Francesco Bagnaia dominiert die MotoGP in Assen derzeit nach Belieben. In den Niederlanden ist der Italiener an diesem Wochenende noch mit weißer Weste unterwegs, hat alle bisherigen Sessions des Grand Prix als Führender beendet, darunter auch den Sprint am Samstagnachmittag. WM-Rivale Jorge Martin sieht aber keinen Grund, den Grand-Prix-Sieg am Sonntag bereits abzuschreiben. Im Gegenteil, der WM-Leader kennt seine Stärken und will am Sonntag voll auf Sieg fahren.

Am Samstag hat es dazu noch nicht gereicht. Im Sprint über 13 Runden ließ Bagnaia seinem Kontrahenten keine Chance und hielt ihn bei Zieleinfahrt mehr als zwei Sekunden hinter sich. Dennoch ist Martins Leistung vom Samstag ebenfalls beeindruckend. Denn am Freitag plagte er sich noch mit Problemen an seiner Desmosedici herum und befürchtete den Q2-Einzug zu verpassen. Auf eine schnelle Runde fehlte ihm im Training knapp eine halbe Sekunde auf dem amtierenden Weltmeister. Keine 24 Stunden später waren es im Qualifying nur 0,081 Sekunden.

Jorge Martin sicher: Habe noch Luft nach oben

Auch im Sprint war der 'Martinator' nah dran, musste sich aber erneut geschlagen geben. Den Grund erkannte er nach dem Rennen schnell. "Ich habe heute wirklich mein Bestes gegeben, aber ich denke nicht, dass wir schon bei 100 Prozent angelangt sind", erklärte Martin in seiner Medienrunde. "Ein Problem ist vor Allem Kurve sechs und Kurve zwölf, da habe ich ständig die Front verloren." Ein durchaus erschreckendes Geständnis, da der angesprochene Rechtsknick in T6 am Ende der Gegengeraden liegt und die MotoGP-Stars dort mit mehr als 300 Stundenkilometern einbiegen. Es ist eine der schnellsten Kurven des gesamten MotoGP-Rennkalenders.

"Das ist natürlich nicht besonders schön, mit solch einem Tempo die Front zu verlieren", schmunzelte der 26-Jährige. "Ansonsten fühle ich mich auf dem Rest der Strecke aber gut, da haben wir uns im Vergleich zu gestern und zum Vormittag deutlich verbessert und sind ihm [Bagnaia] deutlich nähergekommen. Ich bin allgemein sehr zufrieden, wie stark wir uns gesteigert haben. Letztes Jahr wurde ich hier nur Sechster und gestern hatten wir noch Probleme. Im Moment ist mir Pecco zwar etwas voraus, aber ich bin nicht weit weg und ich weiß, was wir noch besser machen können. Und außerdem kommen ja noch Strecken, auf denen ich deutlich schneller bin als hier in Assen" ist sich der Ducati-Pilot sicher.

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Jorge Martin: Werde meine Chance bekommen

Eine Attacke konnte Martin in den 13 Runden auf dem TT Circuit heute nicht setzen, im Ziel fehlten ihm schlussendlich 2,35 Sekunden auf Bagnaia. Im Durchschnitt verlor er also 0,181 Sekunden pro Umlauf. Um diese Zeit zu finden, hat Martin schon einen Plan. "Ich denke wir können für morgen noch einige Änderungen vornehmen, um uns in Kurve sechs zu verbessern. Das wird mir dann auch beim Rest der Strecke beim Einlenken helfen."

Die Frage ist natürlich, wo Martin ein Manöver setzen könnte. "Das wird schwierig, es ist ja schon schwer genug ihm zu folgen", witzelte er. "Heute konnte ich es einfach nicht probieren. Das wird nicht einfach, weil er momentan auf einem großartigen Level ist, aber ich bin nah dran, ich werde meine Chancen also bekommen", schickte er eine Kampfansage. "Ich bin ziemlich stark in der letzten Schikane, vielleicht kann ich es also dort versuchen. Aber das Wichtigste wird erstmal sein, die Lücke zu ihm zu schließen."

Am späten Samstagabend kam es noch zu einer bösen Überraschung für Jorge Martin. Er wird für den Grand Prix am Sonntag strafversetzt! Alle Details dazu findet ihr hier.