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MotoGP: Pol Espargaro stinksauer - Wutrede gegen Marshals

Die schlechte Arbeit der Streckenposten in Brünn hat Pol Espargaro sein bestes Qualifying-Ergebnis gekostet. Die Wutrede des KTM-Piloten im Wortlaut.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - "Ich bin so wütend", poltert Pol Espargaro nach dem Qualifying in Brünn in seinem Media-Debrief. Der KTM-Pilot zeigte am Samstagnachmittag eine fantastische Leistung mit der RC16 und sollte am Sonntag eigentlich von Rang zwei aus ins Rennen starten. Daraus wird allerdings nichts. Und das hat Espargaro nicht etwa einem eigenen Fehler zu verdanken, sondern allein der schlechten Arbeit der Streckenposten. Wir haben Espargaros Wutrede im Wortlaut.

Was ist passiert?

Im zweiten MotoGP-Qualifying in Brünn brannte Espargaro mit seiner KTM eine Fabelzeit in den Asphalt, die ihm die Rennleitung allerdings kurz darauf wieder aberkannte. Der Grund? Espargaro hatte seine Bestzeit unter Gelben Flaggen gesetzt, nachdem LCR-Pilot Cal Crutchlow in Kurve neun gestürzt war. Soweit, so gut. Erst vor kurzem hatten die MotoGP die Regelungen bezüglich Gelben Flaggen im Training und im Qualifying angepasst. Mittlerweile wird den Piloten jede Bestzeit gestrichen, die unter einfacher oder doppelter Gelber Flagge zustande gekommen ist.

Espargaros Problem in dieser Situation ist auch nicht die Regelung selbst, sondern die seiner Meinung nach schlechte Arbeit der Streckenposten in Brünn. Diese zeigten die Gelben Flaggen nach Crutchlows Sturz direkt zwischen Kurve acht und neun, sodass der KTM-Pilot beim Richtungswechsel keine Chance hatte, sie zu sehen.

Espargaros Wutrede im Wortlaut

"Am Nachmittag hatte ich ein super Gefühl mit dem Bike. Auf dem ersten Run konnte ich sofort sehr schnell sein, aber ich hatte das Gefühl, als wäre noch mehr drin. Mit dem zweiten Reifen habe ich dann noch mehr gepusht und es lief wirklich gut, bis die Gelbe Flagge ins Spiel kam. Oder eher, als sie da auftauchte, wo sie nicht sein soll."

"Ich konnte sie nicht sehen, sie war genau in der Mitte von zwei Kurven. Es war unmöglich. Das war nicht unser Fehler, sondern der von den Streckenposten. Sie haben die Flagge nicht da gezeigt, wo wir in der Safety Commission besprochen hatten. Dafür habe ich jetzt bezahlt. Ich bin wütend darüber, denn es war eines, wenn nicht sogar das beste Qualifying, dass ich je mit der KTM gefahren bin. Ich hätte auf P2 stehen sollen, aber jetzt sind wir Sechste. Es macht einen großen Unterschied, ob man in der ersten Reihe oder knapp vor der Dritten steht."

Natürlich ist es immer gut, in die Top-6 zu fahren, aber wenn man in wahren Sinne sein Leben riskiert, um Runden wie diese zu fahren und sie einem dann auf eine solche Art und Weise genommen werden, dann ist das einfach unfair. Und ich mag keine Unfairness. Ich bin schon sehr lange in diesem Projekt und kämpfe. Jetzt schaffe ich es, solche Runden zu fahren, setze viel aufs Spiel und kriege dafür gar nichts. Klar, das Rennen ist morgen und wir sind in einer guten Position, aber das ändert nichts an dem, was passiert ist. Es ist einfach unfair."

Pol Espargaro geht nun von P6 statt von P2 aus in Rennen - Foto: MotoGP.com

"Wir müssen die Gelben Flaggen respektieren, aber sie müssen uns auch anständig gezeigt werden. Auch die Streckenposten müssen ihre Arbeit richtig machen. Als ich die Gelbe Flagge gesehen habe, war es schon zu spät. Sie können uns nicht zwischen zwei Kurven gezeigt werden, wo ich sie nicht sehen kann. Für diesen schlechten Job der Streckenposten und der Organisatoren bezahle ich jetzt."

"Außerdem war es auch nicht fair, weil Cal dort am Boden lag. Da kommt es nicht mal auf meine Runde an. Klar, ich verliere jetzt Positionen, aber das Problem ist dasselbe. Ich war superschnell unterwegs und Cal lag am Boden. Ich hätte dort auch crashen können, denn ich habe hart gepusht. Wenn wir solche Regeln durchsetzen wollen, dann müssen sie auch richtig ausgeführt werden. Und das war heute nicht der Fall."

Morgen werde ich von vorne anfangen, denn wir haben ja eine gute Pace. Aber heute hätte ich in der Pressekonferenz sein sollen und bin es nicht. Wir können dagegen angehen und das werden wir auch. Aber die Rennleitung wird sagen, dass man auf den Bildern ja die Gelbe Flaggen sieht. Das ist Bullshit! Da waren keine Gelbe Flaggen. Vielleicht sieht man sie, wenn man auf dem Bild ranzoomt. Aber stell dir mal vor, wie ich das auf dem Bike sehen soll, wenn ich die Richtung wechsle. Das sehe ich gar nichts."

"Sobald die Rennleitung eine Entscheidung getroffen hat, wird es für sie allerdings schwer sein, diese zurückzunehmen und sich ihren Fehler einzugestehen. Sie sind immerhin die Autorität. Dass es sowas mal gegeben hätte, davon habe ich noch nie gehört. Aber wir müssen Fehler wenigstens ansprechen und ihnen aufzeigen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Wir müssen sie daran erinnern, es beim nächsten Mal vielleicht anders zu machen. Ich habe heute einfach Pech gehabt."


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