Nach zwei Titelgewinnen in Folge erlebte McLaren in der Frühphase der Formel-1-Saison 2026 einen harten Dämpfer. Dem Konstrukteursweltmeister fehlte das Verständnis für das komplexe Zusammenspiel der Hybrid-Komponenten, doch gerade 2026 haben selbst kleinste Details bei Rekuperation und Energiefreisetzung enorme Auswirkungen auf die Rundenzeit.

Während McLaren dieses Problem auf dem Kommunikationsweg mit HHP lösen konnte und in Japan ein erstes Lebenszeichen von sich gab, bleibt das Chassis weiterhin eine Baustelle, die dringend in den Griff zu bekommen ist. Vor dem Miami GP liegt der amtierende Weltmeister Lando Norris in der Fahrerwertung nur auf Rang fünf.

Coulthard: McLaren bekam Quittung für WM-Kampf

"Das zeigt einfach, dass vergangene Leistungen keine Garantie für künftige Erfolge sind", meint David Coulthard. Der 13-fache GP-Sieger ist nicht überrascht, dass der Konstrukteursweltmeister der vergangenen beiden Jahre in der neuen Regelperiode der Formel 1 hinterherhinkt. Vielmehr sieht er darin sogar die Wurzel allen Übels, denn McLaren musste 2024 und 2025 mit den wenigsten CFD-Runs und Windkanalstunden auskommen.

"Die Teams, die um den Weltmeistertitel kämpften, mussten länger entwickeln, um im Titelkampf zu bleiben. Zugleich hatte McLaren weniger Windkanalzeit. Dadurch ergibt sich ganz natürlich für jene Teams, die zwar Weltmeisterschafts-DNA haben, aber vielleicht schon länger nicht mehr ganz vorne mitmischten, die Möglichkeit, den Entwicklungsprozess deutlich früher zu starten. Das erklärt auch, warum Mercedes mit Motor und Gesamtpaket so stark aus den Startlöchern gekommen ist", erklärt Coulthard im "Up To Speed Podcast".

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McLaren in der Weltmeister-Falle?

Ein Blick auf die Statistik bringt eine spannende Korrelation ans Licht. In den Jahren 1998, 2009, 2014 und 2022 – als jeweils größere Regelreformen eingeführt wurden – sackte das amtierende Weltmeisterteam ab. 1998 bekam die Formel 1 mit Rillenreifen und um 20 cm verschlankten Fahrzeugen ein neues Gesicht – und mit Mika Häkkinen einen neuen Weltmeister. Williams blieb hingegen erstmals seit 1987 ohne Saisonsieg. Der amtierende Weltmeister Jacques Villeneuve fiel in der WM sogar auf Rang fünf zurück.

Auf exakt derselben WM-Position fand sich Lewis Hamilton Ende 2009 wieder, als die Einführung von KERS und diversen aerodynamischen Änderungen Brawn GP und Jenson Button an die WM-Spitze spülte. Ein ähnliches Bild zeigte sich 2014: Die Einführung der Turbo-Hybridmotoren stoppte die Red-Bull-Siegesserie. Am Saisonende fand sich der amtierende Weltmeister Sebastian Vettel ebenfalls auf Rang fünf wieder.

Nicht ganz, aber irgendwie doch, passt die Regeländerung 2022 in diese Statistik, denn sie ließ auch das Weltmeisterteam Mercedes leistungsmäßig tief fallen. Max Verstappen sicherte sich im kontroversen WM-Finale 2021 zwar den Titel, doch wäre es anders gekommen und Hamilton hätte sich zum Weltmeister gekrönt, dann würde sein Absturz auf Platz sechs der Fahrerwertung 2022 wieder perfekt ins Bild passen.

Ferrari-Motor als WM-Killer? Kämpft McLaren noch um die WM? (14:02 Min.)

Zweiter F1-Saisonstart in Miami?

Trotz allem schreibt Coulthard McLaren im Titelkampf 2026 noch nicht ab. Vor allem die fünfwöchige Zwangspause zwischen Japan und Miami kam für das Team aus Woking genau zum richtigen Zeitpunkt. Für einige stellt der Große Preis von Miami sogar eine Art zweiten F1-Saisonstart dar – dazu zählt auch Ferrari-Teamchef Fred Vasseur.

"Ich habe kürzlich Charles [Leclerc; Anm. der Red.] in Monaco getroffen und in Bezug auf Vasseurs Aussagen scherzhaft zu ihm gesagt: Hey, Charles, ich rechne damit, dass du in Miami ganz oben auf dem Podium stehst, und er lachte nur verschmitzt. Sie scheinen offensichtlich einige Updates in Vorbereitung zu haben, und ich gehe davon aus, dass auch die anderen Teams in dieser Zeit nicht untätig geblieben sind", so Coulthard.