Formel 1

Autoknacker bei Renault - Mit Hammer und Brechstange

von Stephan Heublein
Nelsinho beobachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung. - Foto: adrivo Sportpresse

Heimsieg für Lewis Hamilton, Rücktritt von David Coulthard, Bestzeit für Felipe Massa. Die Schlagzeilen in der Formel 1 sind oft berechenbar. Manchmal findet man die besten Geschichten aber nicht auf der Strecke, sondern vor den Teamzelten im Fahrerlager.

Donnerstagnachmittag in Hockenheim, der dritte von drei Testtagen läuft, Felipe Massa führt die Zeitenliste mit zwei Zehnteln vor Heikki Kovalainen an. Der motorsport-magazin.com-Redakteur schlendert durch das Fahrerlager auf der Suche nach einem gesprächswilligen Opfer. Da erweckt eine kleine Menschenansammlung vor dem Renault-Teamzelt seine Aufmerksamkeit. Mehrere Mechaniker stehen rund um einen schwarzen Audi. Dann stößt auch Nelsinho Piquet dazu, der seine Testschuldigkeit bereits am Dienstag erledigt hat. Der Brasilianer sieht jedoch relativ unbeteiligt aus, zieht sich bald zwischen die Team-Trucks zurück und beäugt das Geschehen aus der Ferne.

Die Autoknacker bei der Arbeit. - Foto: adrivo Sportpresse

Das Dilemma der Renault-Crew wird schnell offensichtlich: der Audi (warum eigentlich ein Audi?) sieht nett aus - mit seinen geschlossenen Türen und Fenstern. Der junge Renault-Kollege mit dem Reisekleiderbügel hat jedoch keine Zeit, auf Äußerlichkeiten zu achten, er versucht verzweifelt, das Fenster zu knacken - denn egal wie viele Leute um das Auto herumstehen, rein kommt keiner von ihnen, der Schlüssel ist drinnen und die Türen abgesperrt.

Hamer auf Glas: so sieht's aus. - Foto: adrivo Sportpresse

Bald gesellen sich Ferrari- und BMW-Mechaniker hinzu, die belustigt oder hilfreich zur Seite stehen. Ein Mechaniker macht sich am Tankdeckel zu schaffen (wozu auch immer) und bricht ihn letztlich auf, was ihn nicht weiter bringt, aber seine Spuren im Lack hinterlässt. Ein anderer eilt herbei und versucht mit größeren Brechwerkzeugen aus der Box das Beifahrerfenster nach unten zu schieben, um so die Tür öffnen zu können. Wiederum andere diskutieren darüber, ob das linke oder das rechte hintere Seitenfenster besser für ihre Pläne geeignet wäre. Diese Pläne werden schnell deutlich: ein weiterer Mechaniker erscheint aus der Box - mit einem Hammer.

Etwas gelernt: das Fenster blieb einen Spalt offen. - Foto: adrivo Sportpresse

Abstand halten, der Mann holt aus, schlägt zu und *bumm*, es tut sich jedoch nichts. Mehreren Schlägen hält die Fensterscheibe stand, dann gibt der Renault-Mann geschlagen auf. Einen kleinen Erfolg hat allerdings auch er erzielt: auch an der Fensterscheibe bleiben deutlich sichtbare Spuren am Mietwagen zurück. Ein langes Eisen soll es nun richten, ein bisschen zurechtbiegen, ein bisschen Gewalt, ein bisschen Glück und plötzlich bewegt sich die Fensterscheibe nach unten - das Auto ist geknackt, die Tür in Windeseile geöffnet. Applaus brandet auf vor der Renault-Hospitality. Auch Nelsinho Piquet ist plötzlich wieder da, alles bereit zur Abfahrt. Der Renault-Pilot nimmt selbst auf dem Fahrersitz Platz, wendet auf engstem Raum, überfährt mit etwas Glück keinen der Schaulustigen und braust von dannen (noch mal: warum in einem Audi?). Wenig später kehrt der gezeichnete Wagen mit dem Beifahrer am Steuer zurück ins Fahrerlager, um seine angestammte Parkposition einzunehmen. Diesmal bleiben die Fensterscheiben auf Fahrer- und Beifahrerseite einen Spalt breit geöffnet...


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