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MotoGP-Analyse: So dominant war Ducati in Mugello

Ducati dominierte den MotoGP-Sonntag in Mugello. Doch statt einem Dreifachsieg wackelte am Ende sogar der Doppeltriumph. Die Gründe in der Analyse.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Jorge Lorenzo vollbrachte in Mugello sein Gesellenstück in den Diensten Ducatis. Der dreifache MotoGP-Weltmeister glänzte am Sonntag endlich wieder durch ein Höchstmaß an Konstanz. Dahinter gab es aufgrund völlig unterschiedlicher Reifenvariationen sehr asymmetrische Rennverläufe für einige Fahrer.

Während dadurch etwa Andrea Dovizioso gegen Ende völlig einbrach, war Valentino Rossi der stärkste Finisher des MotoGP-Sonntags in Mugello. Der Kultkurs in der Toskana blieb am Ende dennoch Fest in roter Hand. Motorsport-Magazin.com mit der Rennanalyse zum Grand Prix von Italien:

Die Reifenwahl in Mugello

Michelin brachte gleich vier Vorderradmischungen und die üblichen drei für das Hinterrad nach Mugello. Denn der harte Vorderreifen wurde in den Varianten symmetrisch und asymmetrisch angeboten. Von allen verfügbaren Mischungen kam im Rennen nur der weichste Frontslick nicht zum Einsatz.

Die "Standard-Variante" am Rennsonntag in Mugello war die Kombination aus dem Medium-Pneu vorne und dem weichsten Hinterreifen. Gleich 15 der 24 Fahrer entschieden sich für diese Kombi. Keinesfalls eine schlechte Wahl, denn immerhin setzte auch Sieger Lorenzo auf Medium vorne und Soft hinten.

VorneHintenFahrer
Medium Soft Lorenzo, Petrucci, Simeon, Lüthi, Abraham, Bautista, Morbidelli, Iannone, Nakagami, Smith, A. Espargaro, Rins, Redding, Syahrin, Rabat
Medium Medium Crutchlow, Zarco, Miller
Hard asym. Medium Rossi, Vinales
Hard Medium Pedrosa
Hard asym. Soft Dovizioso
Hard asym. Hard Marquez
Hard Soft P. Espargaro

Dennoch schafften auch Fahrer mit anderen Kombinationen nach vorne. Der Zweitplatzierte Andrea Dovizioso setzte den Soft hinten und den asymmetrischen harten Vorderreifen ein. Nach dem Rennen haderte er aber mit dieser Auswahl, die ihn vor allem gegen Ende des Rennes noch ordentlich zittern ließ, wie unsere Analyse noch zeigen wird.

Valentino Rossi hingegen schaffte es mit dem harten asymmetrischen Vorder- und dem mittleren Hinterreifen auf das Podest, während Maverick Vinales damit einmal mehr unterging. Mit der Yamaha war nur diese Reifenkombination über die volle Distanz zu bringen. "Wir hatten keine andere Wahl", stellte Rossi klar. "Dabei hatte ich mit dem harten Vorderreifen schon in den Trainings einfach kein gutes Gefühl. Daher war das heute eines der härtesten Rennen der letzten Zeit."

Comeback des Uhrwerks: Lorenzo in alter Manier

Jorge Lorenzo feierte sein Comeback auf dem obersten Treppchen in von ihm gewohnter Manier. Mit einem Blitzstart ging er in den ersten Kurven in Führung und dominierte von der Spitze das Renngeschehen. "Ich habe versucht, ihn einzuholen. Aber vor allem in der Mitte der Kurven und im letzten Teil der Bremszone war ich langsamer. Daher kam ich nicht ran. Er hat auch die Reifen deutlich besser gemanagt", streute ihm Dovizioso nach dem Rennen Rosen.

Tatsächlich war Lorenzo über weite Strecken des Rennens der schnellste Mann im Feld. In 15 der 23 Runden erzielte er die schnellste Zeit. Seine persönliche Bestzeit fuhr er in der zweiten Runde (1:48,106 Minuten). Bis zur 20. Runde war jede seiner Zeiten in einem Korridor von 0,733 Sekunden zu dieser Bestmarke. Eine derartige Konstanz konnte kein anderer Fahrer aufweisen.

