Für Aston Martin war der Formel-1-Auftakt von 2026 keiner nach Maß. Mit viel Spannung war der erste von Adrian Newey designte und von Honda angetriebene neue AMR26 erwartet worden, und als er dann in Barcelona fuhr, sah er zwar spektakulär-aggressiv aus, doch sein erster Auftritt war ein Stolpern. Das Team war verspätet, verpasste zwei Drittel des ersten Tests. Jetzt verrät Newey, inzwischen erstmals in seiner Karriere auch Teamchef, die Hintergründe.

Es liegt vor allem an den Werkzeugen, die Aston Martin zuhause in der Basis in Silverstone hat. Das mag man kaum glauben, wenn man es zum ersten Mal hört. Schließlich hat das Team in den letzten Jahren massiv investiert. Man hat eine komplett neue Fabrik gebaut, mit einem komplett neuen Windkanal, einem komplett neuen Simulator - eigentlich ist alles komplett neu, und modernster Bauart.

Radikalstes F1-Auto 2026: Newey-Wahnsinn bei Aston Martin (13:23 Min.)

Obendrauf kam im letzten März dann mit Newey einer der legendärsten Designer der Formel-1-Geschichte an Bord. Doch in dieser Aufzählung gibt es ein Problem: Das sind alles Einzelteile. Um ein Formel-1-Auto zu bauen, müssen diese Einzelteile jedoch sauber ineinandergreifen.

Adrian Newey gesteht: Mit neuem Aston Martin AMR26 verspätet begonnen

Eigentlich erlaubte es das F1-Reglement, ab Januar 2025 mit der Aerodynamik-Entwicklung der neuen Autos zu beginnen. Doch da waren die Werkzeuge bei Aston Martin nicht bereit, räumt Newey ein: "Der AMR Technology Campus entwickelt sich noch. Der Windkanal lief erst im April, und ich kam erst im letzten März an, also haben wir in Wahrheit mit Rückstand begonnen."

Als Newey im März begann, fand er auch sofort ein Problem der Daten-Korrelation beim neuen Simulator vor. Letztendlich stand das erste Modell des AMR26 erst Mitte April im Windkanal. Dreieinhalb Monate später als eigentlich erlaubt: "Das bedeutete einen sehr, sehr zusammengestauchten Forschungs- und Entwicklungszyklus."

"Das Auto kam erst in letzter Minute zustande, weshalb wir so damit zu kämpfen hatten, es bis zum Barcelona-Shakedown zu schaffen", bestätigt Newey. Letztendlich fuhr der AMR26 am Donnerstagabend vier Installationsrunden. Am Freitag fuhr Fernando Alonso die ersten 61 echten Runden. Das ist nicht einmal eine Renn-Distanz. Aber er fuhr.

Neuer Aston Martin aggressiv? Newey feiert kompaktes AMR26-Design

Die Entwicklung läuft in der Fabrik in Silverstone nun weiter auf Anschlag. Mit seinem äußerst kompakten Motor-Packaging und wildem Aufhängungs-Design erregte der AMR26 aber schon in seiner Urfassung am Donnerstag in Barcelona sehr viel Aufsehen. Mehr zur ersten Ausfahrt gibt es hier:

"Ich sehe keines meiner Designs je als aggressiv, sondern verfolge einfach die Richtung, die wir für richtig halten", spielt Newey den Wirbel etwas herunter. Aber nicht ganz: "Die Richtung, die wir eingeschlagen haben, kann man sicherlich als aggressiv interpretieren. Da gibt es einige Features, die es nicht unbedingt davor schon einmal gab. Macht es das aggressiv? Vielleicht. Vielleicht auch nicht."

Besonders die extrem kompakte Verkleidung muss Newey an dieser Stelle auch selbst hervorstreichen: "Ich muss schon sagen, dass die ganzen Designer hier die Philosophie richtig verinnerlicht haben. Es hat ihr Leben nicht einfach gemacht, ganz im Gegenteil, aber sie haben die Herausforderung absolut angenommen."

Newey verspricht: Viele Aston-Martin-Entwicklungen ab Melbourne

Die fehlenden Monate in der Entwicklung machten das alles nicht einfacher. Ein Testen verschiedener Konzepte unterbanden sie sogar effektiv, verrät Newey: "Wegen dem komprimierten Zeitrahmen haben wir eine bestimmte Entwicklungsrichtung gewählt und verfolgt. Ob sich die als richtig herausstellt werden wir erst mit der Zeit sehen. Aber du musst deinen Weg wählen und ihm folgen."

Bis jetzt ortet Newey im Basis-Design viel Potenzial. Auf keinen Fall wollte er einen konzeptuellen Weg einschlagen, der früh in eine Sackgasse führt: "Wir zielten auf das Gegenteil ab. Deshalb haben wir uns richtig auf die Grundlagen konzentriert, im Wissen, dass viele Anhängsel - Flügel, Verkleidung, was eben während der Saison geändert werden kann - hoffentlich Potenzial birgt."

"Der AMR26, der in Melbourne ins Rennen startet, wird ein ganz anderer sein als der, den die Leute im Shakedown in Barcelona gesehen haben", kündigt Newey damit schon an, dass dem Auto zeitnah schon ein erstes großes Update blüht.

Ob der AMR26 nun aber das wichtige Basis-Konzept auch getroffen hat? Newey trifft keine Prognosen: "Mit einem komplett neuen Reglement ist sich niemand je sicher, was die richtige Philosophie ist." Selbst bei der Konkurrenz von Mercedes, die einen viel besseren ersten Test gefahren war, scheut Toto Wolff daher auch vor der Favoritenrolle: