Zum ersten Mal seit dem Untergang des Arrows-Teams sollen in diesem Jahr beim Saisonauftakt in Bahrain wieder elf Teams die Boxengasse bevölkern und 22 Fahrer am Start stehen. Damit dieser Wunschtraum der F1-Fans tatsächlich eintritt, muss das neue Super Aguri F1 Team einen Wettlauf gegen die Uhr gewinnen.

"Unser Team gibt sein Bestes um sicher zu stellen, dass wir in Bahrain dabei sein können und ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen werden", gab sich Teamboss Aguri Suzuki zuletzt optimistisch.

Angesichts seines Kampfes gegen die Zeit, erscheint es beinahe nebensächlich, dass nicht nur erstmals seit dem Verschwinden der Arrows A23 aus der Startaufstellung wieder 22 Autos auf das Erlöschen der Lichter warten werden. Es werden auch jene in SA05 umbenannten A23 sein, die in der Wüste von Bahrain in die F1-Welt zurückkehren sollen.

Die Vorgeschichte

Der Traum von der F1 begann auf einer PK in Tokio., Foto: Sutton
Der Traum von der F1 begann auf einer PK in Tokio., Foto: Sutton

"Nach dem Erhalt der notwendigen finanziellen Garantien und aufgrund der einstimmigen Unterstützung seitens der teilnehmen Teams, hat die FIA die verspätete Anmeldung des Super Aguri F1 Teams für die Formel 1 Weltmeisterschaftssaison 2006 genehmigt."

Mit diesem kurzen und schmerzlosen Pressetext zog der Automobilweltverband FIA einen Schlussstrich unter eine mehrwöchige Wartezeit des Bangens und Spekulierens.

Nachdem das Super Aguri Team die ursprüngliche Einschreibefrist für die Saison 2006 verpasst hatte, musste der Rennstall die Zustimmung aller zehn Teams einholen, um 2006 doch noch an den Start gehen zu dürfen. Aber auch nachdem Aguri Suzuki dieses Wunder der einstimmigen Genehmigung aller zehn Teamchefs vollbracht hatte, musste er noch lange auf die sehnsüchtig erwarteten Zeilen der FIA warten.

Das Auto

Wenn man nur die Fakten betrachtet, dann könnte man fast meinen, dass Super Aguri von Beginn an in der gleichen Liga wie Toyota spielt. Denn wie ihre japanischen Kollegen plant das Team schon jetzt seinen SA05 zu Beginn der Europasaison durch einen Nachfolger zu ersetzen.

Verfahren sie also nach dem Motto: Was Toyota mit dem TF106B kann, können wir schon lange? Weit gefehlt: Aguri Suzuki & Co müssen notgedrungen so handeln. Da sie kein Vorjahreschassis eines Konkurrenten kaufen dürfen, werden sie die von Paul Stoddart erworbenen Ex-Arrows-Chassis aus dem Jahr 2002 auf den neuesten Stand des Reglements bringen und mit diesen die ersten Saisonläufe bestreiten. Danach hoffen sie bis zum Rennen in Spanien ihren selbst konstruierten SA06 fertig zu haben.

"Natürlich erwarten wir nicht sofort vorne mitmischen zu können", gestand Geschäftsführer Daniele Audetto bereits im letzten Jahr ein. "Wir werden die ersten Rennen als Training für das Team ansehen."

Der modifizierte Arrows wird wie bereits bestätigt auf Bridgestone-Reifen um den Kurs rollen und von einem aktuellen Honda RA806E V8-Triebwerk angetrieben.

Bridgestone versorgt seine Landsleute mit Pneus., Foto: Sutton
Bridgestone versorgt seine Landsleute mit Pneus., Foto: Sutton

Bridgestone-Motorsportdirektor Hiroshi Yasukawa erklärte: "Das Super Aguri F1-Team ist ein neues, aber ambitioniertes Team und wir freuen uns sehr, dass es Bridgestone als offiziellen Reifenausstatter gewählt hat. Bridgestone kann auf eine lange Zeit mit Teamgründer Aguri Suzuki zurückblicken, die sich über mehr als zwanzig Jahre in verschiedenen Motorsport-Serien erstreckt. Daher haben wir das volle Vertrauen in seine Fähigkeit, ein erfolgreiches und professionelles Team zu führen. Die erste Saison wird für Super Aguri sicher nicht leicht werden, aber wir wünschen dem Team für 2006 viel Glück und freuen uns, es bald in Aktion zu sehen."

Die Fahrer

Wer die Autos fahren wird, steht noch nicht fest. Zwar wurde der Japaner Takuma Sato bereits vor der offiziellen Vorstellung des Teams als Fahrer jenes damals noch sagenumwobenen elften Rennstalls gehandelt, doch hat er bislang noch keinen Vertrag unterschrieben.

"Ich wäre aber völlig überrascht, wenn das nicht passieren würde", zeigte sich sein Manager Andrew Gilbert-Scott zuversichtlich noch bis zum Ende der Woche eine Übereinkunft erzielen zu können. "Es geht voran. Zwar nicht so schnell, wie wir es gerne hätten, aber es könnte noch diese Woche klappen und Taku hofft schon auf ein Seatfitting."

Der Posten des zweiten Piloten ist hingegen noch völlig offen. Während sich der Ire Ralph Firman selbst ins Gespräch brachte, wurden bislang vor allem Landsleute von Taku Sato gehandelt: Yuji Ide, Kosuke Matsuura sowie Sakon Yamamoto.

"Einer der Vorteile von Yamamoto wäre, dass er uns Vereinbarungen mit japanischen Sponsoren ermöglichen würde", verriet Geschäftsführer Daniel Audetto über den Japaner, der bereits für Jordan getestet hat. Damals klagte er jedoch schnell über konditionelle Rückstände. "Aber wir hätten natürlich auch gerne einen Fahrer mit etwas Erfahrung. Wir können es uns nicht leisten viele Autos durch Unfälle zu verlieren."

Das Team

Obwohl das elfte Team seine Zelte in der alten Arrows-Fabrik im britischen Leafield aufgeschlagen hat, sieht der 64-fache GP-Starter Aguri Suzuki seine Mannschaft als japanisches Team. "Wir sind ein japanisches Team. Das ist sehr wichtig", erklärte er auf einer Pressekonferenz im November. "Wir sind kein Honda B-Team. Unser Ziel ist es die aufgehende Sonne über dem Podium aufgehen zu lassen."

Kosuke Matsuura fuhr schon in der IRL für Aguri Suzuki., Foto: Sutton
Kosuke Matsuura fuhr schon in der IRL für Aguri Suzuki., Foto: Sutton

Das Personal setzt sich wie folgt zusammen: Wie erwartet wird Aguri Suzuki als Teamchef agieren. Die Rolle des Geschäftsführers übernimmt Daniel Audetto, dem als Finanzdirektor Wayne Humphries zur Seite steht. An der Technikfront beschäftigt das Team Mark Preston als Chief Technical Officer, Peter McCool als Chefdesigner, Phill Spencer als Chefmechaniker und Graham Taylor als Chefrenningenieur. Die beiden Renningenieurposten für die Autos 22 und 23 übernehmen Gérry Hughes und Antonio Cuquerella. Die Position des Teammanagers bekleidet Mick Ainsley-Cowlishaw.

Die Tests

Am Valentinstag ist es soweit: Am Dienstag, den 14. Februar wird das Super Aguri Team erstmals ein Rennauto für einen Shakedown auf die Strecke schicken. Auf welchem Kurs dieses Roll-Out stattfinden wird, ist noch nicht bekannt.

