Zwischen Mercedes und McLaren soll seit dem Formel-1-Saisonauftakt in Australien dicke Luft herrschen. Teamchef Andrea Stella äußerte sich überraschend kritisch über die neue Antriebseinheit und den Rückstand zum Werksteam. Bei Ferrari und seinen Kundenteams scheint dagegen alles harmonisch zu verlaufen. Haas-Pilot Oliver Bearman schwärmte im Vorfeld des China-GP über Ferraris Unterstützung beim Energiemanagement.
"Ferrari ist unglaublich offen und hilfsbereit, was die Einsatzstrategie angeht, und hat uns so viele Informationen wie möglich gegeben", erzählt Bearman, der im ersten Rennen in Melbourne mit Platz sieben direkt wichtige Punkte für Haas holte. "Die Situation zwischen uns und Ferrari ist eine komplett andere als die zwischen Mercedes und McLaren."
Ein Grund dafür sei der offensichtliche Unterschied in der Leistungsfähigkeit der Boliden. "Zwischen uns und Ferrari ist ein größerer Abstand. Ihre FP3-Zeit war fast unsere Bestzeit", so Bearman, dessen schnellste Runde im Qualifying von Australien mehr als eine halbe Sekunde langsamer war als die FP3-Zeiten von Charles Leclerc und Lewis Hamilton.
Leistungsunterschied zu Ferrari hilft Haas bei der Strategie
Genau dieser Leistungsunterschied hilft Haas allerdings dabei, Schlüsse zu ziehen und diese auf den eigenen Boliden zu übertragen. "Manche Kurven fahren sie [Ferrari, Anm. d. Red.] Vollgas, in denen wir bremsen oder herunterschalten müssen. Der Energiebedarf am Auto ändert sich also je nach Geschwindigkeit", erklärt Bearman.
Als Beispiel nennt Bearman Kurve 5 in Australien. Ferrari fuhr dort von Anfang an Vollgas, während der Haas die Passage erst in FP3 mit voller Geschwindigkeit nehmen konnte. "Wir schauen uns daher nun die Strecke an und identifizieren als Ingenieursteam all die Kurven, in denen wir Unterschiede erwarten", verrät Bearman den Plan für das Rennen in China. "Wir wissen dann ungefähr, wie groß die Kluft zwischen uns und Ferrari ist, und können die Strategie entsprechend anpassen."
Die Strategie heißt vor allem: 'Best of the Rest' bleiben und den Fokus auf das Rennen legen. Im Sprint rechnet sich Bearman nur geringe Chancen auf Punkte aus. "Die ersten vier Teams, also die Top-8, sind in einer anderen Liga", meint der Brite. Damit wären die Punkteränge beim ersten Sprint des Jahres bereits vergeben. "Ein gutes Sprint-Qualifying ist trotzdem wichtig, denn es kann immer etwas passieren. Der Hauptfokus liegt für uns aber definitiv auf dem Rennen am Sonntag."
Bearman hat klaren Plan für Top-Ausgangslage im China GP
Ein klarer Vorteil für den Grand Prix wäre eine gute Startposition. Die Qualifying-Pace des US-Teams lässt jedoch noch zu wünschen übrig. In Australien schafften es Oliver Bearman und Esteban Ocon nur ins zweite Qualifying-Segment - Platz 12 und 13 waren das Maximum.
Bearman reist jedoch gewappnet nach China und hat bereits einen Plan, wie er seine Zeit über eine Runde im Vergleich zum letzten Wochenende noch weiter verbessern kann. "Der schnellste Weg durch diese Runde in China ist ganz klar, so viel Akku wie möglich aufzuladen und hoffentlich das volle Paket in Kurve 10 bis 14 einzusetzen", verrät Bearman seine Strategie für den zeitkritischsten Abschnitt des Shanghai International Circuit.
"Es ist die effizienteste Methode und ich denke nicht, dass irgendjemand viel anders machen wird", meint er und konnte sich einen erneuten Seitenhieb gegen das neue Reglement nicht verkneifen. "Man muss sich an die sehr strengen FIA-Vorgaben halten, daher gibt es nur einen Weg. Du musst manchmal etwas unnatürlich fahren, um das Reglement einzuhalten und das ist ein wenig frustrierend."
Bereits nach dem Grand Prix von Australien äußerte sich Bearman kritisch zum Racing der neuen Formel-1-Ära. Was der Haas-Pilot zu sagen hatte, könnt ihr hier lesen:



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