Konstanz bei Nissan in der Formel E: Der japanische Hersteller behält in der Saison 12, die am 6. Dezember 2025 in Sao Paulo beginnt, ihre Fahrerpaarung bestehend aus Weltmeister Oliver Rowland und dem Franzosen Norman Nato. Das gab Nissan am Donnerstagmorgen bekannt.
Für Weltmeister Rowland bleibt es dabei nicht nur bei einem Vertrag für die nächste Saison. Der Brite unterschreibt gleich einen mehrjährigen Vertrag und wird somit mindestens auch die erste Saison der neuen Gen4-Ära 2026/27 mit Nissan bestreiten. „Was wir seit meiner Rückkehr zum Team 2023/24 erreichen konnten, ist bemerkenswert gewesen“, wurde Rowland in einer Pressemitteilung des Teams zitiert. „Seit ich in die Formel E gekommen bin, hatte ich ein hohes Level an Vertrauen ins Team, genauso wie ich viel Unterstützung von ihm erfahren habe.“
Norman Nato darf bei Nissan bleiben – trotz gigantischem Rückstand
Während eine weitere Zusammenarbeit mit Rowland angesichts der großen sportlichen Erfolge nie zur Debatte stand, dürfte die Weiterbeschäftigung von Nato nicht wenige Beobachter überraschen. Mit lediglich 21 Punkten belegte dieser nur den 20. Platz in der Fahrer-WM, während Rowland 184 Zähler sammelte. Diese Ausbeute war letztlich mit dafür verantwortlich, dass Nissan trotz des Fahrer-Titels mit Rowland in der Team- und Hersteller-Wertung nur Rang drei noch hinter Weltmeister Porsche und Jaguar einfuhr.
Während Rowland vier Siege und sieben Podestplätze einfuhr, kam Nato nicht über zwei sechste Plätze hinaus. Dabei war der 33-Jährige allerdings auch das ein oder andere Mal vom Pech verfolgt. In Miami überquerte er nach Start von der Pole die Ziellinie eigentlich auf dem ersten Platz, fiel jedoch nach einer kontroversen Attack-Mode-Strafe auf P6 zurück.

