MotoGP

Jack Miller mahnt: Sich bekriegen ist dumm, denkt an Simoncelli

Jack Miller fand am Donnerstag in Austin in der Sache Rossi/Marquez deutliche Worte. Der Pramac-Pilot erinnerte an Marco Simoncelli.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Auch am Rennwochenende nach dem Argentinien GP ist der Zwischenfall von Marc Marquez und Valentino Rossi noch immer Gesprächsthema Nummer eins im MotoGP-Fahrerlager. Argentinien-Polesetter Jack Miller fand am Donnerstag in der Pressekonferenz von Austin gewohnt deutliche Worte. Sein Appell an alle Fahrer und Fans: Hört auf euch zu bekriegen, denkt an Marco Simoncelli!

Nicht oft erntet ein MotoGP-Pilot in einer Pressekonferenz für eine Aussage Applaus von allen Beteiligten. Miller ist dies am Donnerstag in Austin allerdings gelungen. Denn auch dort war die Kontroverse um Rossi und Marquez natürlich nach wie vor ein großes Thema. "Ich möchte alle Leute noch einmal die Situation von Marco Simoncelli und Dani Pedrosa erinnern", sagt Miller.

Beim Frankreich GP 2011 fuhr Simoncelli ein im Nachhinein von der Rennleitung als illegal eingestuftes Manöver gegen Pedrosa, das ihn aus dem Rennen kegelte, ihm die WM-Führung vergeigte und noch dazu ein gebrochenes Schlüsselbein einbrachte. Simoncelli erhielt für das Manöver eine Durchfahrtstrafe und verlor seinen ersten Podestplatz. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde das Thema Sicherheit im Paddock viel diskutiert.

"Wir riskieren da draußen unser Leben", führt Miller weiter aus. "Wenn Fans und Fahrer anfangen, sich auf Seiten zu schlagen und zu bekriegen, dann ist das dumm. Wir sollten alle daran denken, dass das Leben kurz ist."

Safety Commission in Austin wichtiger denn je

Wieder einmal findet der Australier klare Worte für eine schwierige Situation, die laut den übrigen Piloten in der Pressekonferenz in der Safety Commission am Freitag Diskussionsthema sein wird. Jeder Fahrer im Paddock kann zu den Treffen am Freitag kommen, um über Sicherheitsfragen zu diskutieren und an beispielsweise Loris Capirossi als Dorna-Sicherheitsbeauftragten Vorschläge zu möglichen Verbesserungen heranzutragen. Gezwungen wird allerdings kein Fahrer dazu.

Der Zwischenfall von Valentino Rossi und Marc Marquez ist noch immer Gesprächsthema in der MotoGP - Foto: MotoGP/Twitter

Nach den Geschehnissen in Argentinien ist jedoch anzunehmen, dass in Austin die Mehrheit der MotoGP-Piloten anwesend sein wird. "Was genau wir besprechen werden, weiß ich noch nicht", erklärt Tech3-Pilot Johann Zarco. "Vielleicht eine Änderung der Regeln oder Strafen. Es kommt darauf an, wie wir die Situation analysieren. Wir müssen akzeptieren, dass wir auf der Strecke nun mal kämpfen. Natürlich müssen wir uns in einem Limit bewegen, aber solche Dinge passieren nun mal trotzdem. Wir müssen es besser kontrollieren lernen."

Der Meinung schließt sich Miller komplett an. "Wir sind hier, um zu kämpfen. Aber der Kampf sollte auf der Strecke bleiben und nicht in den Medien ausgetragen werden", erklärt der Pramac-Pilot ein weiteres Mal weise, gibt den Medien-Vertretern aber gleichzeitig einen Denkzettel mit auf den Weg. "Journalisten schreiben oft Sachen, um die Situation noch schlimmer zu machen. Ich verstehe, dass jeder auf eine krasse Geschichte wartet, aber die Wahrheit wird manchmal sehr gebogen und lässt Leute in einem schlechten Licht dastehen. Wir als Fahrer müssen auf unsere Worte achten."

Yamaha-Pilot Maverick Vinales stimmt ebenfalls mit seinen Kollegen darüber ein, dass ein gemeinsames Limit gefunden werden muss, in dem auf der Strecke und vielleicht auch darüber hinaus agiert werden kann. Allerdings warnt er auch davor, dass dieser Kompromiss nicht so einfach gefunden werden kann. "Es ist wichtig, dass wir wissen, wo unsere Limits liegen", sagt Vinales. "Aber jeder Fahrer hat natürlich seine eigenen Vorstellungen davon, wo das Limit liegt. Wir müssen alle unsere Vorstellungen zusammenlegen und am Ende bei einer Lösung herauskommen."

MM vs VR - Einfluss auf die gesamte MotoGP?

Denn ob sie es nun wollen, oder nicht, der Zwischenfall von Marquez und Rossi betrifft alle 24 MotoGP-Piloten im Grid auf irgendeine Art und Weise. Das stellt Andrea Dovizioso klar: "Die Sache zwischen Marc und Valentino beeinflusst zwar meine persönliche Strategie nicht, aber alles andere schon", erklärt der Ducati-Pilot. "Jedes Mal, wenn sie gegeneinander kämpfen, wird ihre Vergangenheit uns alle betreffen." Das beste Beispiel für Doviziosos Theorie ist natürlich der Argentinien GP, ohne den das Meeting der Safety Commission in Austin von wenig größerer Bedeutung wäre.

Zarco schließt sich Doviziosos Meinung an, geht aber sogar noch einen Schritt weiter. "Mich persönlich betrifft die Sache zwar auch nicht, aber ich hoffe, sie bringt keine negativen Auswirkungen für die Weltmeisterschaft", gibt der Tech3-Pilot zu bedenken. Natürlich soll der Sport die Zuschauer in erster Linie unterhalten, aber Helden wie eben Marc Marquez oder Valentino Rossi haben auch eine gewisse Vorbildfunktion für die junge Generation. Zwischenfälle wie diese schaden nicht nur dem Ansehen der Sportler, sondern auch des Sports selbst. Demnach ist es wohl im Sinne aller Beteiligter, so schnell wie möglich eine Lösung für Probleme wie dieses zu finden.


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