Neunmal hat er es schon versucht, neunmal gelang es Max Verstappen nicht, aus Singapur als Sieger abzureisen. Ob nach einem dramatischen Startcrash wie 2017, mit einem von Grund auf verpatzten Wochenende nach einer scheinbar nicht enden wollenden Siegesserie wie 2022 und 2023 oder einfach relativ 'langweilig' als Zweiter aufgrund einer schlechteren Pace als der Sieger wie in den letzten beiden Jahren. Irgendetwas kam Verstappen immer noch in die Quere.
Kann Max Verstappen endlich den Singapur-Fluch brechen?
Dieses Jahr deutet aber alles darauf hin, dass die Singapur-Flaute von Max Verstappen im Rennen endlich brechen könnte. Nicht zuletzt seine aktuelle Formkurve. Denn das zweite Wochenende in Folge macht der Red-Bull-Topfahrer einen unbesiegbaren Eindruck. Schon in Malaysia holte er Pole Position und Sieg, in Singapur ist er in allen relevanten Sessions bislang auch ungeschlagen: P1 im Sprint-Qualifying, Sieg im Sprint und am Samstagnachmittag auch der Sieg im Qualifying. Schon das ein Novum, denn auf der Pole Position stand er auf dem Marina Bay Street Circuit bei einem Rennen noch nie.
Das macht die 50. Pole also auch für ihn zu einer besonderen Pole Position. "Ich bin sehr glücklich, hier auf der Pole zu stehen, denn das eine, die ich unbedingt wollte." Noch am Freitag hatte Verstappen Zweifel angemeldet, ob der RB22 in Singapur so gut funktioniert wie in Malaysia oder zuvor in Baku. Er befürchtete, dass der Kurs einige nach wie vor vorhandene Schwachstellen hervorheben könne.
Am Samstag sah er das anders: "Ich denke, unser Auto funktioniert nun ein bisschen anders verglichen mit dem vorherigen Reglement, wo wir in einer gewissen Art von Kurven schneller waren." Dazu kam noch, dass der Red Bull in der Ground-Effect-Ära über lange Phasen sehr schlecht mit Kerbs und Bodenwellen umgehen konnte. Ein Problem, das im aktuellen Red Bull spätestens nach den Nachbesserungen aus Baku nicht mehr vorhanden ist.
Startproblem bereitet Red Bull Kopfzerbrechen
Doch ein anderer Punkt bildet die wohl größte Gefahr für Max Verstappens ersten Sieg in Singapur. Denn ein Problem, das Red Bull Powertrains seit Saisonbeginn mitschleppt, sind die sehr inkonstanten Starts. Das Fenster, das man beim Auslassen der Kupplung treffen muss, um konkurrenzfähig wegzukommen, ist bei den Red-Bull-angetriebenen Boliden viel kleiner als bei der Konkurrenz.
Den jüngsten Beweis trat Verstappen ausgerechnet im Sprint an, als er von der Pole Position nicht gut wegkam und auf dem etwa 250 Meter kurzen Run bis zum ersten Bremspunkt von George Russell überholt wurde. Dass der Brite sich danach rausdrehte, kam für Verstappen glücklich. "Wenn das morgen passiert, dann ist da dein Rennen vorbei, falls nicht etwas Verrücktes passiert", weiß er.
Er ist deshalb vor dem Start am Sonntag gewarnt: "Wenn ich es positiv sehen will, es kann nicht schlimmer werden [als heute]. Also kann es nur besser gehen." Das Problem ist, dass man bei Red Bull selbst offenbar nicht im Detail weiß, warum ihnen Start so schwerfallen. "Wir müssen für morgen daran arbeiten", versprach der Niederländer, aber ein nicht genau definiertes Problem über Nacht zu lösen, klingt nach einer schwierigen Aufgabe.
Dass es auch mit dem RBPT-Antrieb besser geht, zeigten zuletzt die Racing Bulls, die deutlich seltener schlechte Starts zu verzeichnen hatten als das Werksteam. "Die Motoren sind exakt die gleichen. Alles ist exakt das Gleiche, also gibt es keine Entschuldigung", meinte Verstappen deshalb auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.
Falls der Start klappt, ist der Sieg immer noch alles andere als fix - schließlich können Wetter, Strategien oder Renn-Neutralisierungen ihm immer noch einen Strich durch die Rechnung machen -, aber Verstappen wäre diesem schon mal einen großen Schritt nähergekommen. Dass ihm der erste Sieg in Singapur besonders viel bedeutet, daran gibt es keine Zweifel. Denn abgesehen von Kalender-Neuzugang Madrid ist es die einzige Formel-1-Strecke, auf der Verstappen noch nie siegen konnte. Das Kurzrennen am Samstag zählt der Sprint-Gegner ohnehin nicht. "Ich will morgen gewinnen, nicht heute", sagte er nach dem Sprint deutlich.



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