MotoGP

Die MotoGP wird zu schnell für Mugello

Mugello ist eine der schnellsten Strecken im MotoGP-Kalender. In den letzten Jahren ist das Risiko für die Fahrer beträchtlich gestiegen.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Fragt man MotoGP-Piloten nach ihren Lieblingsrennstrecken, gibt es eigentlich nur zwei Antworten: Phillip Island oder Mugello. Beide Strecke punkten durch ein atemberaubendes, flüssiges Layout, welches extrem hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten ermöglicht. Mit seiner über 1,1 Kilometer langen Start-Ziel-Geraden sorgt Mugello zusätzlich regelmäßig für neue Topspeed-Rekorde in der MotoGP. Aktuell liegt der bei 356,6 km/h, aufgestellt von Andrea Dovizioso im Vorjahr. Cal Crutchlow hält dieses Jahr das Durchbrechen der 360er-Marke für möglich.

Was für die Fans ein atemberaubendes Spektakel bietet, ist für die Fahrer mittlerweile zu einem nicht zu unterschätzenden Sicherheitsrisiko geworden. Mugello ist eine Strecke alten Stils. Sie folgt dem natürlichen hügeligen Gelände in der Toskana und bietet an vielen Stellen wenig Raum, ehe die Streckenbegrenzung lauert.

Besonders klein fällt die Auslaufzone im letzten Teil der Start-Ziel-Geraden. Dort müssen die Fahrer ihre Maschinen bei rund 350 Stundenkilometern durch den Rechts-Links-Knick 'Rettilineo" navigieren, in dessen Mitte eine Kuppe für Wheelys sorgt. Gleichzeitig beginnen sie ein hartes Anbremsmanöver zur engen ersten Kurve 'San Donato'. Nur wenige Meter trennen sie dabei von den Begrenzungsmauern.

Mugello ein Fall für die Safety-Comission

"Wir haben darüber schon mehrmals in der Safety Commission geredet", verrät Marc Marquez. "Es gibt hier sehr kritische Punkte wie am Ende der Start-Ziel-Geraden. Die Mauer konnten wir zum Glück schon versetzen, denn die war sehr nah." Das musste Marquez in seiner ersten MotoGP-Saison 2013 am eigenen Leib erfahren. Er verlor die Kontrolle über seine Honda und konnte nur durch einen gezielten Sprung von der Maschine einen Einschlag in der Mauer vermeiden.

Die lange Gerade von Mugello verlangt vollste Konzentration - Foto: Ronny Lekl

Nun ist die vorhandene Kuppe in den Fokus der Sicherheitsverantwortlichen geraten. "Es wäre gut, die Kuppe etwas abzuändern, denn sie ist genau dort, wo wir zu bremsen beginnen", erklärt Marquez. "Dadurch wackeln die Motorräder extrem. Unsere Geschwindigkeiten werden jedes Jahr höher, da müssen wir sie flacher machen. Dann wäre es sicherer und die Show wäre trotzdem gleich gut."

Zustimmung erhält Marquez von Andrea Dovizioso: "Das ist eine wirkliche tolle Stelle auf diesem Kurs, aber wir sind dort absolut am Limit. Durch die Winglets hat sich die Art, wie man dort fahren muss, massiv geändert. Das Motorrad reagiert anders. Wenn die Geschwindigkeiten dort noch höher werden, ist es kritisch."

Kann die MotoGP Mugello sicherer machen?

Auch Valentino Rossi, der in Mugello nicht weniger als neun Mal gewinnen konnte, ist sich über die Risiken seines Lieblingskurses im Klaren. "Mugello ist eine Oldschool-Strecke und dadurch auch in manchen Passagen gefährlich. Wir sind hier sehr schnell unterwegs und haben oft keine großen Auslaufzonen", gibt er zu bedenken. "Wenn man auf der Start-Ziel-Geraden mit 350 Stundenkilometern abhebt, ist es gefährlich. Ich glaube aber, dass es nicht einfach wird, diese Stelle zu entschärfen."


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