Aus dem Sprint der Formel 1 in Silverstone entstand am Samstag ein etwas ungewöhnlicher Kampf um den letzten Punkt auf dem grünen Tisch. Liam Lawson war zwei Runden vor Schluss mit Isack Hadjar vor Stowe aneinandergeraten und beinahe sogar kollidiert. Eine Strafe gab es für ein von außen fragwürdig wirkendes Manöver aber nicht - und Hadjar hatte sich in der Anhörung sogar dagegen ausgesprochen.

Hadjar hatte sich nach einem weiteren schlechten Red-Bull-Start durch das Feld kämpfen müssen und in der Schlussphase dann Lawson vor sich, der für das Schwesterteam P8 und damit den letzten Sprint-Punkt hielt. Auf der Hangar-Gerade saugte er sich in Runde 15 an, doch als er innen ansetzte, zog auch Lawson nach innen.

"Mann, das war verrückt, er hat sich so hart auf der Bremse bewegt!", hatte Hadjars emotional aufgeladene erste Einschätzung aus dem Cockpit gelautet. Eine zweite Attacke konnte er bis ins Ziel nicht mehr umsetzen, Lawson behielt den Punkt. Vorläufig, denn nun ging es für beide nach dem Rennen zur Stewards-Anhörung.

Isack Hadjar empfiehlt keine Strafe für Liam Lawson im Sprint

Lawson brachte erst einmal zur Verteidigung vor, dass er noch immer voll am Gas stand, als er überhaupt mit der Lenkbewegung begann. Die Szene zeigt eine der von den Formel-1-Fahrern viel kritisierten Aspekte der neuen Motor-Regeln. Hadjar nutzte viel mehr Elektro-Power und erzeugte dadurch kurz vor dem Bremspunkt plötzlich einen Überschuss von ganzen 40 km/h, während Lawson normal vor der Kurve rekuperieren wollte.

Lawson ergänzte, dass er in dem Fall die Kurve immer so angefahren wäre. Und nun kam Hadjar ihm zur Hilfe, wie aus der später veröffentlichten Entscheidung hervorgeht: Lawsons Bewegung sei aggressiv gewesen, ja, aber er habe innen ausreichend Platz gelassen und es kam zu keiner Kollision. Explizit spezifizierte Hadjar, dass er da keine Strafe sehe, und strich von sich aus noch hervor, dass es wegen der Energie-Differenz schwierig gewesen sei, die Situation einzuschätzen.

"Ich komme gut mit ihm aus, es war einfach eine enge Situation", ergänzt Hadjar am Samstagabend nach dem Qualifying. "Ich habe nie um eine Strafe für ihn gebeten. Das Team hat, ich nicht! Es ging ja um einen Punkt. Aber ganz ehrlich, das war in Ordnung."

Liam Lawson und Racing Bulls weiter im Silverstone-Hoch

Das abschließende Urteil der Stewards erteilte Lawson schließlich eine sportlich folgenlose Warnung. "Marginal über dem Limit" sei das Manöver gewesen, weil es schon spät war, aber nicht so spät, dass es eine Strafe verdient hätte. Damit kommen Lawson und die Racing Bulls schon mit einem hervorragenden Punkt aus einem Sprint, in dem eigentlich die acht Top-Autos alle ins Ziel gekommen waren.

Im Qualifying ging es mit der Silverstone-Hochform weiter. Erneut kamen beide in Q3, diesmal sicherte sich Arvid Lindblad P9 und Lawson P10. Auch wenn Lawson Zweifel an den zwischen Sprint und Qualifying vorgenommenen Setup-Änderungen äußern muss: "Ich weiß nicht, warum wir in Q1 am besten waren. Die Balance war da am besten, dann wurde es langsamer und langsamer."

"Zum Glück waren wir schnell genug für Q3, aber wir sollten schneller werden, und wenn wir das geschafft hätten, dann hätten wir mit den Top-Teams gekämpft", ärgert sich Lawson. Seine Q1-Zeit von 1:29,300 wäre weniger als drei Zehntel vom achtplatzierten McLaren von Oscar Piastri weggewesen. Und normalerweise sind Verbesserungen von über einer halben Sekunde im Laufe der drei Segmente zu erwarten.

Letztendlich können die Racing Bulls aber so oder so wie schon in Österreich auch in Silverstone basierend auf dieser generell starken Pace eindeutig die Plätze 9 und 10 an der Spitze des Mittelfeldes ins Visier nehmen.