Man sagt im Sport: Es ist schwieriger, den Titel zu verteidigen als ihn zu gewinnen. Daran wird sich auch Oliver Rowland messen lassen müssen, der frischgebackene Weltmeister der Formel E. Dabei beginnt das Projekt 'Titelverteidigung' direkt einmal mit einem Malus für den Nissan-Piloten: Wenn die Formel E am 06. Dezember 2025 beim Sao Paulo ePrix in ihre zwölfte Saison startet, geht es für Rowland nach hinten in der Startaufstellung!

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Grund: Der Brite kassierte beim allerletzten Saisonlauf in London am vergangenen Sonntag eine Startplatz-Strafe für das nächste Rennen - demnach den Auftakt in die nächste Saison Anfang Dezember, nachdem die Formel E aus ihrer gut viermonatigen Sommerpause zurückgekehrt ist (Zum Rennkalender 2026). Zwischen Rowlands Bestrafung für die Kollision mit Nico Müller (Andretti-Porsche) und dem tatsächlichen Antritt liegen dann geschlagene 132 Tage.

Auf Verjährung kann Rowland ebenso wenig hoffen wie darauf, dass die FIA seine Strafe während der langen Pause vergessen wird. Die Sportkommissare brummten ihm in London nachträglich eine 3-Platz-Gridstrafe auf. Rowland hatte den Schweizer Müller in der 16. Runde abgeräumt und für den vorzeitigen Ausfall beider Autos gesorgt. Die Sportkommissare sahen Rowland beim Vorfall eingangs der zweiten Kurve als Alleinverantwortlichen.

"Wir haben für Turn 1 angebremst", beschrieb Rowland die Kollision. "Er (Müller) hat mich in der Bremszone in Richtung der Innenseite gedrückt. Meine Räder haben blockiert und als ich zurückkam, hatte er sich die Linie genommen. Ich habe ihn nicht mal gesehen, bis es zu spät war. Ich hatte keine Chance zu reagieren."

Das verunfallte Auto von Oliver Rowland steht bei der Formel E in London am Streckenrand
Vorzeitiger Feierabend für Formel-E-Weltmeister Oliver Rowland, Foto: IMAGO / Uk Sports Pics Ltd

Formel-E-Weltmeister Rowland: Viel Risiko - kein Lohn

Rowland hatte das Rennen vom zehnten Startplatz aufgenommen und ging von Beginn an volles Risiko, um seinem Nissan-Team möglichst viele Punkte für die Team-Weltmeisterschaft zu bescheren. Der Autobauer aus Japan hatte noch kleine Chancen, Spitzenreiter Porsche abzufangen - daraus wurde bekanntermaßen nichts, die Zuffenhausener räumten die WM-Titel sowohl in der Hersteller- als auch in der Team-Wertung ab.

"Bis zur 12., 13. Runde haben wir es gut gemacht", meinte Rowland, der sich bis zum Zeitpunkt des Unfalls schon bis auf P3 nach vorne gekämpft hatte. "Nur das Ergebnis war nicht gut, deshalb bin ich ein bisschen enttäuscht. Ich wusste, dass ich etwas versuchen muss. Leider wird man nicht immer belohnt, wenn man etwas riskiert."

Aus Fahrersicht wird Rowland die Nullrunde verschmerzen können, er hatte sich den WM-Titel schon vorzeitig in Berlin gesichert. Kurios: In den letzten sechs der 16 Saisonrennen war ein vierter Platz (Berlin-Sonntag) sein bestes Resultat, während er viermal die Punkteränge verpasste. Die maue Vorstellung im Schlussdrittel der Saison - nur 13 Punkte - konnte sich Rowland allerdings leisten: Nach dem zehnten Rennen (Shanghai) führte er die WM-Tabelle mit gigantischen 86 Zählern Vorsprung an.

Oliver Rowland feiert den WM-Titel bei der Formel E in London
Der Dominator der Formel-E-Saison 2025: Nissan-Pilot Oliver Rowland, Foto: IMAGO/PsnewZ

Oliver Rowland: "Hoffentlich war das nur der Anfang."

"Noch vor zwei Jahren befand ich mich an einem schwierigen Punkt in meiner Karriere und in meinem Leben", blickte Rowland auf seine turbulente Zeit nach dem zwischenzeitlichen Formel-E-Aus zurück. "Ich habe es aber geschafft, zurückzukehren. Und das Team hat mich sehr gut vorbereitet. Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Hoffentlich war das nur der Anfang."

Rowland dominierte die erste Formel-E-Saisonhälfte wie selten ein Fahrer zuvor. Der 32-Jährige gewann vier der ersten neun Rennen und stand insgesamt siebenmal auf dem Podest. Sechsmal startete Rowland aus der ersten Reihe, bevor es in der zweiten Saisonhalbzeit merklich bergab ging. "Insgesamt haben wir tolle Arbeit geleistet und während das Saison das Beste herausgeholt, wenn wir siegfähig waren."