Nach wie vor sieht die MotoGP-Welt bei Motorradgigant Honda sehr düster aus. Die einstigen Dominatoren finden keinen Weg aus der Abwärtsspirale in der Königsklasse. Auch in Barcelona fuhren die fünf Bikes (samt Entwicklungsfahrer Stefan Bradl) nur hinterher. Im Grand Prix am Sonntag bildeten sie einmal mehr das Ende des MotoGP-Feldes. Für Punkte hätte es eigentlich nur für Takaaki Nakagami auf P15 gereicht, hätten die MotoGP-Stewards Enea Bastianini nicht eine 32-Sekunden-Strafe aufgebrummt. So staubte Werkspilot Joan Mir als 15. den Trostpreis eines einzigen WM-Punktes ab. Teamkollege Luca Marini blieb dagegen wieder einmal ohne Zähler. Er ist nach wie vor der einzige Stammpilot, der in der laufenden Saison noch nicht gepunktet hat.

Ans Aufgeben denkt der größte Motorradhersteller in seinem MotoGP-Projekt allerdings nicht, ganz im Gegenteil. Die Japaner setzen nun auf eine Strategie der Arbeitsteilung unter den Piloten der RC213V und erhoffen sich daraus nützliches Feedback, um das Arbeitsgerät schnellstmöglich weiterzuentwickeln. In Barcelona wurden Arbeitsgruppen gebildet und an den Bikes verschiedene Teile ausprobiert. Auf dem Papier blieb der Erfolg zunächst aus, die Piloten ziehen aber auch positive Rückschlüsse auf die neuen Teile an ihren MotoGP-Raketen.

Johann Zarco: Mugello wird zeigen, ob wir Fortschritte machen

So probierte Johann Zarco beispielsweise ein neues Aerodynamikpaket aus. "Ich kann nicht ins Detail gehen, aber wir arbeiten wirklich an zwei verschiedenen Bikes", erklärte der LCR-Pilot in Katalonien. "Ich hatte eine neue Aerodynamik, die gar nicht so schlecht ist. Sie unterstützt uns mit den Armen, du brauchst damit viel weniger Kraft und das Motorrad ist viel einfacher zu fahren, weil du mehr Kontrolle in der Bremsphase hast." Einen großen Einfluss auf die Performance hatte die neue Entwicklung aber noch nicht. "Vielleicht sehen wir den Effekt noch nicht so stark, weil hier in Barcelona das Gripniveau sehr schlecht ist. Da müssen wir noch das nächste Rennen in Mugello abwarten."

Teamkollege Nakagami sprach sogar von mehr Varianten der RC213V, die momentan im Einsatz sind. "Nur bei meinem Bike sind wir mehr oder weniger beim selben Paket geblieben. Zarco und die Repsol-Jungs haben die neue Aerodynamik probiert und hatten auch ein neues Motorenpaket im Einsatz, mehr weiß ich aber nicht. Wir arbeiten also mehr oder weniger an drei Versionen des Motorrads. Daraus erhoffen sich die Ingenieure zu erfahren, welches Paket das meiste Potential hat und welches nicht", so der Japaner.

Francesco Bagnaia rächt sich an Turn 5: Leck mich! (08:07 Min.)

Sommerpause als Deadline für Honda

Die neue Aerodynamik hatte er auch bereits beim Privattest vor wenigen Wochen in Mugello an seinem Bike verschraubt. "Ich war hier in Barcelona hinter Zarco unterwegs und muss sagen, dass ich keinen Vorteil bei seinem Bike erkannt habe. In Mugello hat die neue Aero besser funktioniert, aber der Grip beim Umlegen des Motorrads ist trotzdem mehr oder weniger gleich geblieben. Das müssen wir jetzt noch weiter analysieren und verstehen, ob es besser ist oder nicht."

In der ersten Saisonhälfte erwartet der LCR-Pilot daher keine großen Leistungssprünge mehr. "Wir müssen jetzt weiter testen, um zu verstehen mit welchem Paket wir arbeiten müssen. Die Deadline ist die Sommerpause, dort brauchen wir unbedingt ein schnelles Bike", nennt er den Termin des Deutschland-Grand-Prix als letzte Testmöglichkeit im Renneinsatz, um sich bestmöglich auf die zweite Saisonhälfte vorzubereiten.