Für Lenoxx Phommara ging am vergangenen Wochenende "ein Traum" in Erfüllung. Der 18-jährige Schweizer aus Zürich durfte am Sachsenring als Ersatzmann des verletzten Luca Lunetta im SIC58-Team von Paolo Simoncelli sein Debüt in der Motorrad-WM geben. Das erste Moto3-Rennwochenende wurde dabei zum vollen Erfolg und machte Lust auf mehr.

"Freitag war der Tag, um Team und Motorrad kennenzulernen", begann Phommara einen ausführlichen Rückblick. "Für mich war es das erste Mal auf der Honda, sonst bin ich immer KTM gefahren. Ich musste mich also erstmal an das Motorrad gewöhnen, da es sich schon sehr anders fährt als die KTM. Im zweiten Training konnte ich schon ein gutes Gefühl aufbauen, die Zeiten sind etwas besser geworden. Das Feeling mit der Front war aber noch nicht gut, ich habe sie noch sehr oft in vielen Kurven verloren."

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Moto3-Überraschung: Lenoxx Phommara zeigt im Nassen auf

Den Trainingstag beendete Phommara daher noch als 26. und Letzter, hatte 3,580 Sekunden Rückstand auf die Tagesbestzeit. Doch davon ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und deutete sein ganzes Potenzial bereits im FP2 am Samstagmorgen an. Auf nasser Strecke verlor er nur noch anderthalb Sekunden auf den Schnellsten, wurde starker 16. und machte sich berechtigte Hoffnungen, im Qualifying gleich im ersten Anlauf den Q2-Einzug zu schaffen. Doch daraus wurde nichts. "Leider wurde ich in der zweiten Runde von einem anderen Fahrer auf die weiße Linie gedrückt und habe direkt das Vorderrad verloren. Dann konnte ich nichts mehr machen", haderte er mit einem unglücklichen Sturz.

Den Deutschland-GP nahm Phommara somit vom Ende des Feldes in Angriff. "Ich wollte ein gutes Gefühl aufbauen, um in Brünn direkt pushen zu können", berichtete er und die ersten Runden verliefen sogar viel besser als gedacht: "Ich konnte zwei Überholmanöver setzen und noch etwas an der Gruppe dranbleiben. Dann habe ich aber leider einen kleinen Fehler gemacht und sie direkt verloren. Das ist schade, weil ich glaube, dass ich noch einige Runden hätte mitkämpfen können." Am Ende landete Phommara so auf Platz 17, wurde Letzter der gewerteten Fahrer.

Von Enttäuschung war am Sonntag aber keine Spur. "Mittlerweile ist das Gefühl gut. Das war das Wichtigste für mich, damit ich in Brünn gleich bereit bin", freute sich Phommara, der auch beim Tschechien-GP wieder für Lunetta bei SIC58 einspringen wird. "Mich an die Honda zu adaptieren war etwas schwerer als gedacht, der Unterschied war doch etwas größer. Aber viele haben mir gesagt, dass sie mir gut liegen würde und ich denke, dass sie letztlich auch Recht hatten. Ich habe mich im Rennen wirklich wohl gefühlt und sobald ich 100 Prozent Vertrauen zum Motorrad aufgebaut habe, kann ich davon sehr gut profitieren. Jetzt freue ich mich auf das nächste Wochenende und hoffentlich viele mehr."

Noah Dettwiler: Starkes Qualifying, Rückfall im Rennen

In einem ganz anderen Gemütszustand präsentierte sich am Sonntagnachmittag der zweite Schweizer im Moto3-Starterfeld: CIP-Green-Power-Stammfahrer Noah Dettwiler. 24 Stunden zuvor hatte er sich noch auf einen beachtlichen 14. Startplatz erkämpft. "Es war ein solider Tag, im FP2 konnte ich heute Morgen einen super Rhythmus aufbauen, mich von Runde zu Runde steigern, bin am Schluss etwas mehr Risiko eingegangen und konnte das Training als Dritter beenden. Das hat mir Selbstvertrauen fürs Qualifying gegeben", erklärt er seinerzeit, kämpfte sich über Q1 erst zum zweiten Mal ins Q2. Sein damaliges Fazit: "Wir dürfen zufrieden sein. Es wäre mehr drin gewesen, ich habe keine perfekte Runde hinbekommen. Jetzt freue ich mich aber auf das Rennen morgen."

Dort waren die ersten WM-Punkte des Jahres das "klare Ziel", das bestätigte Dettwiler kurz vor Rennstart auch nochmal im Interview mit 'ServusTV'-Experte Alex Hofmann. Der Plan war simpel: An die direkt vor ihm startenden Toppiloten Jose Antonio Rueda und Angel Piqueras dranhängen und mitziehen lassen. Das einzige Problem: Das klappte am Sonntag so überhaupt nicht.

Wieder im Trockenen fahrend, kehrten die alten Probleme zurück. Nach einem schwachen Start fand sich der Schweizer schon nach wenigen Metern nur noch auf Platz 21 wieder, beendete die erste Runde auf P23. "Ich hatte von Anfang an kein gutes Gefühl für das Motorrad, ich hatte viele Rutscher am Hinterrad und keinen guten Rhythmus", klagte er später. Den Anschluss ans restliche Moto3-Feld verlor Dettwiler daher schnell, machte im weiteren Rennverlauf nur noch durch Ausfälle vor ihm Positionen gut. "Es war zuvor eigentlich ein starkes Wochenende, auch am Freitag waren wir im Trockenen nicht schlecht unterwegs. Aber heute hat das Gefühl überhaupt nicht gestimmt", haderte der 20-Jährige aus Basel. So reichte es unterm Strich wieder nicht zu Punkten, als 16. fehlten ihm knapp 15 Sekunden auf den Vordermann.

Noah Dettwiler verlor den Anschluss ans Moto3-Feld auch am Sachsenring schnell, Foto: CIP Green Power | PSP Swiderek
Noah Dettwiler verlor den Anschluss ans Moto3-Feld auch am Sachsenring schnell, Foto: CIP Green Power | PSP Swiderek

Brünn-Comeback als Moto3-Chance für Noah Dettwiler?

Wie gut, dass bereits in wenigen Tagen das nächste Rennwochenende ansteht. Vom 18. bis 20. Juli gastiert die Motorrad-WM nach fünf Jahren Abstinenz wieder im tschechischen Brünn. Eine Strecke, die für Dettwiler und fast alle seiner Moto3-Rivalen Neuland ist. Eine Chance für den jungen Schweizer? "Ja, klar", zeigt er sich hoffnungsvoll. "Das sieht für mich nach einer coolen Strecke aus. Mal schauen, was wir dort ausrichten können."

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