Als junger deutscher Rennfahrer wird man stets an jenen Landsmännern gemessen, welche die Formel 1 in Deutschland erst so richtig salonfähig gemacht haben. Allen voran der übersinnlich erfolgreiche Michael Schumacher. Zudem führten in letzter Zeit verschiedenste Wege in die Königsklasse des Automobilrennsports - der viel zitierte prall gefüllte Geldkoffer ist ein viel begangener. Für Nico Rosberg waren all diese Gegebenheiten irrelevant - denn der in Deutschland geborene Sohn des finnischen Formel 1-Weltmeisters Keke Rosberg hat den direkten Weg eingeschlagen. Jenen Weg, den Rennsportpuristen immer noch als den einzig gangbaren bezeichnen - Rosberg wurde im letzten Jahr GP2-Champion, und das ist jene Rennserie, welche der Formel 1 direkt unterstellt ist.

Und so hat Nico Rosberg verdientermaßen einen Stammplatz bei Williams erhalten. Dort hat er schon vor vier Jahren einen ersten Test absolviert: "Ich kenne das Team schon seit einiger Zeit und habe mich bereits gut eingelebt", erklärt Rosberg im Gespräch mit Autosport. Er sieht sich selbst als Arbeitstier - den Grundspeed scheint er ohnehin vorauszusetzen: "Was mir auch im Williams-Team geholfen hat, ist die Tatsache, dass ich wirklich hart gepuscht habe und ich dass ich stets versucht habe, mein Bestes zu geben. Denn im Unterschied zu manchen anderen jungen Fahrern, die über viel Talent verfügen und sonst wenig dafür tun, versuche ich wirklich stets mein Bestes zu geben, denn ich möchte wirklich ganz nach oben an die Spitze gelangen. Ich denke, dass mir diese Eigenschaft dabei geholfen hat, mir im Team Respekt zu verschaffen."

Nico Rosberg wirkt reif für sein Alter, so also ob er das Renngeschäft schon ewig kennen würde - und im Grunde ist das auch so: "Für mich ist es sehr hilfreich, dass ich damit aufgewachsen bin - mit meinem Dad und all das. Ich war immer bei den Rennen und stand auch immer im Zentrum der Aufmerksamkeit - nicht wegen meiner Person, natürlich wegen ihm - aber ich stand immer neben ihm. Daher bin also daran gewöhnt und das ist wirklich eine große Hilfe."

Zu viele Gedanken

Dennoch muss auch ein gebranntes Kind wie Nico Rosberg aufpassen, nicht zu sehr von der Medienmaschine eingewebt zu werden - als öffentliche Angriffsfläche muss man für einen gewissen Selbstschutz sorgen: "Bislang gab es schon viele Artikel über mich und ich habe sie alle gelesen und war natürlich auch stolz darauf, da vorzukommen. Aber ich denke, dass ich in diesem Jahr damit aufhören sollte - denn es wird natürlich auch da und dort einige kritische Worte geben. Es ist besser, das nicht zu lesen, denn ich tendiere dazu, mir viele Gedanken darüber zu machen, was die Leute über mich schreiben. Und wenn da etwas nicht so gutes vorkommt werde ich ärgerlich und frage mich: 'Warum schreiben die so dummes Zeug über mich?'"

Natürlich sei Kritik angebracht und auch erwünscht - es würde nur auch davon abhängen, von wem sie kommt, schränkt Rosberg ein. Er würde diese, wenn sie von Teammitgliedern oder auch von seinem Vater käme, akzeptieren und respektieren, wenngleich er sich bei seinem Vater auch manchmal schwer tun würde. Aber wenn diese Kritik von den Medien kommt, dann sei sie manchmal "einfach nicht wahr oder ich finde es nicht gerechtfertigt oder was auch immer"...

Und so verwandelt sich Nico Rosberg im Jahr 2006 vom interessierten Leser zum sich selbst schützenden Nichtleser. Irgendwie schade - denn solch interessierte und nachdenkliche Leser hat man eigentlich gerne...