MotoGP

Loris Capirossi: Jorge Lorenzo nicht wild genug für MotoGP-Ducati

Jorge Lorenzo kommt bei seinem neuen Arbeitgeber nicht richtig in Fahrt. Ducatis erster MotoGP-Sieger Loris Capirossi glaubt zu wissen, woran das liegt.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Den Start in sein Ducati-Abenteuer hat sich Jorge Lorenzo mit Sicherheit ganz anders vorgestellt. Nach drei Rennen in der MotoGP-Saison 2017 hält er bei gerade einmal zwölf Punkten, liegt nur auf Rang 13 in der Gesamtwertung. Im teaminternen Duell mit Andrea Dovizioso, der mit 30 Zählern auf dem vierten Platz der Weltmeisterschaft liegt, zog er bisher ganz klar den Kürzeren. Eine frustrierende Bilanz für Lorenzo, der eine MotoGP-Saison nie schlechter als auf Gesamtrang vier beendete, die letzten acht Jahre stets unter den Top-Drei landete.

Loris Capirossi war 2003 einer von zwei Piloten, die die Ducati Desmosedici in ihrer MotoGP-Debütsaison pilotierten und gewann mit dem Motorrad gleich das sechste Rennen, den Grand Prix von Katalonien in Barcelona. Er vermutet, dass Lorenzo der große Unterschied zwischen seinem aktuellen Bike und der Yamaha M1, die er in allen seinen bisherigen neun MotoGP-Saison fuhr, überrascht hat. "Ich glaube, dass Lorenzo eine andere Ducati erwartet hat, als er dann wirklich vorgefunden hat", so der siebenfache GP-Sieger auf Ducati im Gespräch mit Radio 24.

Capirossi fand sich auf der Ducati einst schnell zurecht - Foto: Milagro

Capirossi sieht Brutalität als Schlüssel zu Lorenzos Ducati-Erfolg

Im Gegensatz zu Lorenzos gewohnter Yamaha sei die Desmosedici nicht auf allen Strecken problemlos, meint Capirossi: "Die Ducati ist ohne Zweifel ein konkurrenzfähiges Bike. Sie hat aber ihre Stärken und Schwächen, weshalb sie in den letzten Jahren auch auf manchen Strecken sehr gut funktioniert hat und auf anderen nicht." Tatsächlich war Ducati in der jüngsten Vergangenheit meist nur auf Strecken mit hohem Vollgasanteil oder langen Geraden konkurrenzfähig, etwa in Mugello, Losail oder am Red-Bull-Ring. Auf zahlreichen anderen Kursen hatte man hingegen Probleme.

Lorenzo fehlt diese Brutalität. Er ist ein sehr schneller Fahrer, ein sehr sauberer Fahrer, aber die Ducati braucht einen wilden Fahrer. Dovizioso ist das teilweise, Lorenzo ist es nicht.
Loris Capirossi

Und genau in diesen Situationen sei von den Piloten der Desmosedici eine besondere Tugend gefragt, die Capirossi bei Lorenzo vermisst: "Da, wo Ducati Probleme hat, muss man die Maschine mit einer gewissen Brutalität fahren. Lorenzo fehlt diese Brutalität. Er ist ein sehr schneller Fahrer, ein sehr sauberer Fahrer, aber die Ducati braucht einen wilden Fahrer. Dovizioso ist das teilweise, Lorenzo ist es nicht."

Lorenzos Yamaha-Fahrstil auf Ducati fast unmöglich

Der Fahrstil des dreifachen MotoGP-Champions gilt als einer der speziellsten in der Königsklasse. Kein anderer Pilot fährt so exakt wie Lorenzo. Eine Eigenschaft, die er sich auf der vergleichsweise problemlos zu fahrenden M1 aneignen und perfektionieren konnte. Lorenzo war nie besonders stark auf der Bremse, konnte aber mit der Yamaha unglaubliche Kurvengeschwindigkeiten erreichen und war so, vor allem bei freier Fahrt im Rennen, kaum zu schlagen. Dieser Trumpf wurde ihm bei Ducati nun genommen.

"Wenn du mit der Ducati versuchst, wie bei der Yamaha die Bremse vor dem Kurveneingang schon zu lösen um möglichst viel Tempo mitzunehmen, dann lenkt das Motorrad einfach nicht ein. In diesem Bereich verliere ich die meiste Zeit", hatte Lorenzo bereits nach seiner ersten Ausfahrt 2017 erkannt. Daran hat sich seither nicht viel geändert.


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