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MotoGP: Die fünf unsportlichsten Manöver der Geschichte

Wird in der Motorrad-WM zunehmend härter gefahren? Motorsport-Magazin.com erinnert an fünf Manöver, die in den vergangenen Jahren für Aufregung sorgten.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Der Artikel wurde in der 78. Ausgabe des Printmagazins von Motorsport-Magazin.com am 12. Mai 2021 veröffentlicht.

Wird in der Motorrad-WM zunehmend härter gefahren? Fünf Manöver, die in den vergangenen Jahren für Aufregung sorgten.

5 - IANNONE TORPEDIERT LORENZO (2016)

Andrea Iannone war stets als knallharter Zweikämpfer bekannt und sorgte für so manche grenzwertige Manöver. 2016 schoss er bereits im zweiten Saisonrennen in Argentinien seinen Ducati-Teamkollegen Andrea Dovizioso in der vorletzten Kurve auf Podestkurs ab. In Barcelona legte er aber noch eine Schippe drauf: In der 17. Runde versuchte er, im scharfen Linksknick Kurve 10 Jorge Lorenzo zu überholen. Iannone verpasste dabei aber nicht nur den Bremspunkt um viele Meter, sondern zog seine Attacke auch nicht zurück, als es keine Chance mehr auf Erfolg gab. Lorenzo befand sich bereits in Schräglage, während ihm Iannone von der Innenbahn in die Flanke knallte. Die Torpedoattacke katapultiert Lorenzo aus dem Rennen, während auch Iannones Grand Prix zu Ende war. In der Auslaufzone nahm der Spanier die Entschuldigung des Italieners nicht an und meinte später über diese Szene: "Er hat nicht so gebremst, als würde jemand vor ihm fahren." Die Stewards goutierten Iannones Manöver nach einer Anhörung mit einer harten Grid-Strafe. Im Folgerennen in Assen durfte Iannone von ganz hinten starten.

Foto: Ducati

4 - DAS CHAOS VON SPIELBERG (2020)

In der Sommerhitze des Corona-Jahres 2020 brannten in den beiden Rennen im österreichischen Spielberg gleich mehreren Fahrern die Sicherungen durch. Im ersten Lauf der MotoGP sorgte Johann Zarco mit einer schlecht gewählten Linie zwischen zweiter und dritter Kurve für einen Highspeed-Abschuss. Der Franzose knallte Franco Morbidelli ins Heck, beide flogen ab und die havarierten Motorräder verfehlten Maverick Vinales und Valentino Rossi, die schon in der Ausfahrt von Turn 3 unterwegs waren, nur haarknapp. Nur um wenige Zentimeter wurde damals ein womöglich tödlicher Unfall verhindert, sodass Morbidelli Zarco nach der Aktion als "halben Mörder" bezeichnete. Die Stewards bewerteten den Zwischenfall ähnlich, sodass der Franzose im darauffolgenden Rennen aus der Boxengasse starten musste. Das hielt aber eine Woche später Sam Lowes nicht von einer Nachahmungstat ab. Im Moto2-Rennen bremste der Brite Turn 3 viel zu spät an und kegelte gleich zwei Konkurrenten aus dem Rennen. Der Lohn: Schwarze Flagge und ein Start aus der Boxengasse im darauffolgenden Rennen.

Foto: LAT Images

3 - DER SEPANG-CLASH (2015)

Der Malaysia-GP 2015 ging als eines der kontroversesten Kapitel in die MotoGP-Geschichte ein, an dem sich heute noch die Geister zwischen Rossi- und Marquez-Fans scheiden. Alles begann mit einem missglückten Psychospielchen Rossis, der vor italienischen Medien Marquez im WM-Kampf Beihilfe für Jorge Lorenzo unterstellte - obwohl dieser eine Woche zuvor auf Phillip Island Lorenzo auf den letzten Metern besiegt hatte. Im Rennen trafen Marquez und Rossi im Kampf um den 3. Platz rasch aufeinander und Marquez begann seinerseits mit Spielchen auf der Strecke. In der 7. Runde brannten Rossi die Sicherungen durch, er ließ sich nach mehrmaligem Umdrehen in einer Rechtskurve nach außen abtreiben, nahm Kontakt mit Marquez auf, versuchte ihn mit dem Knie wegzudrücken und brachte ihn dadurch irgendwie zu Fall. Rossi entging einer Schwarzen Flagge nur knapp und angeblich auf Intervention des Dorna-Mannes in der Rennleitung, der das WM-Finale zwischen Rossi und Lorenzo möglichst offen halten wollte. Ganz ohne Strafe kam der Italiener aber nicht davon. Er musste beim Finale vom letzten Platz starten und konnte nicht genug aufholen, um den Titel zu gewinnen.

Foto: Milagro

2 - MARQUEZ LÄUFT AMOK (2018)

Die Feindschaft zwischen Valentino Rossi und Marc Marquez sorgte einige Jahre für Zündstoff in der MotoGP. Am 8. April 2018 eskalierte die Situation in Argentinien wieder einmal völlig. Marc Marquez lieferte an diesem Tag einen regelrechten Amoklauf ab. Da er seine abgestorbene Honda im Grid zum neuerlichen Starten gewendet hatte, erhielt er früh eine Durchfahrtsstrafe, die ihn an das Ende des Feldes zurückwarf. Völlig übermotiviert ging Marquez bei seiner Aufholjagd gegen seine Gegner mit der Brechstange zu Werke und bekam dafür eine Positionsstrafe. Als er in der 20. der 24 Runden schließlich auch noch Rossi von der Strecke kegelte, brachen beim "Doctor" alle Dämme und er unterstellte Marquez: "Er hat unseren Sport zerstört, denn er hat keinerlei Respekt für seine Gegner. Nie. Heute ist er im Rennen geradeaus in vier Piloten reingefahren. Das war Absicht und kein Missgeschick." Als der Spanier nach Rennende in Rossis Box kam, um sich zu entschuldigen, verweigerte ihm dieser den Handschlag. Von der Rennleitung wurde er mit einer nachträglichen Zeitstrafe bedacht, die ihn aus den Punkterängen katapultierte.

Foto: MotoGP

1 - FENATIS GRIFF AN DIE BREMSE (2018)

Romano Fenati sorgte am 9. September 2018 im Moto2-Rennen in Misano für einen Eklat, der es bis in die Hauptnachrichten großer TV-Sender weltweit schaffte und ihm traurige Berühmtheit einbrachte. Nach einem hitzigen Duell mit Stefano Manzi griff der Italiener seinem Gegner bei voller Fahrt plötzlich an die Bremse. Die Rennleitung nahm ihn umgehend per Schwarzer Flagge aus dem Rennen, während ihn die Stewards mit einer Sperre von zwei Rennen bedachten. Doch für Fenati sollte es nach einem globalen Shitstorm noch viel dicker kommen. Er verlor zunächst seinen aktuellen sowie den nächstjährigen Arbeitsplatz und wurde anschließend vom italienischen Verband und später von der FIM gesperrt. Manzi selbst unterstellte ihm, er hätte ihn mit dieser Aktion "töten wollen". Eine Aussage, von der er später aber wieder Abstand nahm. In Italien wurden zivilrechtliche Schritte gegen Fenatis Griff zur Bremse angedacht, zu einer Anklage kam es aber nie. Zu Saisonstart 2019 fand Fenati überraschend wieder ein Team und fährt seither wieder in der Moto3-Klasse.

Foto: Screenshot

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