MotoGP

33 WM-Punkte in letzter Kurve vernichtet - Strafe nach Ducati-Crash: Iannone räumt Dovi ab

Ducati jubelte schon beinahe über ein Doppel-Podium. Doch dann hatte Andrea Iannone sein Temperament nicht im Griff.
von Michael Höller & Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Andrea Iannone wurde seinem Spitznamen "Maniac" beim Argentinien GP wieder einmal voll und ganz gerecht. In der letzten Kurve des Rennens räumte er mit einem übermotivierten Manöver seinen Teamkollegen Andrea Dovizioso ab. Da die beiden Ducatisti zu diesem Zeitpunkt auf den Plätzen zwei und drei lagen, vernichtete Iannone mit seiner Aktion nicht weniger als 33 WM-Punkte auf einen Schlag für seinen Arbeitgeber. Dovizioso konnte als Motorrad-Schieber zumindest noch drei Zähler retten, während der Unfallverursacher selbst leer ausging.

Für sein Verhalten bekam Iannone umgehend die Rechnung präsentiert: Der Italiener muss in der Startaufstellung für den kommenden Grand Prix in Austin um drei Plätze nach hinten. Von einer mutmaßlichen Standpauke bei Ducati ganz zu schweigen.

Das Comeback als Crash-Pilot

War Iannone 2015 noch einer der Aufsteiger des Jahres, fällt er nun wieder zurück in alte Muster. Schon beim Auftakt in Katar war er aus eigenem Verschulden gecrasht, als er in aussichtsreicher Position die weiße Streckenmarkierung berührte und sofort abflog. Zusammen mit seinem Sturz in Valencia und dem technisch bedingten Ausfall in Sepang hält Iannone nun bereits bei vier Nullnummern in Folge.

Nicht gerade die beste Visitenkarte, wenn man sich für eine Vertragsverlängerung empfehlen will in einem Team, das - glaubt man den Gerüchten über eine Lorenzo-Verpflichtung - 2017 nur einen seiner beiden Fahrer behalten wird können. "Es ist wirklich sehr schade, Platz zwei und drei so zu verlieren", stellte Teammanager Davide Tardozzi nach der Teamkollision fest. "Da geht es nicht nur um die Punkte für die Meisterschaft, sondern auch um die Arbeit des gesamten Teams, die dahintersteckt."

Iannone vernichtete ein tolles Ducati-Resultat - Foto: Ducati

Weniger gefasst reagierte Andrea Dovizioso, der sich durch den Zusammenprall um 20 Punkte für die Weltmeisterschaft betrogen fühlte. "So etwas ist inakzeptabel", ärgerte er sich über seinen Stallgefährten Iannone. "In dieser Kurve hatte er keine Chance zu überholen. Da gibt es nichts zu erklären. Es ist einfach nur schlecht für alle Beteiligten, vor allem für mich und Ducati. Diese 20 Punkte wären nach unseren Schwierigkeiten im Winter Gold wert gewesen."

Generell war Dovizioso mit dem Verhalten Iannones auf der Rennstrecke gar nicht einverstanden. "Er hat heute zwei große Fehler gemacht", spielte er auf die Berührung mit Marc Marquez in Kurve eins an. "Ich weiß nicht was in seinem Kopf vorgeht. Wenn man in einem Werksteam fährt, muss man wissen, wann man aggressiv sein kann und wann nicht. Man darf nicht nur an die erste und letzte Kurve denken. Fehler macht jeder, aber es kommt drauf an, wie sie passieren."

Rüffel von Rossi

Iannone war heute sehr aggressiv. Er hat auch mich schon am völlig falschen Punkt überholt.
Valentino Rossi

Auch Valentino Rossi, der vom Ducati-Crash profitierte und Platz zwei erbte, kritisierte Iannone nach dem Rennen für dessen Fahrstil in Argentinien. "Iannone war heute sehr aggressiv. Er hat auch mich schon am völlig falschen Punkt überholt, was uns beide Zeit gekostet hat", ärgerte sich der Doktor. "Ich habe dann natürlich gehofft, dass er das gleiche bei Dovi probieren würde. Als es dann tatsächlich passiert ist, habe ich nur geschaut, nicht selbst in den Crash verwickelt zu werden."

Nach den harten Worten durch Teammanager Tardozzi, Dovizioso und Rossi versuchte Iannone gar nicht die Schuld von sich zu schieben. Er wollte sich nur rechtfertigen: "Es tut mir leid für das Team. Der Sturz ist passiert, aber ich habe an der gleichen Stelle gebremst wie Dovi. Bei diesen Verhältnissen schießt man einfach so leicht über das Limit hinaus." Der Schock bei Ducati war jedenfalls groß. Nur drei WM-Punkte statt 36 plus Strafe für Iannone in Austin. Und das für eine Rennfraktion, die ohnehin schon seit nun 93 Rennen auf einen Sieg warten muss. "Maniac" hat seinem Arbeitgeber in Argentinien jedenfalls keinen Dienst erwiesen.


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