FahrerSchnellste Runde (2-20)Langsamste Runde (2-20)Differenz
Jorge Lorenzo1:48,106 (Lap 2)1:48,839 (Lap 20)0,733 Sekunden
Valentino Rossi1:48,096 (Lap 2)1:49,563 (Lap 13)1,467 Sekunden
Andrea Dovizioso1:48,019 (Lap 4)1:49,983 (Lap 19)1,964 Sekunden
Danilo Petrucci1:48,001 (Lap 3)1:50,053 (Lap18)2,052 Sekunden
Andrea Iannone1:48,073 (Lap 2)1:50,131 (Lap 13)2,058 Sekunden

Zum Vergleich: Doviziosos beste und schlechteste Rundenzeit zwischen Lap 1 und 20 variierte um 1,9 Sekunden, jene von Rossi um 1,4 Sekunden und die vom angriffslustigen Iannone und vom defektgeplagten Petrucci um über zwei Sekunden. Im Gegensatz zu Lorenzo, der an der Spitze freie Fahrt hatte, mussten sich diese Piloten aber mit ihren Gegnern duellieren und verloren durch misslungene Attacken oder entsprechende Konter in einigen Runden Zeit bzw. konnten ihre schnellsten Zeiten dank Windschatten auf Start/Ziel erreichen.

Mugello ist und bleibt Ducati-Land

Seit dem Vorjahr ist Mugello fest in Ducatis Hand. Das bewies am Sonntag nicht nur der MotoGP-Doppelsieg von Lorenzo und Dovizioso, sondern auch die über zwei Renndrittel starke Performance von Danilo Petrucci. Der lag bis zur 17. Runde auf Podestkurs und fuhr in der dritten und vierten Runde die beiden schnellsten Zeiten des gesamten Rennens.

Von der ersten bis zur 20. Runde war in jedem einzelnen Umlauf eine Ducati das schnellste Motorrad auf der Strecke. 15 Mal war es Lorenzo, dreimal Petrucci und zweimal Dovizioso. Erst als in den letzten Runden Lorenzo nicht mehr musste und Dovi sowie Petrux nicht mehr konnten, fuhren andere Fahrer die schnellsten Einzelzeiten.

Petrucci konnte zunächst nicht einmal von einem Rammstoß von Marc Marquez gestoppt werden, der ihn in der ersten Runde in die Auslaufzone schickte und von Rang drei auf Platz acht zurückwarf. Ein Manöver, für das Petrucci später eine Bestrafung für den MotoGP-Champion forderte.

Mit der Wut im Bauch avancierte der Italiener zum schnellsten Fahrer und holte selbst auf Leader Lorenzo zwischen Runde zwei und vier, die er allesamt mit der schnellsten Einzelzeit beendete, 0,721 Sekunden auf. Bis Runde 12 hatte er sich auf Rang drei nach vorne gearbeitet, wo er sich kurzzeitig sogar um 0,7 Sekunden absetzen konnte. Dann gab es allerdings ein Problem mit der Benzinpumpe, das ihn bis zur Zieldurchfahrt auf den siebenten Platz zurückwarf.

Valentino Rossis Schlusssprint

Valentino Rossi sah zu Beginn des letzten Renndrittels seinen Podestplatz dahinschwinden. In der 15. und 16. Runde fand er sich nur auf dem fünften Platz wieder. "Zu diesem Zeitpunkt habe ich zum ersten Mal dran gezweifelt, dass sich das Podest noch ausgehen würde", gestand er nach dem Rennen. Doch Rossi konnte im Finale Reserven mobilisieren und war in den letzten zwei Runden sogar der letzte Mann, der eine Rundenzeit unter 1:49 Minuten anschreiben konnte.

In Runde 17 kassierte Rossi Rins, einen Umlauf später auch Petrucci. Im Finale musste er sich gegen Iannone verteidigen und bekam kurz vor Schluss sogar noch eine kleine Chance auf Platz zwei. Denn Dovizioso brach in den letzten Runden völlig ein. In der 17. Runde war er zum letzten Mal schneller als Rossi.

Auf Lap 18 verschlechterte sich Dovizosos Umlaufzeit im Vergleich zur Vorrunde um sieben Zehntel und stieg innerhalb weiterer drei Runden um eine halbe Sekunde an. Somit war Dovizioso in den finalen drei Runden nicht mehr fähig, unter 1:50 Minuten zu fahren. In den letzten sechs Umläufen holte Rossi ganze 5,702 Sekunden auf Dovizioso auf, sodass ihm im Ziel nur 0,259 Sekunden auf Rang zwei fehlten. Wäre das Rennen eine Runde länger gegangen, hätte sich der Doctor über ein noch besseres Ergebnis freuen können.

Auch Iannone ließ er keine Chance mehr. Der fuhr zu Beginn des letzten Renndrittels zwar noch einige Attacken, war aber in Runde 19 zum letzten Mal schneller als Rossi, ehe ihm dieser um letztlich 1,256 Sekunden enteilte.


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