Porsche, Jaguar, Nissan, Stellantis und Lola Yamaha: Fünf der aktuell sechs in der Formel E vertretenen Hersteller haben sich bereits zur Gen4-Ära bekannt, die mit der Saison 13 (2026/27) beginnt. Einzig der indische Autobauer Mahindra macht weiterhin ein Rätsel um seine Zukunft in der Elektro-WM. Ein grundsätzlicher Formel-E-Ausstieg steht wohl nicht zur Debatte, beim Saisonfinale in London geisterte aber im Fahrerlager ein Szenario umher, bei dem Mahindra nur noch als Kundenteam weitermacht, sich aber als Hersteller zurückzieht.
Klar ist: Das Formel-E-Team von Mahindra will den Status als Werksmannschaft nicht aufgeben. „Es ist etwas, worum wir kämpfen“, stellte Teamchef Frederic Bertrand in London gegenüber Motorsport-Magazin.com klar. Die Entscheidung wird letztlich jedoch nicht beim Team im britischen Banbury getroffen, sondern bei den Entscheidern in Indien. Und für diese gibt es ein verlockendes Argument für einen Umschwung zum Kundenteam. „Das Kundenteam ist günstiger“, rechnete Bertrand vor. „Du sparst dir den Entwicklungsanteil (für die Power Unit; d. Red.) und kürzt damit das Budget um die Hälfte.“
Kundenteams 2025 klar unterlegen: Immer noch besser ein Hersteller zu sein
Aus Performance-Sicht gibt es derweil nur wenig, was für einen solchen Schritt spricht. Zwar gewannen 2023 Jake Dennis im Kundenporsche von Andretti die Fahrer- und Jaguar-Kundenteam Envision die Team-Weltmeisterschaft. Doch diese Zeit, in der die Kundenteams den Herstellern auf der Nase herumtanzten, blieb eine Eintagsfliege. 2025 wurden die ersten fünf Plätze in der Team-Wertung ausschließlich von Werksteams belegt, kein einziger Kunde konnte das eigene Werk hinter sich lassen. Auf die vier Hersteller mit Kundenteam entfielen 13 von 16 Rennsiegen, auf ihre insgesamt fünf Kunden nur die restlichen drei.
Über diesen Umstand ist sich auch Bertrand bewusst: „Es ist immer noch besser ein Hersteller zu sein.“ Abhängig könnte die Entscheidung letztlich auch davon sein, von welchem Hersteller-Kaliber Mahindra für die Gen4 einen Antrieb erhalten könnte. „Wenn wir Kundenteam werden, dann werden wir uns mit jemandem zusammentun, der uns ein gutes Paket liefern kann“, kündigte Bertrand an. „Und wenn wir als Hersteller bleiben können, wollen wir das tun, wenn wir ein gutes Auto entwickeln können. Deshalb ist die Entscheidung noch nicht getroffen worden.“

