-Wochenendes, Foto: gp-photo/Ronny Lekl

In seiner Medienrunde danach befragt, wurde Marquez diesbezüglich deutlich. "Nein", antwortete er kurz und knapp. Speziell er als absoluter Superstar der Motorrad-WM wolle Liberty Media seine Dienste nicht einfach so anbieten. Vielmehr müsse schon ein entsprechender Gegenwert dabei herausspringen. "Jeder hat seinen Preis", meinte der 32-Jährige aus Cervera mit einem Grinsen im Gesicht, ehe er schnell wieder ernst wurde: "Ich bin [von Beruf, Anm.] ein MotoGP-Fahrer. Ich habe schon meine Verpflichtungen mit dem Team, die ich erfüllen muss."

MotoGP-Piloten kontern Marquez: Wir wollen ja auch mehr Fans…

Klare Kante also vom WM-Führenden, doch wie denken seine Kontrahnten darüber? Nun, diese sahen die Angelegenheit am Donnerstag deutlich entspannter. "Ich warte ab, wie es tatsächlich werden wird und urteile dann", verkündete etwa Marco Bezzecchi und Alex Marquez stimmte zu: "Ich habe kein Marketing studiert. Ich weiß nicht, was sich ändern wird. Sie werden schon das tun, was ihrer Meinung nach am besten für unseren Sport ist."

Ohnehin sollte es ja im Interesse eines jeden Fahrers sein, künftig bekannter zu werden. "Die Formel-1-Fahrer sind jetzt alle wie Superstars", erkannte Fabio Di Giannantonio und meinte daher: "Sie wollen mehr Leute erreichen. Für uns würde das vielleicht mehr Events bedeuten. Aber es wäre doch cool, wenn uns künftig mehr Kinder und Fans zujubeln und zuschauen würden. Ich würde liebend gerne auf jeder Strecke 'volle Stadien' sehen." Dem stimmte auch Maverick Vinales zu: "Es wäre großartig, wenn die Kids mehr in unseren Sport involviert werden würden. Aber dazu müssen sie die Werte der MotoGP verstehen. Wir müssen den Menschen unsere Passion und unser Leben zeigen, das könnte für Fahrer und Zuschauer toll werden."

Wie denkt ihr über den Liberty-Einstieg in die MotoGP: Seht ihr das Ganze als Chance oder als Risiko? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!