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MotoGP

Jorge Lorenzo: Mein Vater war eine Art Hitler

Jorge Lorenzo zählt zu den erfolgreichsten Fahrern der MotoGP-Geschichte. Um das zu erreichen, musste er aber durch eine brutale Schule gehen.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Fünf WM-Titel, 68 Grand-Prix-Siege, 152 Podiumsplatzierungen - Jorge Lorenzo hat sich seinen Titel als MotoGP-Legende redlich verdient. Sein Weg dorthin war steinig. Denn Lorenzo verfügte vielleicht nicht über das natürliche Talent eines Valentino Rossi oder Marc Marquez. Mit unglaublich harter Arbeit und viel Disziplin schaffte er es trotzdem, jahrelang auf einer Stufe mit ihnen zu fahren.

Das ist zu einem großen Teil auch der Verdienst von Vater Chicho Lorenzo. Der betreibt eine Schule für Nachwuchsrennfahrer, aus der zuletzt etwa auch Piloten wie Weltmeister Joan Mir oder Super-Rookie Pedro Acosta hervorgingen. Nur logisch, dass Papa Lorenzo auch den kleinen Jorge früh auf das Motorrad setzte.

"Er hat mich in die Welt des Motorradsports gebracht, weil es seine Leidenschaft war", erinnert sich Jorge Lorenzo in einem Interview mit dem spanischen Fernsehsender 'Antena 3'. "Er hat mir ein Motorrad gebaut, als ich drei Jahre alt war. Wenig später bin ich mein erstes Rennen gefahren." Jorge verbrachte fortan große Teile seiner Zeit auf dem Motorrad. Immer mit dabei: Vater Chicho.

Dessen Trainingsmethoden sind ebenso legendär wie gefürchtet. Das bestätigt auch Jorge Lorenzo - und findet heftige Worte für seinen Vater: "Er war wie ein Drill-Sergeant. Mein Vater war eine Art Hitler, oder ein chinesischer oder russischer Turn-Trainer." Dennoch pflegen Jorge und Chicho heute ein gutes Verhältnis. Der Sohn weiß, was er seinem Vater zu verdanken hat. "Er hat mir viele Werte mitgegeben, die mich dorthin gebracht haben, wo ich heute bin. Disziplin etwa. Er hat mir beigebracht, dass nichts durch Glück passiert, sondern nur durch harte Arbeit. Das habe ich stets beherzigt", so Jorge Lorenzo.

Mit der MotoGP scheint der Mallorquiner mittlerweile endgültig abgeschlossen zu haben. "Ich bin jetzt glücklicher", stellt er fest. "In meiner aktiven Zeit habe ich ständig darüber nachgedacht, wie ich mich weiter verbessern kann. Oft habe ich sechs oder sieben Stunden am Tag trainiert." Und doch fehlen ihm einige Seiten des Sports: "Am meisten vermisse ich das Siegen. Ich war immer sehr ehrgeizig, schon als Kind. Das Siegen hat mir mehr Spaß gemacht als das Motorradfahren. Motorradfahren war für mich nur das Werkzeug, um in meinem Leben siegen zu können."


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