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Formel 1

Nico Rosberg über Formel-1-Rücktritt: 100 Millionen abgelehnt

Nico Rosberg spricht fünf Jahre nach seinem schockierenden F1-Rücktritt über die finanziellen Folgen. Für die Familie dreistellige Millionensumme abgelehnt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Vor beinahe fünf Jahren sorgte Nico Rosberg binnen weniger Tage für gleich zwei Sensationen in der Formel 1. Zunächst besiegte der Mercedes-Pilot mit Platz zwei in einem dramatischen Saisonfinale in Abu Dhabi seinen Teamrivalen Lewis Hamilton im Kampf um den WM-Titel und krönte sich zum Formel-1-Weltmeister, ehe er dann - keine Woche später - völlig überraschend seinen sofortigen Rücktritt erklärte.

Aus den Beweggründen für seinen Abschied auf dem Zenit machte der damals 31-Jährige nie ein Geheimnis. Um Supertalent Hamilton überhaupt herausfordern zu können, hatte Rosberg sein gesamtes Leben einzig und allein auf den WM-Titel in der Formel 1 ausrichten müssen. Ein gewaltiges Opfer, insbesondere für seine Familie. Erst 2014 hatte Rosberg seine langjährige Freundin Vivian geheiratet, ein Jahr später folgte die erste von bislang zwei gemeinsamen Töchtern.

Nico Rosberg: An 100 Millionen keine Sekunde gedacht

Das bekräftigte Rosberg nun erneut im Interview mit dem berühmten 'Times Magazine'. "Ich habe mich nach einer anderen Art von Leben gesehnt. Wenn du Rennen fährst, hast du keine Flexibilität. Es war die beste Entscheidung für meine Familie, über das Geld habe ich keine Sekunde nachgedacht", sagte der 23-malige Grand-Prix-Sieger.

Der Betrag, um den es bei einer Fortsetzung seiner Formel-1-Karriere als Weltmeister gegangen ein soll, beläuft sich auf eine astronomische Summe. "Da lagen 100 Millionen US-Dollar auf dem Tisch, auf die ich verzichtet habe", behauptete Rosberg in dem Interview.

Nico Rosberg wollte keine gefallene Größe werden

Die neuen Prioritäten in Rosbergs Privatleben waren allerdings nicht der einzige Grund für den Abschied. "Ich wollte vermeiden, dass ich als ehemalige Größe oder jemand, der nicht mehr gewollt ist, gehe", sagte Rosberg.

Ohne die maximale und uneingeschränkte Aufopferung für die Formel 1 - etwa, um parallel für seine Familie da zu sein - wäre Rosberg womöglich in eben jener Situation geendet - gerade mit einem Kaliber wie Hamilton im eigenen Team.

Rosberg: Trennung von Hamilton war unausweichlich

Mit dem Briten battelt sich Rosberg allerdings noch heute - in der Extreme E. In der in diesem Jahr neu geschaffenen Rennserie treten die ehemaligen Mercedes-Rivalen als Teamchefs auf. Das ist allerdings nur eine von vielen neuen Tätigkeiten des heutigen TV-Experten für Formel 1, Umwelt- und Elektromobilitätinvestors, Youtubers und Investors in der Vox-Sendung 'Die Höhle der Löwen'.

Die Trennung von dem vom Freund zu einem regelrechten Feind gewordenen Hamilton sei ohnehin ausausweichlich gewesen, so Rosberg auf eine Nachfrage, ob ihre Situation mit der Lage zweier Songwriter zu vergleichen sei, die nach jahrelanger Arbeit plötzlich auseinander gehen. "Deshalb trennen sie sich letzten Endes, denn es steht so viel auf dem Spiel. Und sie beginnen, mehr und mehr zu kämpfen und dann trennen sie sich, denn es geht um so viel Geld und so viel Anerkennung", sagte der heute 36-Jährige.

Rosberg: Vierjährige Mädchen haben mich ausgebuht

Das zeigte sich selbst bei den jüngsten Fans an den Strecken dieser Welt, so berichtete Rosberg mit einer kleinen Anekdote. "Es gab zwei Camps, das Nico-Camp und die Hamilton-Fans. Und natürlich waren alle Hamilton-Fans gegen mich", sagte Rosberg. "[Einmal] waren da diese vierjährigen Mädchen mit ihren Vätern direkt vor mir und sie haben mich ausgebuht und mir Daumen runter gezeigt. Ihre Väter hatten ihnen gesagt, dass ich schlecht sei und sie mich ausbuhen sollen!"

Tatsächlich wäre eine Fortsetzung der Fahrerpaarung Rosberg/Hamilton hochgradig pikant geworden - nich pikanter als in den drei gemeinsamen Jahren voller Fehnden ohnehin schon. Immerhin hatte sich das Duell noch beim Finale in Abu Dhabi auf eine ganz neue Höhe hochgeschaukelt. Hamilton hatte als Führender die Pace gedrosselt, um Rosberg in die Fänge der Verfolger zu treiben. Ein Platzverlust Rosbergs war die einzige Chance des Briten, noch selbst Weltmeister zu werden. Mercedes wies Hamilton daraufhin an, das Tempo wieder anzuziehen, doch der weigerte sich.


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