Die MotoGP verließ den Sachsenring am Sonntagabend mit einer verheerenden Bilanz. Gleich zwei Stammfahrer der Königsklasse mussten bereits am Samstag verletzt abreisen, nur zehn schafften es im Deutschland-GP am Sonntag ins Ziel. In der Moto2 zogen sich Aron Canet und Senna Agius nur mit großem Glück keine schlimmeren Blessuren zu, das Rennen der mittleren Klasse musste nach einem Horrorcrash sogar vorzeitig abgebrochen werden. Und in der Moto3 musste Vicente Perez bereits am Freitag nach einer Verletzung abbrechen. Im Schatten der Freude über einen weiteren Zuschauerrekord wurde am Sonntag daher auch fleißig über die Sicherheit am Sachsenring diskutiert.
MotoGP-Stars fordern größere Auslaufzonen am Sachsenring
"Ich liebe diese Strecke, aber einige Wände sind grenzwertig, speziell in nassen Bedingungen", ließ sogar Sachsenring-Liebhaber Marc Marquez im Rahmen der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz aufhorchen. Er meinte weiter: "Wir sind hier durch die Airfences gut geschützt, aber es ist natürlich nicht wie auf Strecken wie Katar, wo du niemals auch nur in die Nähe der Wände kommst."
Das große Problem ist eindeutig: Die Auslaufzonen am Sachsenring sind klein, nicht selten schlugen am vergangenen Wochenende daher Bikes teils mit hoher Geschwindigkeit in den Fangzäunen ein. Diese mussten daraufhin ausgetauscht, die laufende Session dafür unterbrochen werden. "Kurve fünf ist ziemlich eng und gefährlich", schilderte etwa auch Fabio Quartararo und Alex Marquez wurde noch konkreter: "Wir müssen hier einige Dinge anpassen und die Auslaufzonen vergrößern. Kurve fünf und acht etwa. Wenn sie einen neuen Vertrag haben wollen, werden sie daran arbeiten müssen."
Begrenzter Raum am Sachsenring erschwert Umbauten
Eine klare Forderung also, doch die Umsetzung ist schwierig. In der angesprochenen Kurve fünf am Ausgang des Omega beginnt etwa direkt hinter dem Fangzaun das Fahrerlager. Dieses müsste verkleinert werden, um zusätzlichen Sturzraum zu schaffen. Da die Motorrad-WM mit ihrem gesamten Paddock aber ohnehin nur geradeso Platz am Sachsenring findet, wird eigentlich jeder verfügbare Quadratmeter benötigt. Die Auslaufzone könnte hier also bestenfalls ein paar wenige Meter erweitert werden.
Und gleiches gilt auch für Kurve acht. Dabei handelt es sich um jene Kurve, in der Franco Morbidelli am Samstag im Sprint so schwer abflog. Dort befindet sich ein privates Firmengelände direkt dahinter. In der Vergangenheit gab es bereits Bestrebungen der Streckenbetreiber, dieses Privatgrundstück aufzukaufen und die Strecke so zu erweitern, allerdings konnte man sich mit der betroffenen Firma damals nicht auf einen Verkauf einigen. Sollte das Unternehmen auch in Zukunft von einem Deal absehen, lassen sich auch dort allenfalls ganz wenige Meter für zusätzlichen Sturzraum gewinnen.
Verliert der Sachsenring die MotoGP und den Deutschland-GP?
Scheint als würde sich also in absehbarer Zeit wenig an den Sicherheitszuständen auf dem Sachsenring ändern. Was man dann noch tun könnte? "Wir können nur auf eine andere Strecke wechseln. Das ist das einzige, was helfen kann", schmunzelte Quartararo. Die MotoGP könnte also nur auf Strecken wie den Nürburgring wechseln, um ihre Fahrer künftig mit mehr Sturzraum beim Deutschland-GP zu versorgen. Genau das will aber eigentlich keiner, stellt der Sachsenring doch schon seit 1998 ununterbrochen die deutsche Heimat der MotoGP dar und feiert 2027 sein 100-jähriges Bestehen.
Ein realistisches Szenario, dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr keine MotoGP mehr am Sachsenring gastiert? Schließlich läuft der aktuelle Vertrag mit Promoter Dorna nur noch bis einschließlich 2026. Die kurze Antwort: Nein. Sachsenring-Fans müssen sich keine Sorgen machen, der Kultkurs wird die Motorrad-WM auch über 2026 hinaus noch beheimaten. Entsprechende Verhandlungen laufen längst, stehen kurz vor dem Abschluss. Bis mindestens 2031 wird weiterhin am Sachsenring gefahren werden - auch wenn die Sicherheit in den nächsten Jahren ein Thema bleiben könnte.



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