Der ganz neue geforderte Fahrstil ist in den ersten Tagen nach dem ersten Test mit den neuen Autos großes Thema in der Formel 1. Aber spielt das für den außenstehenden Zuschauer überhaupt eine Rolle? Wer kann schon erkennen, ob ein Fahrer gutes oder schlechtes Energie-Management betreibt? Tatsächlich könnte das gar nicht so unscheinbar werden, vermutet Haas-Teamchef Ayao Komatsu.

Der grundsätzliche Punkt ist: Die Fahrer müssen sehr genau überlegen, wann sie wie fest aufs Gas treten. Wer an falschen Stellen, etwa in langsamen Kurven, zu aggressiv mit dem Gaspedal arbeitet, der verheizt dort wertvolle Elektro-Power, die er besser für die Geraden aufsparen hätte sollen. Daher müssen die Fahrer dauernd ihre verfügbare Energie im Kopf haben.

"Energie in Kurven einzusetzen anstatt für Speed auf den Geraden, oder wenn dir Traktion fehlt, bringt dir nichts", hält Komatsu fest. "Wenn du unabsichtlich zu stark aufs Gaspedal steigst und die MGU-K einsetzt, dann hast du auf der Zielgeraden am Ende keine Energie mehr. Dann zahlst du einen hohen Preis."

Beängstigende Lücken bei falschem Energie-Management in der neuen F1

Und der ist aktuell so hoch, dass es von außen sofort zu erkennen ist: "Wir sprechen da nicht über einzelne Zehntel. Du verlierst locker eine halbe Sekunde, sechs Zehntel, sieben Zehntel. Das ist der beängstigende Teil."

Barcelona war ein idealer erster Test, um den Teams die Grenzen aufzuzeigen. Der letzte Sektor setzt sich aus immer schneller werdenden Kurven zusammen. Die Fahrer wollen traditionell auf ihrer Outlap bereits aggressiv Tempo machen, um die Reifen auf Temperatur zu bekommen, und dann am Limit durch die richtig schnelle letzte Kurve, um die Runde zu eröffnen.

Aber ist das der effizienteste Weg mit den 2026er-Autos? Tatsächlich hat man bei Ferrari-Kunde Haas nach den ersten drei Testtagen noch keine klare Antwort darauf, so Komatsu: "Wenn du nicht ausreichend Tempo durch Kurve 14 mitnimmst, hast du nicht genügend Speed zu Rundenbeginn, dann ist die Runde schon ruiniert. Aber wenn du zu stark aufs Gas steigst, verfeuerst du schon Energie am Ende deiner Outlap, verschwendest also Batterie vor der gezeiteten Runde."

"Da gibt es einen klaren Konflikt zwischen dem, was der Fahrer braucht, und dem, was das System braucht", so Komatsu. "Die Fans werden sofort sehen, wenn jemand zu Rundenbeginn die Energie nicht korrekt einsetzt. Ihr werdet auch sicher beim Test in Bahrain in den Qualifying-Simulationen sehen, wie richtig jeder liegt."

F1 2026 - Barcelona-Bilanz: TOPS & FLOPS der Testwoche (31:44 Min.)

Haas-Teamchef überlegt: Wie viel Kompromiss brauchen Formel-1-Fahrer?

Das wird sich wegen der fehlenden Reife des Reglements und den vielen Ungewissheiten über die ersten Rennen auch weiter verdeutlichen, prognostiziert Komatsu: "Bei den zwei Tests in Bahrain müssen wir uns richtig auf das Prozedere konzentrieren, um Konstanz zu schaffen. Aber selbst wenn wir es in Bahrain konstant hinbekommen, dann folgt danach Melbourne, bei komplett anderen Rahmenbedingungen. Das ist eine riesige Herausforderung, und eine steile Lernkurve für alle."

Denn aus der Fahrer-Perspektive sieht Komatsu das Fahren aktuell noch nicht als intuitiv an: "Lift-and-Coast im Qualifying, runterschalten bei Vollgas, die Balance zwischen dem Aufwärmen der Reifen und dem Energiesparen auf der Outlap. Viele gegensätzlichen Ziele, die der Fahrer erreichen muss."

"Aber im Laufe der Zeit werden die Ingenieure sowohl Hardware und Software optimieren, um den Fahrern etwas Intuitiveres zu geben", schätzt Komatsu. "Ja, für die Fahrer ist es harte Arbeit, sie müssen manchmal anders denken. Sagen wir, der Fahrer muss zum Maximieren des Aufladens gewissen Dinge tun. Wenn es das Auto schwierig zu fahren macht, musst du vielleicht akzeptieren, dass du dem Fahrer ein fahrbareres Auto gibst, und weniger Energie auf den Geraden einsetzt."

Unter den Fahrern ist aber die Bereitschaft da, sich auf die Herausforderung einzulassen, um nicht das einfachste Auto zu haben, sondern das schnellste. Wie es eben immer ist wie Rennfahrer. So meint auch F1-Experte Martin Brundle: Dieses komplexe neue Reglement wäre eines, in dem sich die F1-Legenden Ayrton Senna und Michael Schumacher sofort zuhause gefühlt hätten: