Maximilian Günther startet mit Platz vier erfolgreich in seine zweite Formel-E-Saison mit dem monegassisch-italienischen Maserati-Team und punktet in seiner sechsten Saison in der Elektro-Weltmeisterschaft zum ersten Mal überhaupt bei einem Saisonauftakt. Damit komplettiert der Allgäuer den gelungenen Saisonauftakt für die deutschen Fahrer: Der einzig andere verbliebene Deutsche im Feld, Pascal Wehrlein, gewann im Porsche sogar das erste Saisonrennen in Mexiko-City.

Günthers starkes Ergebnis ist das Endresultat eines Auftaktwochenendes, das zunächst höchst suboptimal begann. Im ersten Freien Training am Freitag verlor der gebürtige Allgäuer bereits nach acht Minuten in der letzten Kurve die Kontrolle über seinen Maserati-Boliden, schlug mit dem Heck in die Streckenbegrenzung ein und stoppte sein Auto mit einer gebrochenen Radaufhängung auf Start/Ziel.

Formel E Mexiko 2024: Highlights und Zusammenfassung: (05:08 Min.)

Günther: Vom Trainingscrash zum Top-3-Start

Doch bereits im zweiten Freien Training vor dem Qualifying schlug der 26-jährige mit Platz zwei hinter dem Jaguar von Mitch Evans zurück. In seiner Qualifying-Gruppe ließ er wenige Stunden später den Neuseeländer ebenfalls hinter sich und fuhr die schnellste Rundenzeit auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez. Im Viertelfinale der Duelle kam es erneut zum Aufeinandertreffen zwischen Evans und Günther: Das Blatt wendete sich erneut und der Jaguar-Pilot ließ den Deutschen mit vier Zehntelsekunden Abstand hinter sich.

Von den im Viertelfinale der Duelle ausgeschiedenen Fahrern erzielte Günther dennoch die schnellste Rundenzeit und wäre so von Startplatz fünf ins Rennen gegangen. Doch eine Startplatzstrafe gegen die Jaguar von Nick Cassidy und Evans um jeweils einen Platz, spülte Günther noch einmal in der Startaufstellung nach vorne. Da sich das Jaguar-Duo auf den Startplätzen drei und vier qualifiziert hatten, rückte der 68-fache ePrix-Starter auf Rang drei nach vorne.

Der Start zum Mexiko-City ePrix 2024.
Maximilian Günther startete ins erste Formel-E-Rennen 2024 von Platz drei, Foto: LAT Images

Attack Mode kostet Günther das Podest

Am Start verteidigte Günther zunächst die dritte Position, konnte in der Folge das Tempo von den Führenden Pascal Wehrlein und Sebastien Buemi mitgehen und wurde seinerseits dicht von den Jaguar-Piloten verfolgt. Der hinter Günther fahrende Cassidy löste in der vierten Runde seinen ersten Attack Mode mit einer Dauer von zwei Minuten aus und verlor dadurch über eine Sekunde auf Günther. Während Günther in der darauffolgenden Runde hinter dem Führungsduo feststeckte, konnte Cassidy mit seiner 350-kW-Zusatzpower die Lücke schließen und war mehr als acht Zehntelsekunden schneller als der vorausfahrende Maserati-Pilot.

In Runde sechs löste Günther seinen ersten vierminütigen Attack Mode aus, Cassidy überfuhr ebenfalls die Schleifen inmitten des Foro-Sol-Stadions zu seinem zweiten Attack Mode für die Dauer von sechs Minuten. Cassidy blieb dicht hinter Günther, bevor in der neunten Rennrunde das Safety-Car nach einem Unfall von Robin Frijns im Envision ausgerufen wurde.

Nach der erneuten Freigabe des Rennens am Ende der elften Runde gelang es Günther nicht Cassidy zu distanzieren - auch, weil er nicht an dem vor ihm fahrenden Buemi vorbeikam. In Runde 15 löste Günther seinen zweiten vierminütigen Attack Mode aus und fiel hinter Cassidy zurück. Anders als dem Neuseeländer gelang es dem Allgäuer nicht, Cassidy mit der Zusatzleistung ernsthaft unter Druck zu setzen: Über den Verlauf der drei Runden mit den zusätzlichen 50 kW für den Maserati-Fahrer fuhr der Jaguar sogar zwei Zehntel schneller.

Maximilian Günther am Donnerstag vor dem Mexiko-City ePrix 2024.
Maximilian Günther zieht trotz des verpassten Podests ein positives Fazit, Foto: LAT Images

Günther: 'Vielversprechender Auftakt'

Gegen Rennende musste Günther zunehmend abreißen lassen, in den letzten beiden Rennrunden verlor er mehr als zwei Sekunden auf den Jaguar und beendete den Mexiko-City ePrix schlussendlich mit rund 3,7 Sekunden Rückstand. Vom zweiten Jaguar von Evans, der im Nachgang des Rennens über Probleme mit der Lenkung klagte, wurde Günther unterdessen nie unter Druck gesetzt und distanzierte ihn bis zum Rennende auf mehr als sieben Sekunden.

Günther selbst zog trotz des verpassten Podestplatzes ein positives Fazit vom ersten Formel-E-Wochenende der Saison: "Ich denke, wir haben hier eine gute Pace gezeigt. Mexiko war im letzten Jahr sehr schwierig für uns, daher ist es wirklich vielversprechend, jetzt mit einem so starken Ergebnis in die Saison zu starten." Es sei dennoch schade, dass das Podium mit dem zweiten Attack Mode verloren gegangen sei, so der Siebte der abgelaufenen Formel-E-Saison.

Rookie Daruvala: Keine Zwischenfälle, aber langsam

Für Günthers Rookie-Teamkollegen Jehan Daruvala endete sein Debüt-Rennen in der Formel E ohne Punkte. Auf Startplatz 17 folgte im Rennen P16 von 18 Autos im Ziel. Dort hatte der Inder rund 23 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen. Dennoch sieht der Formel-2-Rennsieger seine Premiere als gelungen an: "Mein Hauptziel war es, ein sauberes Rennen zu haben und die Zielflagge zu sehen, sodass ich so viel wie möglich lernen konnte."

Nach dem Auftaktrennen belegt Maserati, das auch 2024 mit Antriebssträngen von Konzernschwester DS an den Start geht und nach wie vor keinen 'echten' Teamchef als Nachfolger des jetzigen TV-Experten James Rossiter hat, den vierten Platz in der Konstrukteurs-WM. Das nächste Rennwochenende findet in zwei Wochen im saudi-arabischen Diriyah, nahe der Hauptstadt Riad, statt.

Der Saisonauftakt in Mexiko-City war auch die Premiere für die neue TV-Heimat der Formel E DF1. Ob es ein gelungenes Debüt war, lest Ihr in diesem Artikel: