Klassische Regenrennen gibt es in der modernen Formel 1 fast überhaupt nicht mehr. Mit wenigen Ausnahmen waren in den letzten Jahren eher Rennen die Regel, die bei noch feuchten Bedingungen auf Intermediates gestartet wurden und in denen es im Laufe des Grand Prix ausreichend für Slicks auftrocknete. Bei zu starken aufkommenden Regenschauern waren Abbrüche oder Rennverschiebungen die Regel. Lewis Hamilton vermisst die Zeit der 'echten' Regenrennen.
Hamilton denkt mit Wehmut an 2008: Regenrennen sind nicht mehr dasselbe
Dabei denkt er vor allem an seine Anfangszeit in der Königsklasse zurück, als noch regelmäßig Grands Prix bei durchgängig nassen Bedingungen und mit fallendem Regen durchgezogen wurden. "Regenrennen sind nicht mehr dasselbe, wie wir es früher hatten. Ich hatte 2008 etwa großartige Rennen im Regen", erinnert er sich. Unvergessen bleibt beispielsweise seine Siegesfahrt beim Großbritannien-GP, als der damals noch junge Shootingstar die Konkurrenz mit mehr als einer Minute Vorsprung in Grund und Boden fuhr. Bis heute gilt dieser Auftritt als einer der besten Siege des 106-fachen Grand-Prix-Gewinners.
Eine Siegesfahrt auf den blau markierten Regenreifen, versteht sich. Ein Reifentyp, der heute praktisch ausgestorben ist. Denn beinahe immer in den letzten Jahren, wenn die Bedingungen für die Extreme Wets reif gewesen wären, wurde das Rennen zuvor schon aufgrund von zu starker Gischt abgebrochen.
Hamilton will der FIA keinen Vorwurf machen. Schließlich "machen sie den besten Job, den sie tun können, um uns alle sicher zu halten", sagte er. Zum Teil sieht er auch Reifenhersteller Pirelli in der Verantwortung, da man früher bessere Reifen hatte. Aber auch hier schiebt er entschuldigend davor: "Wir hatten mehr Testfahrten."
Old-School-Fahrer wollen im Starkregen fahren, die Jungen bremsen
Er macht die Schuld auch bei den jüngeren Formel-1-Fahrern aus. Seiner Ansicht zieht der F1-Nachwuchs in Bezug auf das Risikobewusstsein viel früher eine rote Linie, als es bei den Fahrern seiner Generation der Fall gewesen war. "Die Leute, die die Show am Laufen halten, sind sehr viel vorsichtiger. Aber gleichzeitig sind auch die jungen Fahrer, die nachkommen, sehr viel vorsichtiger", stellt er fest. "Wir Old-School-Fahrer sagen: Lasst uns Rennen fahren gehen. Und die Youngsters sind eher der Meinung, dass wir nicht fahren sollten", beschreibt er Fahrer-Diskussionen rund um Schlechtwetter-Verschiebungen.
In der Formel 1 ist es im Falle von fraglichen Wetterbedingungen Standard, dass von Seiten der Rennleitung auch die Meinung der Fahrer mit einbezogen wird. Sei es bei Fahrersitzungen am Vortag eines Grands Prix, als auch über Funksprüche währenddessen und in etwaigen Gesprächen im Laufe von Unterbrechungen. Schließlich können die Fahrer die Sicht- und Grip-Verhältnisse rund um die Strecke aus dem Cockpit heraus häufig am besten beurteilen.
"Sie sind unfassbar vorsichtig, während ich bei Extremreifen-Bedingungen dafür bin, dass wir loslegen sollten. Denn das sind die Bedingungen, unter denen wir wirklich getestet werden", so der Ferrari-Fahrer weiter. "Ist es riskanter? Absolut", gibt er zu. Aber er liebe diese Challenge, wenn die Fahrt auf der Strecke einem Ritt auf der Rasierklinge gleicht: "Dort kann man wirklich einen Unterschied machen", erinnert er sich.
Hamilton eilt schon seit Jahrzehnten der Ruf voraus, ein echter Regenmeister in der Formel 1 zu sein - spätestens seit der eingangs erwähnten Regenschlacht in Silverstone. Denn die Liste an beeindruckenden Fahrten im Regen oder bei Mischbedingungen lässt sich noch weiter fortführen, etwa mit dem Türkei-GP 2020 oder seiner Aufholjagd in Hockenheim 2018.
Nachdem Regen schon in Malaysia ein großes Thema war, könnte es auch an diesem Wochenende wieder zu Niederschlägen kommen. Singapur liegt klimatisch in einer nahezu identischen geographischen Lage wie Kuala Lumpur, in der Monsunregen normal ist. Hier findet ihr den kompletten Zeitplan für das Wochenende:



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