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Andrea Dovizioso: Die Hintergründe des MotoGP-Comebacks

Maverick Vinales verhilft Andrea Dovizioso zu eine raschen MotoGP-Comeback. Was waren die Beweggründe? Und wie sieht die weitere Zukunft aus?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Andrea Dovizioso ist zurück in der MotoGP! Nur rund zehn Monate nach dem vermeintlich letzten Rennen seiner Karriere, wird er in Misano wieder in der Startaufstellung stehen. Er springt nicht nur in den letzten fünf Saisonrennen für Franco Morbidelli (er wird mit sofortiger Wirkung ins Werksteam befördert) ein, sondern unterschreibt bei Yamaha auch einen Vertrag für die Saison 2022. Am Donnerstagabend stellte er sich der Öffentlichkeit und beantwortete die brennendsten Fragen:

Welches Motorrad wird Dovizioso fahren?

Aufgrund des Reglements übernimmt Dovizioso das Paket von Morbidelli sowie dessen Motorenkontingent, das zuletzt auch die Ersatzfahrer Cal Crutchlow und Jake Dixon einsetzten. Dovizioso hat bis Saisonende also das leistungsärmste Motorrad im Feld, das auf der Yamaha des Jahrgangs 2019 basiert.

2022 bekommt er allerdings ein Upgrade und bekommt von Yamaha vollwertiges Factory-Material sowie Werksunterstützung. "Es war ein Grundstein unseres Deals, dass ich Factory-Support und ein Werksmotorrad für nächstes Jahr bekomme", gab Dovizioso offen zu. Entsprechend will der Italiener die letzten fünf Saisonrennen zur Vorbereitung auf die nächste MotoGP-Saison nutzen.

Wieso unterschrieb Dovizioso bei Yamaha?

Damit erfüllt sich für Dovizioso ein letzter großer Wunsch seiner langen MotoGP-Karriere. Diese Aussage ist keine der üblichen PR-Floskeln, sondern es war tatsächlich der Wunsch des Italieners. "Ich wäre bereits nach meiner guten Saison 2012 gerne in Yamahas Werksteam aufgestiegen. Leider ist es damals nicht dazu gekommen, aber dieser Wunsch blieb in all den Jahren stets in meinem Kopf. Dieses Gefühl war immer da, auch als ich gegen sie auf der Strecke gekämpft habe. Es ist ein ganz anderes Motorrad als jenes, das ich zuletzt gefahren bin."

2012 fuhr Dovizioso im Tech3-Team sechs Podestplätze ein und beendete die WM als bester Satelliten-Fahrer auf dem 4. Rang. Im Werksteam kam im Folgejahr allerdings Valentino Rossi zum Zug, der nach zwei Jahren bei Ducati zurück zu Yamaha wollte. Dovizioso übernahm im Gegenzug enttäuscht Rossis vakanten Platz beim italienischen Hersteller.

Wieso unterschrieb Dovizioso nicht bei Aprilia?

Aprilia-Chef Massimo Rivola machte keinen Hehl daraus, dass er Dovizioso gerne für sein Werksteam verpflichtet hätte. Über eine Reihe an Tests ging die Zusammenarbeit allerdings nicht hinaus. "Massimo wollte unbedingt, dass ich sein Motorrad ausprobiere und am Ende hat er sich durchgesetzt", holte Dovizioso aus. "Der Test war für beide Seiten gut. Bei Aprilia herrscht aber nicht jene Situation, die ich mir für mein Comeback gewünscht habe. Sie haben eine sehr gute Basis. Aber das ist in der aktuellen MotoGP nicht genug und man muss viel Arbeit investieren, damit man es auch auf das Podest schafft oder Rennen gewinnt", so Dovizioso.

In welchem Team kommt Dovizioso zum Einsatz?

Seinen Vertrag hat er zwar direkt bei Yamaha unterschrieben, im Werksteam sind aber Fabio Quartararo und Franco Morbidelli vorgesehen. Bis Saisonende wird Dovizioso beim Petronas-Team zum Einsatz kommen. Auch im kommenden Jahr wird er von Yamaha beim Kundenteam geparkt, allerdings ist noch unklar, wie dieses heißen wird. Denn mit Petronas und dem Sepang Circuit ziehen sich die beiden wichtigsten Unterstützer mit Saisonende aus dem Projekt zurück. Die Teamführung um Razlan Razali und Johan Stigefelt will den Rennstall in Eigenregie weiterführen.

Allerdings gibt es Probleme bei der Finanzierung des Projekts. Laut italienischen Medienberichten soll man sich mit dem Energieanbieter "WithU" bereits einig gewesen sein, weshalb eine offizielle Präsentation der Zukunftspläne für das Misano-Wochenende angekündigt wurde. Diese findet nun aber nicht statt, weil "WithU" stattdessen von Valentino Rossi umgarnt wird, der nach einer Ersatzfinanzierung für sein neues MotoGP-Team sucht, nachdem die versprochenen Millionen aus dem saudischen Königshaus wohl ausbleiben werden.

Um das einzige Kundenteam nicht komplett zu verlieren, dürfte 2022 auch Yamaha ein wenig nachhelfen. Dass Dovizioso direkt von den Japanern mit einem Vertrag ausgestattet wurde und zudem ein Werksbike vertraglich zugesichert bekam, ist ein erstes Indiz dafür. Razali und Stigefelt hatten bereits durchklingen lassen, sich aus eigener Kraft nur zwei alte Yamaha-Bikes leisten zu können.

Die personelle Zusammensetzung des erfolgreichen Petronas-Teams soll beibehalten werden, wie Dovizioso erklärte: "Die Mannschaft wird im Grunde dieselbe sein wie in dieser Saison. Das bedeutet auch, dass ich mit Ramon (Forcada; Crewchief) arbeiten werde. Er hat Champion-Mentalität und ist sehr erfahren. Das ist perfekt für mich."

Wie groß sind Doviziosos Erwartungen?

Dazu fand Andrea Dovizioso klare Worte: "Niemand erwartet hier oder in den nächsten Rennen irgendetwas von mir. Es ist sicher nicht optimal, direkt an einem Rennwochenende zum ersten Mal auf einem Motorrad Platz zu nehmen. Ich werde Zeit benötigen." Zunächst muss der Italiener die richtige Sitzposition finden. "Ich bin sehr klein und da müssen Dinge wie der Lenker oder alle Hebel erst richtig eingestellt werden. So etwas kann man nicht an der Box machen. Das Feintuning findet man erst heraus, wenn man sich im Renntempo auf der Strecke bewegt."

Das große Ziel ist eine konkurrenzfähige MotoGP-Saison 2022. Dovizioso ist aber klar: "Das Risiko, dass es nicht klappt, ist sicherlich größer als die Chance, dass es gut läuft. Aber darum kümmere ich mich nicht, denn ich fahre nur für mich und für meine Leidenschaft. Daher nehme ich dieses Risiko gerne in Kauf."


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