Für Formel-1-Weltmeister Lando Norris ging das McLaren-Martyrium am Freitag in Monaco weiter. Im zweiten Training konnte der Brite nur acht Runden fahren, bevor sein Auto aufgrund eines Defekts wieder einmal ausrollte. Die Bergung gestaltete sich für die geübten Marshals auf dem Stadtkurs danach schwierig - weil McLaren einen Notfall-Knopf verdeckte. Für dieses Vergehen hagelte es am Abend eine deftige Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro.
Eigentlich war Lando Norris nur in der Hafenschikane stehengeblieben, was nach Mutmaßungen von McLaren CEO Zak Brown durch einen Batterie-Defekt ausgelöst wurde. Eigentlich hätte das Auto auf seinen Rädern einfach weggeschoben werden können, doch die Streckenposten waren nicht in der Lage, es zu bewegen. Erst nachdem es angehoben wurde, konnte es unter Virtual Safety Car auf Skates von der Rennstrecke entfernt werden. Ein Vorgang der eigentlich nur wenige Sekunden gedauert hätte, erstrecke sich dadurch auf über fünf Minuten.
Normalerweise können die Streckenposten über den im Reglement vorgeschriebenen CDS-Knopf für extern den Leerlauf einlegen. Das 'Clutch Disengagement System', zu Deutsch Kupplungstrennsystem, ist außen am Auto zu finden, auf der Oberseite der Motorabdeckung, nahe dem Halo. Dies ist in Artikel C9.3 des Technischen Reglements wie folgt vorgeschrieben:
"Alle Fahrzeuge müssen mit einer Vorrichtung ausgestattet sein, die es ermöglicht, die Kupplung für mindestens fünfzehn Minuten zu trennen, falls das Fahrzeug bei ausgeschaltetem Motor zum Stillstand kommt. Dieses System muss während des gesamten Rennens funktionsfähig sein, auch wenn die wichtigsten hydraulischen, pneumatischen oder elektrischen Systeme des Fahrzeugs ausgefallen sind."
McLaren klebt wichtigen Notfall-Knopf wegen Aerodynamik ab
McLaren hatte diesen Knopf jedoch mit einem transparenten Tape zugeklebt, wie in einer Untersuchung nach dem FP2 herauskam. "Das Team gab zu, dass es aus aerodynamischen Gründen den Knopf, der zur Aktivierung des CDS gedrückt werden muss, mit durchsichtigem Klebeband abgeklebt hatte. Dies hat nach Ansicht der FIA-Vertreter, und wie vom Team eingeräumt, den Zweck des CDS-Systems, das so konzipiert ist, dass es von einem Streckenposten mit Schutzhandschuhen schnell aktiviert werden kann, völlig außer Kraft gesetzt. Das Team räumte ein, dass es nicht möglich war, das Klebeband zu durchtrennen und den Knopf von Hand zu drücken, ohne dafür ein Werkzeug zu verwenden", so das Urteil der Offiziellen.
Eine sportliche Strafe blieb den Weltmeistern erspart, doch die Performance-orientierte Maßnahme wurde mit einer Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro geahndet. Davon sind jedoch 10.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt: "Die Stewards haben beschlossen, eine geringere Strafe zu verhängen als bei einem Verstoß gegen dieselbe Vorschrift beim vorangegangenen Rennen, da dieser Verstoß und die darauf folgende Strafe allen Teams die Bedeutung des CDS-Systems deutlich gemacht haben dürften."
In Kanada waren Liam Lawson und die Racing Bulls von einem CDS-Verstoß betroffen. Der Neuseeländer war ebenfalls im Training ausgerollt. In diesem Fall hatte die Erschwerung der Räumung des Autos sogar eine rote Flagge nach sich gezogen. Die Stewards hatten in dem Fall ebenfalls eine Strafe von 30.000 Euro ausgesprochen, wobei jedoch 20.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt wurden.
McLaren im Monaco nur Best of the Rest
Sportlich lief es für McLaren in Monaco am Freitag auch nicht sonderlich vielversprechend. Im FP1 landete Lando Norris, seines Zeichens nicht nur Weltmeister sondern auch Monaco-Vorjahressieger, nur auf Platz sechs. Auf die Bestzeit von Charles Leclerc im Ferrari fehlten 1,3 Sekunden. In der zweiten Session lag es nach dem Norris-Defekt an Oscar Piastri. Der Australier kam aber auch am späten Nachmittag nicht über P6 hinaus, eine Sekunde hinter Spitzenreiter Lewis Hamilton.


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