"Es wird nicht in Silverstone sein und das Auto wird noch nicht so aussehen, wie jenes das wir nach Barcelona mitnehmen", erklärte eine Teamsprecherin. Auf dem Circuit de Catalunya wird der SA05 vom 21. bis 23. Februar erstmals auf die Konkurrenz treffen. Danach plant man noch einen weiteren Shakedown am 28. Februar und dann geht es schon ab in die Wüste.

"Wir liegen gut im Plan und die Crash-Tests verlaufen gut", fügte die Teamsprecherin hinzu, die auch betonte, dass im Laufe des Barcelona-Tests "einige Fahrer" ausprobiert werden könnten.

Die Ziele & Chancen

Ein vier Jahre altes Arrows-Chassis, das seit seinem letzten Einsatz anno 2002 in den Hallen von Paul Stoddart vor sich hinstaubte, ein unerfahrenes Team von bislang 88 Leuten, eine gemietete Fabrik, bislang keine Testfahrten, eine verspätete FIA-Anmeldung, noch keine Fahrer oder Sponsoren und viel zu wenig Zeit: Was soll daran 'Super' sein?

"Das könnte eine Katastrophe geben", prophezeite Sven Heidfeld den Mannen rund um Aguri Suzuki ein böses Erwachen. Teammanager Daniele Audetto ist sich dieser Situation durchaus bewusst. "Ferrari hat 21 Jahre gebraucht bevor sie 2000 wieder Weltmeister wurden, also müssen wir realistisch bleiben. Wir erwarten keine Siege innerhalb der nächsten drei Jahre."

Trotzdem sieht Audetto sein Team nicht als "Loser" an. Wie so viele andere, unter anderem Midland-Boss Alex Shnaider, setzt Audetto darauf, dass die neuen Regeln ab 2008 die F1 "billiger" machen. "Das könnte ein großer Vorteil für uns werden."

Aguri Suzuki sieht die Sonne über dem Podest aufgehen., Foto: Sutton
Aguri Suzuki sieht die Sonne über dem Podest aufgehen., Foto: Sutton

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Denn trotz aller Mühen sieht Sven Heidfeld nur wenig Chancen für Super Aguri: "Die kommen auf diese Weise niemals in die Punkteränge", spricht er vielen Experten sowie Fans aus der Seele.

Nur wenige Beobachter glauben ernsthaft an das Gelingen des Projekts Super Aguri. Einer davon ist Ex-F1-Pilot Ralph Firman. "Aguri Suzuki hat schon öfter starke Teams mit guter finanzieller Unterstützung zusammengestellt. Obwohl er das F1-Programm sehr schnell aus der Taufe gehoben hat, bin ich zuversichtlich, dass er die Herausforderung meistern wird."

Als besonderen Pluspunkt sieht Firman die Honda-Motoren an. Dabei geht er nicht davon aus, dass die Konzentration auf zwei Teams einem der beiden Rennställe schaden wird. "Tatsächlich wird es genau das Gegenteil sein: Honda hat ein starkes Fahrerduo und möchte unbedingt gewinnen. Und auch Super Aguri F1 wird Fahrer haben, die in diesem Jahr Punkte holen können. Das wäre eine großartige Leistung im ersten Jahr."

Firmans Ex-Boss Eddie Jordan sieht das nicht anders. "Es wird für sie sehr hart alles in der gegebenen Zeit zu schaffen, aber einige Schlüsselpunkte sprechen für sie." Allen voran die bereits erwähnte Unterstützung von Honda. "Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig das ist, wenn man ein neues Team aus der Taufe hebt."

Der zweite Pluspunkt ist laut Jordan das alte Arrows-Chassis. "Okay, es ist nicht gerade brandneu", untertreibt der Ire, "aber der alte Arrows war vor einigen Jahren kein schlechtes Auto." Die Schlüsselworte bei diesem Schlüsselfaktor dürften aber wohl "vor einigen Jahren" sein. Letztlich bleibt also weiterhin die Frage: Ist wirklich alles Super, Aguri?