Der Kampf um den Weltmeistertitel in der Formel 1 scheint bereits so gut wie ausgefochten zu sein. Angesichts seines Vorsprungs von 102 Punkten stellt sich nicht mehr die Frage, ob sich Kimi Antonelli in dieser Saison den WM-Titel sichert, sondern eher, wann er es tut. Ganz anders sieht es dahinter aus: Sechs Rennen vor Saisonende entwickelt sich der Kampf um den Vizeweltmeistertitel zu einem echten Krimi, bei dem gleich mehrere Piloten ihre Eisen im Feuer haben. Welche Fahrer noch Chancen auf den Vizetitel haben, zeigt die Analyse von Motorsport-Magazin.com.
George Russell: Vom Titelfavoriten zum Gejagten um Platz zwei
Mit 102 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter hält George Russell derzeit zwar noch den zweiten Platz in der Fahrerwertung, mit einer Siegesstatistik von 3:8 zieht der Mercedes-Pilot teamintern jedoch nicht nur in der reinen Punktewertung den Kürzeren. Damit hätten vor der Saison 2026 wohl nur die wenigsten gerechnet.
Vor Saisonbeginn noch als klarer Titelaspirant gehandelt, verlor der Brite im Verlauf des Jahres immer weiter an Boden: Probleme mit dem Mercedes-Boliden, regelmäßige Setup-Änderungen und Unzufriedenheit mit dem eigenen Fahrstil warfen ihn im WM-Kampf immer weiter zurück.
Hinzu kommt, dass der Brite in der aktuellen Saison nicht gerade vom Glück gesegnet ist, wenn es um Ausfälle und Schäden geht. So musste er erst am vergangenen Wochenende in Singapur einen unplanmäßigen Motorenwechsel vornehmen, nachdem er in Malaysia durch einen Defekt an der Power Unit ausfiel. Weil Mercedes für Austin noch einen ADUO-Joker ziehen wird, steht dem 28-Jährigen noch eine weitere Motorenstrafe ins Haus.
So aussichtslos der Blick nach vorne ist, so sehr muss sich Russell nun nach hinten abdecken. Denn der Druck der Konkurrenz wächst stetig.
Lewis Hamilton & Ferrari: Stark, aber unbeständig
Einmal musste Russell den zweiten Platz in der Fahrerwertung bereits abgeben: Lewis Hamilton zog in Monaco punktetechnisch am Mercedes-Piloten vorbei und hielt sich zwei Rennen lang auf WM-Platz zwei. Nach einem kurzen Zwischendämpfer holte er sich die Position zur Sommerpause wieder zurück. Ein Ausfall in Madrid warf ihn dann zwar wieder zurück, doch starke Auftritte in Malaysia und Singapur brachten den Ferrari-Piloten bis auf neun Punkte wieder an Russell heran.
Wie sich bereits abzeichnet, leidet Ferrari seit einigen Rennen an Leistungsschwankungen. Fuhren sie zu Saisonbeginn noch um Siege mit, fällt es der Scuderia zunehmend schwerer, die oberste Stufe des Podests zu erreichen. Das hat auch Charles Leclercs Rennen in Singapur zuletzt wieder gezeigt. Auch er besitzt theoretisch noch die Chance auf den Vizetitel, liegt mit über zwanzig Punkten Rückstand auf Russell jedoch etwas im Hintertreffen.
Dass es Ferrari zu Saisonbeginn noch leichter fiel, mit der Formel-1-Spitze mitzuhalten, lag nicht zuletzt an ihren raketenhaften Starts. Doch auch diese zeigen zu diesem Zeitpunkt des Jahres keine Wirkung mehr. Das liegt zum einen daran, dass die Teams durch die ADUO-Regelungen am Motor nachbessern konnten und zum anderen, dass die Formel 1 mit der verlängerten Startphase für Chancengleichheit sorgte.
Max Verstappen: "Chucky" erwacht pünktlich zum Formel-1-Herbst
Wer sich im letzten Triple-Header jedoch wieder zum haushohen Favoriten auf den Vizeweltmeistertitel aufgeschwungen hat, ist niemand Geringerer als Max Verstappen. Der Niederländer legte bereits im letzten Jahr eine phänomenale Aufholjagd zu Ende der Saison hin und scheint auch in diesem Herbst wieder zu Höchstleistungen aufzulaufen.
Mit seinen Siegen in Malaysia und Singapur eroberte er sechs Rennen vor Saisonende den vierten Platz in der Fahrerwertung und sein Rückstand schmilzt mit jedem Rennen: Acht Punkte trennen ihn noch von Hamilton, 17 von Russell.
Red Bull bewies in Baku, Sepang und Singapur, dass der RB22 nun wieder auf unterschiedlichsten Streckenprofilen konkurrenzfähig ist und um Siege mitkämpfen kann. Grund dafür ist das letzte große Update-Paket, das das Team in Baku ans Auto brachte.
Wirft man einen Blick auf die Formkurve der drei Antonelli-Jäger, führt kein Weg am Red-Bull-Piloten vorbei, wenn es um den Vizetitel 2026 geht. Sollte Verstappen die Leistung halten können, hat er sehr gute Chancen darauf, die Nummer zwei hinter Antonelli in der Fahrerwertung zu werden. Auch wenn ihm das, wie auch im letzten Jahr, ziemlich egal sein dürfte. Ferrari muss sich mit Lewis Hamilton und Charles Leclerc also mächtig ins Zeug legen und das Maximum aus den verbleibenden sechs Wochenenden herausholen, wenn sie einen ihrer Fahrer zum Vizeweltmeister machen wollen. Dasselbe gilt für George Russell und Mercedes.



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