Nach Abt-Desaster: Findet Mahindra wieder ein Kundenteam?
Eine Entscheidung müsse aber fallen „bevor es zu spät ist“, so Bertrand weiter. Spätestens bis Ende des Jahres soll endgültig Klarheit herrschen. Fraglich ist aber, inwiefern Mahindra angesichts der Unklarheit über einen Entwicklungsrückstand beim Antrieb für die Gen4 verfügen würde, sollten sie ein Werksteam bleiben. Die Konkurrenz entwickelt bereits seit längerem auf Hochtouren.
Mit in die Überlegungen dürfte auch mit hineinspielen, dass es nach dem Desaster mit Kundenteam Abt, das bereits bei erster Gelegenheit das Weite suchte, schwierig für Mahindra werden könnte, für die Gen4 wieder ein Kundenteam zu finden. Und dass ein nicht vorhandenes Kundenteam zu Problemen führen kann, erfuhr Mahindra in dieser Saison am eigenen Leibe. „Vier Autos statt zwei Autos auf der Strecke zu haben, hätte uns in dieser Saison wahrscheinlich geholfen, schneller zu performen“, glaubte Bertrand. „Du erhältst mehr Daten für die Entwicklung, für das Rennen, Reifentemperaturen, Reifenmanagement, Reifendruck, alles!“
Mahindra 2025 sportlich klar verbessert
Helfen könnte Bertrand beim Kampf um eine Hersteller-Zukunft die klar verbesserte sportliche Bilanz des Mahindra-Antriebs. Nach zwei katastrophalen Jahren mit dem Gen3-Auto, in denen das Team zweimal den vorletzten Platz der Team-WM belegte, ging es dieses Jahr klar aufwärts. Fünfmal stand Mahindra auf dem Podest, in der WM konnte Rang vier erreicht – etwa noch vor beiden Stellantis-Teams (Werksmannschaft DS Penske und Kundenteam Maserati). Damit übertraf Mahindra sogar die eigens gesetzten Ziele einer Top-5-Platzierung.
“Wir hatten Schwachstellen beim Personal, bei den Prozesses, bei der Art, ambitioniert zu sein“, fasste Bertrand ein Hauptproblem zusammen, dass bei seiner Übernahme Ende 2022 vom langjährigen Team-Boss Dilbagh Gill vorherrschte. „Die Leute fingen an, mit dem dabei sein zufrieden zu sein.“ Genau mit dieser Einstellung räumte Bertrand anschließend radikal auf.
Bertrand räumt bei Mahindra radikal auf: Diese Leute sind jetzt weg
“Die erste Baustelle war, sicherzustellen, dass die Leute im Team wieder daran glauben, das sie es schaffen können“, beschrieb der ehemalige FIA-Mann. „Denn wenn du Leute im Team hast, die denken: ‘Ah, das ist okay, wir haben 80 Prozent geschafft und werden sowieso nicht weiter als das kommen, also sind 80 Prozent in Ordnung‘; Dann weißt du, dass du schon tot bist!“
“Die meisten Leute hatten die Fähigkeiten, aber nicht mehr unbedingt die Motivation oder den Glauben“, so Bertrand weiter. Bei der Behebung dieses Problems schreckte er auch nicht vor zahlreichen Entlassungen zurück. „Diejenigen, die in der Lage waren, den Glauben wiederzuerlangen sind noch hier und wir kämpfen hart und haben jetzt ein starkes Team. Diejenigen, die sich nicht unbedingt ganz sicher waren (ob sie es schaffen können; d. Red.), sind weg. Und das war notwendig.“

Auch bei der grundsätzlichen Zielsetzung wurden die Ansprüche nach oben geschraubt. „Wenn du 200 km/h schnell bist, aber das Ziel ist 240 km/h schnell zu sein, du dich aber damit zufriedengibst, 100 Prozent von 200 km/h zu erreichen, dann bist du trotzdem noch weit weg von der erforderten Performance“, meinte Bertrand beispielhaft.
Mahindra mit großen Zielen: Letzter Schritt ist der WM-Titel
Doch nicht nur beim Personal wurden drastische Entscheidungen unter Bertrands Führung getroffen. „Wir haben uns entschieden, einen anderen Ansatz mit verschiedenen Zulieferern zu wählen, die mehr spezialisiert und auf die ultimative Performance orientiert sind“, beschrieb er etwa. „Und wir haben das Team restrukturiert, sodass wir ein Team haben, dass sich nur auf die Entwicklung konzentriert, und der andere Teil sich nur auf das Racing konzentriert.“
Klar ist jedoch: Trotz der klar gesteigerten Performance in diesem Jahr, ist Mahindra laut Bertrand mit der Transformation erst zu einem Drittel durch: „Das zweite Drittel ist in die Top-3 der WM zu kommen und das letzte Drittel ist Weltmeister zu sein!“ Ein angesichts der deutlich breiter aufgestellten Werkskonkurrenz aus dem Hause Porsche oder Nissan zumindest ambitioniertes Ziel. „Es ist mega-hart. Es ist eine mega-große Herausforderung. Wir brauchen eine starke Konstanz, müssen sehr methodisch sein, den Prozessen folgen und sicherstellen, dass wir aus unseren Fehlern korrekt lernen und daraus Kapital schlagen“, so Bertrand, der am ultimativen Ziel des WM-Titels aber festhielt: „Würden wir all das hier tun, wenn wir glauben würden, dass wir es nicht schaffen können?“
Bei der Mahindra-Fahrerpaarung für 2026 dürfte derweil alles beim Alten bleiben. Nyck de Vries und Edoardo Mortara gelten als gesetzt und werden wohl in ein drittes gemeinsames Jahr gehen. „Es war Teil des Fortschritts diese Konstanz und Stabilität zu schaffen“, erklärte Bertrand. „Und mit zwei Fahrern wie ihnen, sind wir nicht nur in der Lage schnell auf der Strecke zu sein, sondern sie bringen auch viel zusätzliches Wissen ins Team, hinterfragen zusätzlich und haben zusätzliche Inputs.“ Deutlich unklarer ist die Fahrersituation jedoch bei vielen anderen Teams in der Formel E. Die aktuellsten Gerüchte haben wir Euch hier zusammengefasst:


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