Motorsport-Magazin.com Plus
MotoGP

Yamaha bestätigt: Dovizioso vor MotoGP-Comeback in Misano

Andrea Dovizioso soll bereits ab Misano wieder in der MotoGP fahren. Das ist der Plan von Yamaha. Dadurch kann man Franco Morbidelli befördern.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Andrea Dovizioso soll bereits beim übernächsten MotoGP-Rennen in Misano sein Comeback geben. Das ist der aktuelle Plan von Yamaha, wie Motorsportchef Lin Jarvis am Sonntagvormittag in einem Video-Interview mit der offiziellen Webseite der MotoGP bestätigte.

"Das ist noch keine offizielle Bekanntgabe, da die Verträge noch nicht unterschrieben sind. Aber wir haben bereits ein mündliches Abkommen mit Andrea und seinem Management. Er wird bald zu uns stoßen - geplant ist das ab Misano", führte Jarvis aus.

Dovizioso wird im Petronas-Team das Motorrad des aktuell noch verletzten Franco Morbidelli übernehmen. Für die kommende Saison ist der 35-jährige Italiener dann als Stammfahrer im Satellitenteam eingeplant. All das muss aber erst noch in Verträge gegossen werden, nachdem mit Petronas und dem Sepang Circuit die beiden wichtigsten Förderer aus dem malaysischen MotoGP-Team abgesprungen sind.

In Misano wird die Teamführung rund um Razlan Razali und Johan Stigefelt, die den Rennstall ab 2022 in Eigenregie weiterführen will, ihre Pläne der Öffentlichkeit präsentieren. Mit Dovizioso könnte man dann bereits einen großen Namen präsentieren, um den einen oder anderen Sponsoren für die kommende MotoGP-Saison an Land zu ziehen.

Bahn frei für Morbidelli

Dass Yamaha seinem Kundenteam unter die Arme greift, passiert aber nicht uneigennützig. Denn der japanische Hersteller will ab Misano im Gegenzug Franco Morbidelli in das Werksteam befördern, wo er Maverick Vinales ersetzen soll. "Auch hier ist noch nichts unterschrieben", stellte Jarvis klar. "Aber durch das abrupte Vertragsende (von Vinales; Anm.) können wir ihn bereits in der laufenden Saison befördern."

Morbidelli kann im Werksteam sogar die Full-Factory-Maschine von Vinales samt dessen Motorkontingent übernehmen, wie Jarvis klarstellte: "Wir haben uns die Regeln ganz genau angesehen. Wenn man tatsächlich als permanenter Ersatzfahrer zu einem neuen Team wechselt, dann ist es möglich, das Motorrad und das Motorkontingent dieses Fahrers zu übernehmen."

Eigentlich besagt Punkt 2.4 des Technischen Reglements, dass jeder Hersteller für jeden Fahrer, der auf seinem Fabrikat die Saison bestreitet, eine Motorkonfiguration und eine Aero-Variante homologieren muss, die im Anschluss nicht mit anderen Fahrern desselben Fabrikats getauscht werden darf. Dieser Passus verhinderte bislang etwa, dass der deutlich schnellere Morbidelli im Petronas-Team seine alte Yamaha gegen die Full-Factory-Maschine von Valentino Rossi tauscht.

Punkt 1.11.3 des Sportlichen Reglements räumt dieser Regelung allerdings eine Ausnahme für Ersatzfahrer (im englischen Original: "replacement rider") ein. Allerdings darf ein Team laut Reglement nur einen Fahrer als "replacement rider" nominieren, der aktuell keinen Vertrag in der Motorrad-WM hat. Andernfalls bedürfte es der Zustimmung der Grand-Prix-Kommission für diesen Wechsel.

Yamaha hat somit entweder bereits bei der GP-Kommission bezüglich der Zustimmung zu diesem Transfer angefragt oder sich mit dem Petronas-Team über eine Vertragsauflösung für Morbidelli verständigt. Sobald der Italiener nämlich über keinen aktuellen MotoGP-Vertrag mehr verfügt, dürfte er auch ohne Zustimmung der Kommission als Ersatzfahrer von Yamaha nominiert werden.

Die von Jarvis verkündete Einigung mit Dovizioso und Morbidelli ist der endgültige Schlussstrich unter die unrühmliche Causa Vinales, welche die MotoGP-Familie in den Sommermonaten in Atem hielt. Begrüßen dürfte diese Entscheidung auch Cal Crutchlow. Der Yamaha-Testfahrer bestreitet in Silverstone das dritte MotoGP-Rennen in Folge. Der Brite räumte aber bereits in Spielberg ein, dass er kein Interesse habe, bis Saisonende als Ersatz für Vinales zu agieren.


Weitere Inhalte: