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MotoGP

Nach Team-Kollision in Argentinien schon fast 100 sieglose Rennen - Ducati und die verzweifelte Jagd nach dem Sieg

Fast 100 Rennen lang stand kein Ducati-Fahrer mehr ganz oben. Eine Team-Kollision wie in Argentinien hilft auch nicht weiter. Der Weg zurück an die Spitze.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Die Regelrevolution in der MotoGP zur Saison 2016 brachte Ducati endgültig zurück in die absolute Spitzengruppe. Nach vielen mageren Jahren mischten Andrea Dovizioso und Andrea Iannone schon in Katar munter in der Spitzengruppe mit. Auch in Argentinien kämpften beide Ducati-Werksfahrer um das Podium, ehe sich durch Iannones übermotivierte Aktion in der allerletzten Kurve des Rennens alle Hoffnungen der Roten auf ein Traumergebnis in Luft auflösten. Dovizioso schob sein Motorrad noch über die Ziellinie und rettete so mit Platz 13 drei Zählerchen.

"So etwas ist inakzeptabel! In dieser Kurve hatte er keine Chance zu überholen. Da gibt es nichts zu erklären. Es ist einfach nur schlecht für alle Beteiligten, vor allem für mich und Ducati", giftete Dovizioso nach dem Rennen in Richtung Iannone. Er sah sich schon als sicherer Zweiter und traute im Kiesbett liegend seinen Augen nicht. Fest steht: Die Jagd nach dem erlösenden ersten Sieg seit Jahren wird Ducati durch derartige Zwischenfälle nicht leichter gemacht.

Ducati und der steinige Weg zurück an die MotoGP-Spitze

Zuletzt siegte am 17. Oktober 2010 ein Fahrer in Rot - Casey Stoner gelang damals auf Phillip Island der bis heute letzte Ducati-Sieg. 94 Rennen sind seitdem vergangen, zählt man das abgebrochene und nicht mehr neu gestartete Todes-Rennen des Marco Simoncelli in Malaysia 2011 dazu. Seitdem durchschritten die Ducatisti ein tiefes Tal. Den negativen Höhepunkt bildete die Saison 2013, als kein einziger Ducati-Fahrer einen Pokal einheimsen konnte. Weder die damaligen Werksfahrer Dovizioso und Nicky Hayden, noch irgendeiner der Satelliten-Piloten schafften damals den Sprung in die Top-3 eines Grand Prix.

Erst durch die Verpflichtung Gigi Dall'Ignas und dessen aufsehenerregende Entscheidung, das Ducati-Werksteam zur Saison 2014 nach Open-Reglement antreten zu lassen, erfuhren die Roten wieder Aufwind. Prompt hielt man wieder besser mit der Konkurrenz mit. Andrea Dovizioso fuhr 2014 zwei Mal auf das Podium, Cal Crutchlow holte beim Regen-Chaos in Aragon Rang drei. Mit der von Dall'Igna entwickelten und mit Winglets ausgestatteten GP15 gelang den Roten 2015 der nächste Schritt zurück an die Spitze. Bei einzelnen Rennen konnte Ducati bis zum Schluss um den Sieg mitkämpfen. Besonders knapp war es in Katar, Silverstone und auf Phillip Island.

In Argentinien lagen beide Ducati-Fahrer in der letzten Kurve auf der Schnauze - Foto: Repsol

Was fehlt Ducati noch zum MotoGP-Sieg?

In Katar standen damals mit Andrea Dovizioso und Andrea Iannone zwei Ducati-Piloten auf dem Podest, nur um Haaresbreite von Valentino Rossi geschlagen. In Silverstone durften Dovizioso und Danilo Petrucci auf dem Treppchen jubeln, auch hier gewann Rossi. Auf Phillip Island fightete Iannone bis ganz zum Schluss um den Sieg und musste sich mit Rang drei begnügen. Die Änderungen zur Saison 2016 beflügelten Ducati weiter - und das nicht nur durch neue Winglets an den Seiten. Die Roten sind spätestens in diesem Jahr wieder ernst zu nehmende Gegner, wie die ersten beiden Rennen demonstrierten.

Doch um den letzten Schritt zu gehen und den Sieg dann auch einzufahren, dafür müssen die Ducati-Fahrer nicht nur Speed, Konstanz und das Momentum auf ihrer Seite haben. Auch Weitsicht müssen sie an Tag legen. Eine Tugend, die Iannone in Argentinien vermissen ließ. "Wenn man in einem Werksteam fährt, muss man wissen, wann man aggressiv sein kann und wann nicht. Man darf nicht nur an die erste und letzte Kurve denken", merkte Dovizioso nach dem Rennen belehrend an. Sonst erreicht Ducati bald die wenig schmeichelhafte Marke von 100 sieglosen Rennen. In Assen wäre es soweit.

Ducati: Alle MotoGP-Podien seit dem letzten Sieg 2010

Alle zweiten Plätze seit Phillip Island 2010:

FahrerRennenRückstand
Andrea DoviziosoKatar 20162,019
Danilo PetrucciSilverstone 20153,010
Andrea IannoneMugello 20155,563
Andrea DoviziosoTermas de Rio Hondo 20155,685
Andrea DoviziosoAustin 20152,354
Andrea DoviziosoKatar 20150,174
Andrea DoviziosoAssen 20146,714
Valentino RossiMugello 20124,398
Valentino RossiLe Mans 20129,905
Casey StonerValencia 20104,576

Alle dritten Plätze seit Phillip Island 2010:

FahrerRennenRückstand
Andrea IannonePhillip Island 20150,930
Andrea DoviziosoSilverstone 20154,117
Andrea DoviziosoLe Mans 201512,380
Andrea IannoneKatar 20152,250
Cal CrutchlowAragon 201410,312
Andrea DoviziosoAustin 201420,976
Valentino RossiLe Mans 201114,564
Nicky HaydenJerez 201129,085

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