Nach Singapur gibt es kaum mehr Zweifel daran, dass mit dem RB22 mit Max Verstappen am Steuer jetzt auf allen Strecken zu rechnen ist. George Russell erklärte schon, dass Red Bull in seinen Augen aktuell das beste Team ist, aber dahingehend gehen die Meinungen noch auseinander. Nur: Das alles ist ausschließlich eine Momentaufnahme.
Fakt ist, dass das Baku-Upgrade ein beeindruckender Sprung nach vorne war. Die Frage bleibt allerdings, ob dieses neue Kräfteverhältnis von Dauer sein wird, denn es wäre nicht das erste Mal in dieser Formel-1-Saison, dass Updates das Bild an der Spitze nochmal auf den Kopf stellen. Ferrari schien im Frühsommer der größte Gegner von Mercedes zu sein, die beiden Siege von Lando Norris führten dann im Spätsommer zu Aussagen der Mercedes-Fahrer über McLaren, die den aktuellen über Red Bull zum Verwechseln ähnlich sehen.
Red Bull hat in der Formel 1 2026 schon fertig entwickelt
Im Upgrade-Rennen hat Red Bull mit den Nachbesserungen von Baku schon den letzten Trumpf in dieser Formel-1-Saison gezogen. Teamchef Laurent Mekies bekräftigte in Singapur, dass keine weiteren Nachbesserungen folgen werden: "Es werden keine substanziellen Upgrades mehr ans Auto kommen. Unser Update-Programm für das Jahr ist beendet."
Er betonte zwar, dass man wie üblich mit verbessertem Verständnis noch aus dem aktuellen Paket etwas rausholen könne, aber so gut wie der Red Bull aktuell läuft, hält sich das Potenzial für Optimierungen wohl in Grenzen. Anders als bei Mercedes, die mit ihrem Malaysia-Upgrade einen Fehlstart hingelegt hatten und es bereits in Singapur einem direkten teaminternen Vergleich unterzogen.
Im Laufe des Wochenendes im Stadtstaat wurde das zunächst schwer kontrollierbare neue Paket, mit dem Kimi Antonelli fuhr, allerdings zum besseren Mercedes. "Das Auto benötigt eine sehr andere Setup-Philosophie als das vorherige", sagte Toto Wolff. In Austin bietet die vielseitige Strecke an einem Wochenende im klassischen Format mit drei Trainingssessions viele Gelegenheiten, diese Philosophie genauer zu erkunden. Dort werden beide Fahrer mit dem neuen W17 an den Start gehen. Dazu kommt, dass Mercedes in dieser F1-Saison (womöglich ebenfalls in Austin) noch ein weiteres ADUO-Upgrade an seinem Motor ausrollen wird.
McLaren und Ferrari bringen noch Updates
Bei McLaren und Ferrari stehen noch Nachbesserungen an ihren jeweiligen Chassis an. Ferrari-Teamchef Fred Vasseur bestätigte in Singapur schmallippig, dass noch etwas kommen wird. "Ja, aber die anderen werden auch [Upgrades] bringen", so der Franzose. Ferrari setzte schon länger in dieser Saison auf das Prinzip, über mehrere Rennen verteilt Nachbesserungen zu bringen, anstatt alle komprimiert in Form eines großen Pakets. Die letzten nennenswerten Verbesserungen, die nicht streckenspezifisch waren, kamen beim Niederlande-GP und liegen somit bereits beinahe zwei Monate zurück.
Bei Ferrari standen nach dem Singapur-Rennen ohnehin andere Themen im Fokus als das Upgrade. Allen voran der verweigerte Boxenstopp von Lewis Hamilton, der ihn schließlich bis auf P6 zurückwarf. Unser Experte Christian Danner bezog im AvD Motorsport-Magazin Stellung dazu. Hier das komplette Video:
McLaren-Teamboss Andrea Stella bestätigte ebenfalls Nachbesserungen: "Wir planen einige Upgrades zu bringen. Wir hoffen, dass wir damit diese Lücke überbrücken können, die wir zu den besten Autos haben, und dass wir aus eigener Kraft um Podien und danach auch um Siege kämpfen können."
Zweifelt McLaren an seinem letzten Upgrade?
Siege aus eigener Kraft hält Stella spätestens im letzten Tripleheader für möglich, denn: "Die Upgrades werden in Phasen ausgerollt werden." McLaren befindet sich derzeit in einem direkten Kampf gegen Red Bull Racing, um den dritten Platz in der Konstrukteurs-Meisterschaft. Nach Singapur beträgt der Vorsprung auf das Verstappen-Team aber nur noch sieben Punkte. Ferrari hingegen ist nach wie vor deutlich voran: 105 Punkte trennen die Scuderia von ihren nächsten Verfolgern.
Das ist aber natürlich nur ein Grund, warum McLaren nochmal nachlegt. Da die Chassis-Regeln für kommende Saison weitestgehend unverändert bleiben, kommen die Updates auch einer Vorbereitungsarbeit auf das kommende Jahr gleich. Stella sagte: "Wir wollen einige fundamentale Konzepte prüfen, die wir in das Auto für nächstes Jahr übernehmen möchten."
McLaren hatte erst in Baku ein großes Paket gebracht, das sich aber bislang nicht in Erfolge ummünzen ließ. Zum Teil kann das auch an den Streckencharakteristiken liegen, denn Baku und Singapur hatte man schon vorab als schwieriges Terrain auf dem Zettel. Die Malaysia-Niederlage hingegen kam überraschend und ist wohl auch ein Grund, warum man die aerodynamische Entwicklungsrichtung nach dem letzten Update nochmal überprüfen will.
"An diesem Punkt beginnt man die aerodynamische Entwicklung zu forcieren und man beginnt zu sehen, dass einige Sachen möglicherweise nicht funktionieren, da die Aerodynamik nach zwei Jahren Entwicklung komplizierter wird", so Stella. Wobei er mit der Betonung von 'zwei Jahren' natürlich darauf anspielt, dass die Entwicklung für 2026 laut Formel-1-Reglement am 1. Januar 2025 aufgenommen wurde.



diese Formel 1 Nachricht