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Chaos im MotoGP-Quali von Aragon: Kritik an Gelbe-Flaggen-Regel

Im MotoGP-Qualifying von Aragon wurden Zeiten nachträglich gestrichen, dann doch wieder gewertet. Die neue Regel bei Gelben Flaggen sorgt für Verwirrung.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP verschärfte zur Saison 2020 ihre Regelung bezüglich Gelber Flaggen. Zuvor war eine persönliche Verbesserung in einem Sektor nur dann verboten, wenn dort doppelte Gelbe Flaggen geschwenkt wurden, also sich ein gestürzter Fahrer oder sein Motorrad etwa direkt auf der Strecke befand. Seit diesem Jahr gilt das auch, wenn nur einzelne Gelbe Flaggen geschwenkt werden, beispielsweise bei der Bergung eines Motorrads aus dem Kiesbett.

Mit dieser neuen Regelung wollte man gestürzte Fahrer und auch die Streckenposten schützen. Vor allem in den finalen Minuten der Trainings-Sessions und Qualifyings sorgte das aber immer wieder für Unmut, da es vielen Fahrern so oft nicht mehr möglich war, ihre Rundenzeiten zu verbessern. Und das obwohl keine direkte Gefahr vorhanden war.

Im zweiten MotoGP-Qualifying von Aragon am Samstag wurde es nun besonders chaotisch. Cal Crutchlow, Miguel Oliveira und Alex Marquez wurden nach der Session ihre schnellsten Runden gestrichen. Sie hätten nach dem Sturz von Johann Zarco in Kurve 16 unter Gelber Flagge Sektorbestzeiten erzielt, so der Vorwurf der Rennleitung. Wenig später wurden die Rundenzeiten wieder anerkannt und das Trio erhielt seine ursprünglichen Startpositionen zurück: Crutchlow steht auf P7, Oliveira auf P8, Marquez auf P10.

Wie konnte es aber zu dieser Verwirrung kommen? Nach dem Sturz von Zarco wurden tatsächlich Gelbe Flaggen geschwenkt. Als Crutchlow, Oliveira und Marquez an der Unfallstelle vorbeikamen, waren diese aber schon wieder verschwunden. Die Streckenposten hatten jedoch es jedoch aufgrund von Kommunikationsproblemen nicht geschafft, der Rennleitung dies mitzuteilen. Erst als die betroffenen Fahrer darauf hinwiesen, prüften Mike Webb und seine Kollegen die Szene und erkannten den Irrtum.

Alex Marquez war von der Verwirrung betroffen - Foto: MotoGP.com

Dennoch bleibt eine weitere chaotische Episode seit Einführung der neuen Regel. Jack Miller wurde am Freitag eine Runde wegen eines derartigen Vergehens erst mit 30 Minuten Verspätung und somit am absoluten Ende von FP2 gestrichen, was ihn bereits zu einer Schimpftirade inklusive unflätiger Begriff veranlasste.

Jack Miller attackiert Rennleitung

Am Samstag legte er nun noch einmal nach: "Man sieht, dass das System fehlerhaft ist. Ich habe der Rennleitung am Freitag schon im Meeting der Safety Commission gesagt, dass es nicht funktioniert. So einfach ist das. Ich fand die Regel dumm als sie erdacht wurde, ich fand sie dumm als die eingeführt wurde und ich finde sie immer noch dumm. Wir fahren hier Motorradrennen. Das ist ein gefährlicher Sport. Wenn eine Gelbe Flagge draußen ist dann musst du gegebenenfalls Tempo rausnehmen, aber wenn der Sturz an einer ungefährlichen Stelle passiert dann pusht du weiter. Meiner Meinung nach sollte es erst eine Strafe geben, wenn ein Fahrer in einem Bereich stürzt, wo es bereits zuvor einen Crash gab. So wie bei Marc in Silverstone (Marquez stürzte dort 2013, seine Honda flog auf den im Kies liegenden Crutchlow und die Streckenposten zu, Anm.). Schlussendlich mache ich die Regeln aber nicht, ich kann sie nur befolgen. Die Rennleitung hört uns zwar zu, aber verändern wollen sie in diesem Fall wohl eher nichts. Bei dieser Regelung sind sie sehr strikt."


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