Rowland verteidigt Nissan-Teamkollegen: Zeigt nicht, wie seine Saison war
Auf das Pech Natos kam auch Rowland selbst zu sprechen, als er im Vorfeld des finalen Rennwochenendes in London in der offiziellen Fahrer-Pressekonferenz von Motorsport-Magazin.com nach der Zukunft seines Teamkollegen gefragt wurde. „Er hat mich durchaus einige Male in Freien Trainings und im Qualifying ans Limit gepusht“, so Rowland. „Ich war an einigen Stellen im Glück und er hatte Pech. Der Punkteunterschied zeigt nicht wirklich, wie seine Saison insgesamt war.“
Doch mit reinem Pech im Rennen lässt sich das insgesamt starke Performance-Defizit bei weitem nicht erklären. Denn auch in den Qualifyings hinkte Nato seinem Teamkollegen weit hinterher. In den 13 gemeinsamen Qualifikations-Sessions des Jahres (Nato verpasste das Rennwochenende in Berlin aufgrund der WEC in Sao Paulo) konnte er Rowland nur zweimal schlagen und platzierte sich dabei durchschnittlich auf Platz 13,08, während Rowland im Schnitt Startplatz 6,6 erreichte. In die sogenannten Qualifying-Duelle der Top-8 konnte Rowland achtmal einziehen, Nato nur dreimal.
„Wir hinterfragen das auch“, hatte Nissan-Teamchef Tommaso Volpe in London erklärt, als er von Motorsport-Magazin.com auf diese nur wenig schmeichelhafte Bilanz seines Piloten angesprochen wurde. Doch trotz dieser Fakten entschied sich Nissan letztlich für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Nato entgeht damit dem vierten Rauswurf bei einem Formel-E-Team nach nur einer Saison in Folge und seinem zweiten bei Nissan. 2021, 2023 und 2024 hatte er seine Stamm-Cockpits bei Venturi (heute noch Maserati, zukünftig wohl Citroen), Nissan und Andretti jeweils nach nur einem Jahr verloren.
Nato verteidigt sich: Punkte sind nicht die Realität
Und was sagt Nato selbst zu seiner Bilanz? „Olli ist eine sehr beeindruckende Saison gefahren. Ich konnte mit ihm besonders in der ersten Saisonhälfte nicht mithalten“, gestand Nato gegenüber Motorsport-Magazin.com ein. Dafür machte er aber auch die Tatsache verantwortlich, dass er sich 2025 nach einem Jahr bei Andretti erst wieder ins Team einfinden musste. „Ich war zwar 2023 da, aber das Team war komplett anders. Am Anfang des Jahres hat mir also ein bisschen die Erfahrung gefehlt“, so Nato.
Vor allem dem verlorenen Miami-Sieg trauerte Nato dabei hinterher – auch in Bezug auf die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. „Schon dann hätten die Leute gesagt, dass es keine schlechte Saison war“, meinte der einmalige ePrix-Sieger. „Realistisch gesehen, wäre ich mit den zwei verpassten Rennen (in Berlin; d. Red.) P8 oder P9 in der Meisterschaft gewesen, also natürlich nicht, wo Olli die Saison beendet hat. Aber es wäre performance-technisch ein ziemlich gutes Comeback bei Nissan gewesen. Wenn man nur auf die Punkte schaut, was einfach ist, sieht es natürlich schlecht aus. Aber das ist nicht die Realität.“
Konstanz-Wunsch bei Nissan-Paarung im Fokus
Natos Verbleib dürfte zu einem großen Teil auf Nissans Wunsch nach Konstanz bei den Fahrern zu tun haben, nachdem die Fahrerpaarung zuletzt viermal in Folge gewechselt hatte. „Kontinuität wäre etwas, das für uns in der letzten Saison des Gen3-Reglements von Bedeutung sein könnte“, hatte Volpe bereits in London angekündigt. „Es ist jedes Mal ein disruptiver Prozess.“

Die Entscheidung hat auch damit zu tun, als wie weit fortgeschritten Volpe die Entwicklung des Nissan-Teams sieht, denn: „Wenn du eine sehr strukturierte, konstante Organisation für fünf Jahre hast, könntest du einfach einen Fahrer hineinwerfen und direkt am nächsten Tag anfangen zu arbeiten.“ An diesem Punkt sieht Volpe Nissan aber noch nicht. „Wir wachsen immer noch als Team und ändern Dinge. Für eine Organisation wie unsere an diesem Zeitpunkt kann es also eher disruptiv sein“, so der Italiener.
Nissan-Boss kritisiert Team: Haben keine vergleichbare Performance geschafft
Zudem wies Volpe darauf hin, die Verantwortung nicht nur bei Nato zu suchen, sondern nahm auch das Team um ihn in die Pflicht. „Natürlich muss der Fahrer die Performance auf die Strecke bringen“, setzte Volpe an. „Aber die Performance jedes Fahrers ist auch die Performance des Teams. Du hast viele Leute, die an den zwei Leuten arbeiten. Wenn eine Seite der Garage nicht so wie die andere abliefert, gibt es immer etwas, dass auch von jemand anderem (als dem Fahrer; d. Red.) kommt.“
“Es gibt die Schwachstelle, dass das Team es nicht geschafft hat, eine gleiche oder vergleichbare Performance zwischen den Fahrern herzustellen“, so Volpe weiter. „Es ist nicht nur der Fahrer selbst. Natürlich gab es Fehler (von Nato; d. Red.) und solche Dinge, aber es ist nicht nur der Fahrer.“
Natos Verlängerung hatte sich bereits beim letzten Rennwochenende der Formel E in London abgezeichnet, war dort jedoch bei weitem nicht das einzige Thema auf dem turbulenten Fahrermarkt der Elektro-WM. Die aktuellsten Gerüchte haben wir Euch diesbezüglich in diesem Artikel zusammengefasst:


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