Honda arbeitete über den Winter auf Hochtouren, um die Blamage aus dem Vorjahr mit dem letzten Platz in der MotoGP-Herstellerwertung in der Saison 2023 nicht mehr zu wiederholen. Auf den ersten Blick war der Output der Honda-Ingenieure auch beeindruckend: Marc Marquez hatte am ersten Testtag in Sepang gleich vier Motorräder auf seiner Seite der Box stehen.

Neben einem 2022er-Bike und zwei Evolutionen dieser Maschine war auch ein besonders radikaler Entwurf zu sehen, der sich vom Vorgängermodell in praktisch allen Bereichen unterschied. Die Hoffnungen, dieser Prototyp könnte eine Trendwende im Honda-Lager einleiten, wurden aber schnell zunichte gemacht. Am letzten Testtag in Sepang stand die Maschine schon zugedeckt in der Box und kam nicht mehr zum Einsatz. Das Modell gilt offiziell als verworfen, wie Honda am Sonntag bestätigte.

Hondas-Prototyp brachte nicht den gewünschten Erfolg, Foto: MotoGP.com
Hondas-Prototyp brachte nicht den gewünschten Erfolg, Foto: MotoGP.com

Da das 2022er-Bike ohnehin nur dafür vorgesehen war, Marquez nach der Winterpause wieder auf Tempo zu bringen, ist man nun auf die Evolutionsmodelle festgenagelt. "Dieses eine Motorrad war sehr anders als der Rest und ich hatte damit kein gutes Gefühl. Wir haben nur begrenzte Testzeit zur Verfügung und die musst du bestmöglich nützen, also konzentriere ich mich auf die Bikes, mit denen ich mich wohlfühle", erklärt Marquez.

Mit dem Evolutionsmodell fuhr der MotoGP-Superstar am Sonntag seine beste Rundenzeit im dreitägigen Sepang-Test. Platz zehn in der Zeitenliste des Abschlusstages bedeutete auch seine beste Platzierung in den drei Sessions. Dennoch fehlten auf die Spitzenzeit von Luca Marini 0,777 Sekunden. "Wir sind nicht mehr so weit von der Spitze entfernt wie an den ersten beiden Tagen, aber es ist immer noch zu viel", stellt Marquez trocken fest.

Zufrieden sieht anders aus: Marc Marquez nach einem Run am Sonntag, Foto: MotoGP.com
Zufrieden sieht anders aus: Marc Marquez nach einem Run am Sonntag, Foto: MotoGP.com

Die Einschätzungen des achtfachen Weltmeisters teilt Team-Manager Alberto Puig: "Wir sind definitiv noch nicht dort, wo wir hinwollen. Ideen haben wir viele, aber wir müssen sie natürlich auch umsetzen und zeigen, dass sie funktionieren. Das machen wir jetzt gerade. Wir müssen noch viele Dinge verbessern und haben unsere Ziele bislang noch nicht erreicht. Sowohl im Bereich des Motors als auch am Rahmen haben wir noch Luft nach oben. Wir brauchen auf jeden Fall noch mehr Zeit."

Probleme quer durch das Honda-Lager

Und die restlichen Honda-Fahrer? Joan Mir und Alex Rins sind nach vielen Jahren auf der Suzuki GSX-RR noch mitten im Adaptionsprozess an die RC213V. Mir wurde in Sepang ordentlicher Zwölfter, nur gut eine Zehntelsekunde hinter Marc Marquez. "Wir steigern uns von Tag zu Tag und haben den Rückstand auf die Spitze bereits verringert, aber wir liegen immer noch zurück. Ducati und Aprilia bereiten mir definitiv Sorgen, denn sie haben das Level noch einmal kräftig angehoben", so der Weltmeister von 2020. Rins landete auf P18. Enttäuschend war Takaaki Nakagami: Mit Ausnahme von Rookie Augusto Fernandez war er der klar langsamste Stammfahrer.