Mit jeder Meldung aus dem Mercedes-Lager scheint die Situation rund um die Power Units von George Russell auswegloser zu sein. Inzwischen steht nicht nur fest, dass Russell bei der Formel 1 in Singapur eine Motor-Strafe absitzen muss. Eben weil er in Singapur den Motor wechselt, ist auch eine zweite Motor-Strafe später in der Saison fix.
"Wir haben darauf gewartet, die Motorstrafe mit dem ADUO-Update zu nehmen", erklärt Russell am Donnerstag in Singapur. Mercedes wird im Herbst noch einen leicht modifizierten Motor bringen, um vom ADUO-Joker (Additional Development and Upgrade Opportunities) zu profitieren. Dank ausreichend großem PS-Rückstand auf Verbrenner-Benchmark Red Bull hat man hier ein Zusatz-Update zugestanden bekommen.
Der Plan war gewesen, mit Russell und Kimi Antonelli diesen Wechsel so zu setzen, dass man mit den letzten Komponenten dann bis zum Saisonfinale hätte durchfahren können. Der USA-GP in Austin war das anvisierte Ziel gewesen. Dann kapitulierte Russells jüngster Motor in Malaysia kurz vor Schluss in seinem sechsten Rennen.
George Russell bestätigt: Nach Singapur ist zweite Strafe schon fix
"Der Motor war nicht über Gebühr belastet, es war das sechste Rennen, und du hast vier Motoren pro Jahr, sechs Rennen pro Motor", rechnet Russell vor. "Und wir haben diesen Motor am Sonntag in Budapest eingebaut. Also war es eigentlich das sechste Rennen minus Qualifying und Trainings in Budapest."
Das, sowie der nicht gerade motorenhungrigen Marina Bay Street Circuit, hätte ausreichend Spielraum für Russell sein sollen, war es aber nicht. Russell muss nun in Singapur die erste Strafe nehmen: "Aber mit sieben verbleibenden Rennen ist das länger als das, wofür diese Motoren designt sind."
"Das heißt leider, dass ich an einem Punkt zwischen dem nächsten Rennen und dem Ende des Jahres noch eine Strafe haben werde", muss Russell folglich bestätigen. "Fühlt sich aktuell wie ein Schlag nach dem anderen an, aber so läuft das manchmal eben."
Mit dem Titel des zuverlässigsten 2026er-Motors kann sich Mercedes sowieso nicht schmücken, aber Russell scheint besonders vom Pech verfolgt. In Kanada machte seine Batterie im Rennen schlapp, in Ungarn kapitulierte die komplette Power Unit mit einem fatalen Wasserleck. Deswegen fehlt Russell jetzt schon an allen Ecken und Enden der unterschiedlichen Power-Unit-Komponenten der Spielraum.
Wie oft wird George Russell 2026 noch wie weit strafversetzt?
Ab Singapur wird Russell praktisch jeder Komponentenwechsel eine Grid-Strafe eintragen. Offiziell ist an diesem Wochenende noch nicht bestätigt, wie viele Teile Russell hier tauschen wird, aber die Aussagen von Teamchef Toto Wolff in der offiziellen Vorschau des Teams klingen nach einem Wechsel aller Komponenten, nachdem Wolff vom "Start vom Ende des Feldes" spricht.
Würde Russell nur eine der sieben abgegrenzten Komponenten der Power Unit tauschen, dann käme er in Singapur mit 10 Strafplätzen davon, aber schon ein zweiter Tausch bedeutet ein Überschreiten der 15-Strafplatz-Grenze, da das erste Überschreiten bei jedem Teil 10 Plätze ausmacht. Jeder Fahrer, der vor einem Rennen die 15 Plätze überschreitet, wird automatisch ans Ende des Feldes versetzt.
Für Russell macht es also am meisten Sinn, in Singapur gleich alles einmal zu tauschen. Die zweite Motorstrafe könnte dafür dann weniger umfangreich ausfallen. Nicht alle Komponenten sind kritische Verschleißteile, die nur sechs Rennen halten. Und wenn man bei einer Komponente erst einmal das Limit überschritten hat, wird jeder weitere Komponentenwechsel nur mehr mit 5 Plätzen bestraft.
So könnte Russell bei seiner zweiten Strafe, voraussichtlich bei einem der drei Amerika-Rennen, dann beispielsweise nur Verbrenner und Turbo für je 5 Strafplätze wechseln und das zweite Strafmaß auf 10 Strafplätze begrenzen. Ein schwacher Trost. Denn davor in Singapur die schlimmste Strafe abzusitzen und von ganz hinten loszufahren ist ein Albtraum. Nur in Monaco und maximal noch in Madrid ist Überholen schwieriger.



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