Mit Livio Suppo hat Suzuki endlich einen würdigen Nachfolger für Davide Brivio gefunden, der 57-jährige Italiener ist der neue Teammanager bei den Himmelblauen. Zuvor hatte Brivio Suzuki nach dem MotoGP-Titelgewinn mit Joan Mir im Jahr 2020 überraschend verlassen, er wechselte in die Formel 1 zum Alpine-Team.

Viele große Namen, wie die von Wilco Zeelenberg oder Francesco Guidotti, machten in der Folge die Runde. Letztlich entschied sich Suzuki aber, 2021 ohne Teammanager an den Start zu gehen. Projektleiter Shinichi Sahara übernahm die Rolle in einer Doppelfunktion. Nach einem Jahr erfolgte nun die Abkehr: Suppo ersetzt Brivio mit knapp 14 Monaten Verspätung.

Mit dem 57-jährigen Italiener schnappte sich Suzuki einen äußert erfahrenen Mann. Bereits vor 28 Jahren begann Suppo seine Karriere in der Motorrad-Weltmeisterschaft, damals beim Benetton-Honda-Team in der 125- und 225cmm-Klasse. Über den Umweg Ducati, wo er 2007 mit Casey Stoner den WM-Titel gewann, landete Suppo schließlich bei Honda, wo er weitere fünf Titel verbuchen konnte. 2017 endete sein Engagement bei den Japanern.

Suppo: Wollen beide Fahrer an Bord halten

Nach vier Jahren Pause ist Suppo nun zurück. Wenige Tage vor dem Auftakt der MotoGP-Saison 2022 trat er den Dienst beim neuen Arbeitgeber an. Wo liegen die Prioritäten des Italieners? "Mich an all die Namen der Leute im Team zu erinnern", scherzt er in Katar im Rahmen einer Pressekonferenz. "Spaß bei Seite", fährt Suppo fort: "Wie ich und Sahara San schon gesagt haben - Wenn du zwei so starke Fahrer wie Joan [Mir] und Alex [Rins] hast, ist die Priorität natürlich, beide an Bord zu behalten."

Mir geht 2022 in seine vierte Saison mit Suzuki, Teamkollege Rins sogar schon ihn seine sechste. Zum Ende des Jahres laufen allerdings beide Verträge aus. Speziell an Mir, der Suzuki 2020 den ersten WM-Titel seit Kenny Roberts jr. im Jahr 2000 bescherte, würde man natürlich gerne festhalten. Bei Rins ist die Situation nach einer schwachen Saison 2021 mit zahlreichen Stürzen hingegen weniger klar.

Joan Mir feierte 2020 den Gewinn der Fahrer-WM mit Suzuki -
Joan Mir feierte 2020 den Gewinn der Fahrer-WM mit Suzuki -Foto: MotoGP.com

Mit einer zeitnahen Entscheidung ist in beiden Fällen allerdings nicht zu rechnen. In der MotoGP besitzen erst vier Fahrer einen Vertrag für die kommende Saison: Marc Marquez (Honda), Francesco Bagnaia (Ducati), Brad Binder (KTM) und Franco Morbidelli (Yamaha). Davon abgesehen sind noch alle Plätze frei. Mir und Rins werden sich alle Optionen offenhalten wollen.

Suppo hofft: Bald keine Vertragsentscheidungen mehr vor dem Sommer?

Suppo stört das wenig. Vielmehr wäre er sogar froh, wenn Vertragsentscheidungen grundsätzlich erst wieder zu einem späteren Zeitpunkt in der Saison fallen würden: "Vielleicht ist das, weil ich älter werde, aber ich glaube, es wäre gut für den Sport, wenn wir wieder dahin kommen, wo wir vor 15-20 Jahren waren und ein bisschen den Saisonverlauf abwarten, bevor wir Entscheidungen treffen", meint der Italiener.

In MotoGP war es zuletzt üblich geworden, dass Verträge mit Fahrern für kommende Jahre schon weit im Voraus unterzeichnet werden - teilweise bis zu einem Jahr. So unterschrieb etwa Fabio Quartararo bereits vor Saisonbeginn 2020 einen Vertrag im Yamaha-Werksteam ab der Saison 2021. Auch Bagnaia verlängerte in diesem Jahr noch vor Saisonstart bei Ducati.

"Manchmal kann es besser sein für das Team, das Werk und den Fahrer, ein bisschen länger zu warten", meint Suppo. Gleichzeitig gesteht er aber auch: "Ich sollte der Erste sein, der seine Klappe hält. Den Wechsel von Casey [Stoner] für die Saison 2011 [zu Honda] habe ich 2010 schon in Jerez klar gemacht." Das war damals erst das zweite Rennen des Jahres.

Grundsätzlich könne der Italiener natürlich verstehen, warum die Teams frühzeitig Planungssicherheit haben wollen. "Ich kann absolut nachvollziehen, warum Ducati mit Pecco [Bagnaia] verlängert hat - weil sie glücklich mit ihm sind", erklärt er. "Wenn du glaubst, dass eine Verlängerung dem Fahrer ein gutes Gefühl für die Zukunft gibt, dann ist das in Ordnung." Suppo ergänzt: "Das könnte bei uns auch so sein, warum nicht?"