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MotoGP-Blog: Vinales setzt Startschuss zum Transferpoker

Das geht ja früh los! Maverick Vinales unterschreibt noch vor Test-Start seinen MotoGP-Vertrag für 2019. Was macht die Konkurrenz?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Das erste MotoGP-Rennen der Saison 2018 liegt noch ganze 53 Tage in der Zukunft, doch schon werden am Transfermarkt die ersten Verträge für 2019 unterschrieben. Maverick Vinales war der eigentliche Star bei Yamahas Teampräsentation, als er beiläufig erwähnte, dass er bei den Blauen um zwei Jahre verlängert habe.

Das erste Puzzleteil der MotoGP-Startaufstellung 2019 ist somit gelegt und das setzt alle Beteiligten unter Zugzwang. Denn die Verträge von nahezu allen Fahrern laufen mit Jahresende aus. Nur Cal Crutchlow (direkt bei HRC) sowie die beiden Rookies Franco Morbidelli und Xavier Simeon haben ihre Plätze für 2019 bereits im Vorjahr vertraglich zugesichert bekommen. Und nun eben Vinales.

Die Zeit drängt

Will man einen großen Transfercoup landen, muss man sich also sputen. Erinnerungen werden wach an 2016, als am Eröffnungswochenende in Katar noch vor dem ersten Rennen Valentino Rossi (Verlängerung mit Yamaha) und Bradley Smith (Wechsel zu KTM) für das Folgejahr unterschrieben hatten. Wer damals dachte, das wäre frühzeitig, hat mit Vinales nun sein blaues Wunder erlebt.

Taktisch war der Schachzug des Katalanen aber klug, denn nun wird er während der laufenden Saison nicht eine einzige lästige Frage über seine sportliche Zukunft beantworten oder auch nur an einem einzigen Vertragsgespräch im Paddock teilnehmen müssen. Somit kann er sich zu einhundert Prozent auf das Rennfahren konzentrieren - und auf den angepeilten Gewinn des Titels.

Wer wird also der nächste sein, der seinen Vertrag unterschreibt? Valentino Rossi? Der Doktor landete schon 2016 einen frühen Coup und lange werden Yamaha und Rossi wohl nicht verhandeln müssen. Will VR46 weitermachen, wird ihn Yamaha mit offenen Armen empfangen.

Was machen KTM und Ducati?

Die vielleicht größten Ambitionen im Transferpoker hegt KTM. Die Österreicher überzeugten in ihrem Debütjahr mit sportlichem Aufwärtstrend, der 2018 mit dem bewährten Fahrer-Duo Pol Espargaro/Bradley Smith fortgesetzt werden soll. Für 2019 soll aber ein großer Name her. Durch die Verbindung über Red Bull träumt der eine oder andere von Marc Marquez, realistischer ist aber wohl die Verpflichtung eines Fahrers vom Kaliber eines Johann Zarco, nach dem man in Mattighofen bereits seine Fühler ausgestreckt haben soll.

Ducati hingegen muss ein Luxusproblem lösen: Mit Jorge Lorenzo, Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci hat man aktuell drei Podestfahrer in den Reihen, aber nur zwei Motorräder für 2019. Erfolg macht ehrgeizig, und so stellte Petrucci zuletzt bereits klar, dass Ducati bis Ende Juni entweder die vertraglich zugesicherte Option auf eine Beförderung ins Werksteam ziehen könne, oder er sich einen anderen Arbeitgeber suche.

Vizeweltmeister Dovizioso wird sich hingegen nicht noch einmal mit einem Achtel des Gehalts von Lorenzo abspeisen lassen. Dass Ducati nebenbei auch noch Francesco Bagnaia, ein weiteres Talent aus der VR46-Schmiede, umgarnt und bei Pramac auf einen Werksvertrag setzen könnte, macht die Sache für die rote Rennfraktion nicht einfacher.

Transferkarussell, dreh dich!

Alles offen ist bei Suzuki und Aprilia. Deren Chancen im Transferpoker werden gehörig davon abhängen, wie sehr man sich im Winter und bei den ersten Saisonrennen steigern kann. Fahren die GSX-RR und die RS-GP im Windschatten des Podiums, hat man ein gutes Blatt. Liegt man außerhalb der Top-10, könnte es schwierig werden, selbst das etablierte Personal wie Alex Rins oder Aleix Espargaro zu halten.

Und das Weltmeister-Team? Bei Repsol Honda besteht kaum Handlungsbedarf. Mit Marc Marquez hat man den aktuell begnadetsten MotoGP-Piloten unter Vertrag, der seine Freiräume im Team und bei der Auswahl seiner Crew auch zu schätzen weiß. Mit Geld alleine kann man einen Marquez sicher nicht weglocken und so lange er bei Honda titeltaugliches Material hat, besteht kein Grund für ein Transfer-Abenteuer.

Für Dani Pedrosa sollte Ähnliches wie für Rossi gelten: Will er weitermachen, wird Honda ihm kaum Steine in den Weg legen. Für alle Fälle hat HRC schon im Vorjahr Cal Crutchlow auf einen Werksvertrag gesetzt und könnte ihn mit Saisonende mit einem einzigen Telefonat von LCR zu Repsol Honda transferieren.

Die Privat-Teams werden sich wohl damit begnügen müssen, was die Werksteams von der Schlacht am Fahrer-Buffet überlassen bzw. was die Factories auf eigene Kosten bei ihnen platzieren. Oder ihre Plätze an den Meistbietenden verkaufen, so wie Avintia an Xavier Simeon, dessen Geldköfferchen gleich für zwei Jahre gereicht hat.


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