Mit sieben Sekunden Vorsprung querte Max Verstappen in Singapur die Ziellinie, und führte im Rennen jede einzelne der 62 Runden an. So einfach, wie das auf den ersten Blick aussehen mag, war sein lang ersehnter erster Formel-1-Sieg auf dem Marina Bay Street Circuit aber nicht. Ein Schaden im Funksystem hielt ihn und Renningenieur GP Lambiase aber nicht davon ab, auch alle anderen Probleme im Rennen im Griff zu behalten.

"Vielleicht war er glücklich, dass es nicht funktioniert hat, ich konnte kaum etwas sagen!", scherzt Verstappen nach dem Rennen. Schon ab den ersten Runden war der Red-Bull-Funk zwischen ihm und Lambiase eine Einbahnstraße. Verstappen hörte Lambiase, aber wenn Verstappen den Knopf drückte, um etwas zu sagen, kamen bei Lambiase oft nur stark verzerrte Geräusche an.

"Wir haben schon das ganze Jahr Probleme mit dem Funk, aber dieses Wochenende war es besonders schlimm", meint Verstappen. Schon am Freitag hatte es Probleme gegeben. Allerdings andere als im Rennen, verrät Teamchef Laurent Mekies. Der Fehler ist irgendwo im System des Teams zu suchen: "Das ist natürlich etwas, das nehmen wir ernst, wie alles andere, und wir werden sicher mit einer starken Lösung zurückkommen."

"Das könnte dir entscheidende Zeit in einem kritischen Moment kosten", weiß Mekies schließlich. "Es war etwas schmerzlich, weil diese Autos so kompliziert sind und nach Unmengen an Dialog zwischen dem Fahrer und dem Ingenieur verlangen. Aber wie ihr mitbekommen habt, fand GP Wege, um mit Max zu kommunizieren, und umgekehrt, wenn es darauf ankam."

Funk fehlt? Kein Problem für eingespieltes Duo Verstappen-Lambiase

Mehrere kritische Momente bewältigten Verstappen und Lambiase im Rennverlauf so ohne Probleme. Zuerst trat am Red Bull direkt nach dem Start schon ein Problem am Hybridsystem ein. "Charles hat mich fast in Kurve sieben erwischt", liefert Verstappen hier auch den Grund, warum der Ferrari von Charles Leclerc auf den ersten Runden plötzlich so nah am Red Bull dranbleiben konnte.

Dafür brauchte es aber nicht einmal einen Verstappen-Funkspruch - Lambiase und seine Performance-Ingenieure sahen die Probleme in der Box sofort und gaben Verstappen über zwei Runden unterschiedliche Motormodi durch, bis das Problem aus der Welt geschafft worden war.

"Nachdem wir die Deployment-Probleme hinter uns hatten, war das Auto gut", berichtet Verstappen. "Auf dem Soft sind wir geflogen, auf dem Medium war es in Ordnung." Mit zwei Virtuellen Safety Cars und einem ewig langen Rennen galt es allerdings am Funk immer noch strategische Eventualitäten zu klären. "GP war großartig und schien meistens zu wissen, was ich ihn fragen wollte!", zeigt sich Verstappen da beeindruckt.

Als es gegen Rennende noch schlimmer zu werden schien, improvisierten die beiden: "Er versuchte mich an einem Punkt ein paar Dinge per Code zu fragen, und ich glaube, er hat gut genug verstanden, was ich getan habe, oder nicht getan habe." Als es darum ging, einen Boxenstopp bei einem hypothetischen Safety Car zu besprechen, bat Lambiase einfach Verstappen, für ein "Ja" nichts zu antworten, und für ein "Nein" den Funk anzumachen.

Zum letzten Mal mit "GP" am Podium? Singapur für Max Verstappen besonders

Der Lohn für die beiden war der 73. gemeinsame Formel-1-Sieg, der erste in Singapur, und dafür schickte Red Bull am Ende auch Lambiase als Teamvertreter auf das Podium. Womöglich jetzt wirklich das letzte Mal für die beiden. Mit Jahresende scheidet Lambiase bei Red Bull aus und macht sich auf den Weg zu McLaren als zweiter Mann unter Teamchef Andrea Stella.

"Ich weiß noch, letztes Jahr in Vegas meinte er, das könnte schon das letzte Mal sein, und ich meinte, sag das nicht, wir werden noch viel mehr gewinnen. Das habe ich fast verschrien", erinnert sich Verstappen. "War super nett, dass sie ihn raufgeschickt haben. Wir wissen ja alle, dass er uns verlässt. Da war es sehr besonders, mit ihm auf einem Podium zu stehen, auf einer Strecke, auf der wir noch nicht zusammen gewonnen haben."

Mit zwei Siegen in Serie ist Red Bull jetzt im Höhenflug unterwegs. Perfekt bleibt es dennoch nicht: "Der Start war wieder nicht gut genug." Anders als im Sprint konnte Verstappen sich vor Charles Leclerc durch die erste Kurve retten, aber er mahnt: "Wir müssen es verstehen. Da war was mit dem Motor, noch bevor ich die Kupplung kommen lassen habe."