MotoGP

Jonas Folger setzt MotoGP 2018 aus: Die Nachfolge-Kandidaten

Jonas Folger fährt keine Rennen in der MotoGP 2018. Eine Hiobsbotschaft für Tech3 Yamaha. Nun beginnt die Suche nach einem Ersatz. Die Kandidaten:
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Das Aus von Jonas Folger für die MotoGP-Saison 2018 ist ein bitterer Nackenschlag für Motorrad-Deutschland. Aber auch sein Team Tech3-Yamaha um Boss Herve Poncharal steht vor einer Herkulesaufgabe. Es geht nun darum, relativ kurzfristig einen möglichst adäquaten Ersatz für Folger zu finden. Und das keine zwei Wochen vor den ersten Vorsaison-Testfahrten in Sepang. So könnte die Kandidatenliste von Poncharal aussehen:

Nach Jonas Folgers MotoGP-Aus: Wie geht es jetzt weiter?: (14:26 Min.)

Katsuyuki Nakasuga / Kohta Nozane

Kohta Nozane zeigte in Motegi ein beachtliches Debüt - Foto: Suzuki

Eine wahrscheinliche Option: Yamaha wird einen seiner japanischen Testfahrer beim eigenen MotoGP-Kundenteam Tech3 unterbringen. 2017 etwa fuhr Kohta Nozane die Yamaha M1 von Folger beim Japan-GP in Motegi und lieferte für ein Königsklassen-Renndebüt keine schlechte Leistung ab. Einzig im Qualifying ging die Rote Laterne an ihn, auch im Rennen bis zu seinem Ausfall in Runde vier mischte Nozane im Mittelfeld mit. Mit etwas mehr Erfahrung im Team, auf dem Bike und auf den MotoGP-Strecken geht da noch einiges.

Der andere Testfahrer in Yamaha-Diensten ist Katsuyuki Nakasuga. Eigentlich ist er die erste Wahl Yamahas, wenn es darum geht, einen verletzten Fahrer in MotoGP oder Superbike-WM zu ersetzen. Nozane bekam seine Tech3-Chance nur, weil Nakasuga in Motegi ohnehin mit einer Wildcard dabei war. Auch Nakasuga konnte schon glänzen, wie der zweite Platz beim Valencia-GP 2012 zeigte. Zudem hat er sich bei den obersten Yamaha-Bossen in Japan durch seinen Hattrick bei den Suzuka 8 Hours ein hohes Standing erarbeitet.

Alex Lowes / Michael Van Der Mark

Alex Lowes holte in Silverstone 2016 drei Punkte - Foto: Tech 3

Neben den japanischen Testfahrern könnte man auch einem Fahrer aus der Superbike-WM die Chance geben, permanent auf dem MotoGP-Bike zu sitzen. Alex Lowes hat die WSBK-Saison 2017 als bester Yamaha-Pilot beendet, daher nennen wir ihn zuerst. Lowes hatte seine Chance bereits 2016, als er in Silverstone, Misano und Aragon für den verletzten Bradley Smith bei Tech3-Yamaha einsprang. Bleibenden Eindruck konnte er nicht hinterlassen, trotz der drei Punkte, die er durch den 13. Platz beim Großbritannien-GP einfuhr. Lowes' Gastspiel war nämlich vorzeitig beendet: In Aragon setzte er sich per Sturz selbst außer Gefecht.

Michael Van Der Mark hingegen war solide unterwegs, als er Folger in der vergangenen Saison in Sepang und Valencia ersetzte. Allerdings: Van Der Mark holte keine Punkte. Beim Malaysia-GP verpasste er als 16. die Punkteränge denkbar knapp, zwei Wochen später sprang Position 17 heraus. Im Gegensatz zu Superbike-Teamkollege Lowes blieb der Holländer jedoch unversehrt. Das und das größere Potenzial Van Der Marks könnten am Ende den Ausschlag geben.

Michael Van Der Mark bekam in Sepang und Valencia eine Chance - Foto: gp-photo.de

Ein anderer Fahrer?

Zugegeben, jetzt wird es spekulativ. Denn gute Fahrer mit dem nötigen MotoGP-Format, die für 2018 noch frei verfügbar sind, sind eine ganz rare Spezies. Einer von ihnen (und aus deutscher Sicht eine ganz attraktive Option): Stefan Bradl. Er hat für die kommende Saison seinen Platz im Honda-Werksteam in der Superbike-WM verloren und schielt ohnehin wieder in Richtung Königsklasse. Das Problem: Bradl ist nicht nur langjähriger Honda-Fahrer, sondern steht auch bei Red Bull unter Vertrag. Tech3 dagegen setzt auf Yamaha und hat Monster Energy als Sponsor. In dieser Gemengelage gilt eine Bradl-Verpflichtung als sehr unwahrscheinlich.

Stichwort Monster Energy: Der Energydrink-Riese ist nicht nur Hauptsponsor des Tech3-Teams, sondern unterstützt auch Valentino Rossi und seine Fahrer-Akademie. Ein Fahrer aus der Rossi-Riege ist daher als Kandidat schon wahrscheinlicher als Stefan Bradl. Der naheliegendste Kandidat: Franco Morbidelli. Der Moto2-Champion hat für dieses Jahr einen Vertrag mit Marc VDS unterzeichnet, verfügt aber über keinen HRC-Werksvertrag. Dementsprechend wäre eine Verpflichtung Morbidellis einfacher für Poncharal. Dann wäre Marc VDS in Zugzwang.

Tech3-Yamaha-Teamchef verkleinert Anwärterkreis

Bei 'GPOne' hat sich Poncharal nun erstmals in der Nachfolger-Frage geäußert, und dabei den Kreis an Anwärtern drastisch reduziert. "Einen jungen Fahrer aus der Moto2 zu verpflichten und ihn aufzubauen, das ist das Projekt das mich am meisten interessieren würde", so Poncharal. Für Poncharals Moto2-Team fahren 2018 Bo Bendsneyder und Remy Gardner, dieses Duo hätte man also schon unter Vertrag.

Außerdem will das Team keinen Fahrer aus einem bestehenden Vertrag holen. Es sei denn, das betreffende Team hat seinerseits schon einen Ersatz parat. Poncharal hat im Gespräch auch bestätigt, dass man bei den Sepang-Tests nur mit Johann Zarco fahren wird und erst in Thailand einen weiteren Fahrer auf Jonas Folgers Tech3-Yamaha setzen wird.


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