Wie alle anderen Formel-1-Teams wagt auch Ferrari mit dem Start in die neue Regelperiode einen Schritt ins Ungewisse. Technisch lässt sich auf Chassis-Seite noch nicht abschätzen, welche konzeptuellen Lösungen zum Erfolg führen, und wer das neue Reglement am besten gelesen und umgesetzt hat.
Bei Ferrari ist man sich dieser Problemstellung durchaus bewusst und versucht ihr so zu begegnen, dass im SF-26 von Anfang an Freiräume gelassen werden. "Alle haben vermutlich einen anderen Pfad gewählt und wir müssen zu Beginn der Saison offen für alles sein, um auf alle Umstände zu reagieren", beschrieb Teamchef Fred Vasseur bei einer Pressekonferenz nach der F1-Präsentationen der Scuderia den verfolgten Plan.
Für die Technik-Abteilung heißt das, dass die Konzept-Idee des Saisonanfangs auf jeden Fall eine sein muss, die verschiedene Abzweigungen zulässt, wenn im Laufe des Jahres bessere Lösungen gefunden werden. Eine Herangehensweise, die man schon im Vorjahr bei der Entwicklung einkalkulieren musste, wie Chassis-Technikchef Loic Serra erklärte: "Während man sich in der konzeptuellen Phase befindet, gab es schon einige Änderungen, weil sich das Reglement änderte oder ausgebügelt wurde."
"Dasselbe gilt auch beim Verständnis der Reifen. Während 2025 hatten wir einige Testeinheiten mit den 26er-Reifen und dann will man aus den Learnings mit diesen Reifen das meiste mitnehmen und in das Design einfließen lassen", so Serra. "Alles in allem will man, dass die konzeptuelle Phase so lange wie möglich andauert."
Ferraris Technik-Chef warnt: Dürfen nicht in Sackgasse geraten
Während der Saison kommt der Flexibilität mit dem eigenen Konzept besonders viel Bedeutung zu. Der Ferrari wurde entwickelt, indem funktionelle Einfachheit im Vordergrund stand, um ein robustes und flexibles Konzept zu erschaffen.
Serra unterstrich: "Man muss im Kopf behalten, dass wir ausreichend Platz im Konzept unseres Autos lassen, um während der Saison entwickeln zu können. Denn es ist klar, dass das Auto, mit dem wir in das Jahr starten, sehr wenig mit jenem gemein haben wird, das wir am Ende der Saison haben."
Ferrari geht es also darum, die Basis für den Saisonstart hinzukriegen und dann darauf in möglichst viele Richtungen weiterbauen zu können. "Die Entwicklungsrate wird ziemlich hoch sein. Aber wenn das Basis-Auto, sozusagen das Skelett des Autos, nicht genug Raum und Flexibilität für Entwicklung bietet, dann wird es sehr schwierig für uns", betonte Serra, der warnte: "Wir müssen sicherstellen, dass wir nicht in eine Sackgasse geraten."
Formel 1 2026: Wie stark entwickeln sich die Autos vom Testbeginn bis zum Saisonstart?
Dafür spricht auch die Herangehensweise, die eine Reihe von Teams - darunter auch die Roten - für die drei Formel-1-Testwochen geplant haben. In Barcelona liegt die Priorität zunächst einmal darauf, die Grundfunktionen der neuen Motorgeneration und der deutlich schmaleren Boliden auf Herz und Nieren zu testen.
In beiden Aspekten bleibt kaum ein Stein auf dem anderen, nur die grundsätzliche Spezifikation des 1,6-Liter-V6-Motors bleibt gleich. Doch auf der elektronischen Seite ändert sich durch die Entfernung der MGU-H und der Verstärkung der MGU-K auf beinahe die dreifache Leistung einiges. Zudem kommen ab 2026 ausschließlich Bio-Treibstoffe zum Einsatz, deren Brennphysik schwierig ins richtige Fenster zu bekommen ist als jene von herkömmlichem Sprit.
Gleichzeitig hält auch eine grunderneuerte flexible Aerodynamik ihren Einzug in die Formel 1. Was es mit ihr auf sich hat, und inwiefern sich allgemein das Chassis verändert, könnt ihr hier nachlesen:
Wie schon seit längerem bekannt ist, bringt das Team von Charles Leclerc und Lewis Hamilton dafür eine A-Spec-Version nach Barcelona. Sobald diese Grundchecks abgeschlossen sind, bieten die beiden F1-Testfahrten in Bahrain noch ausreichend Zeit, um weitere aerodynamische Feinlösungen zu entwickeln. Für Ferrari steht dann eine zweite Spezifikation bereit, die schon ausgereiftere Entwicklungsschritte hinter sich hat.
Bei welchem Bahrain-Test diese kommt, ist noch nicht bekannt. Manche Teams könnten ihre ausgereifteren Boliden auch erst für die zweite Testwoche in die Wüste bringen, um sich nicht in die Karten blicken zu lassen. Oder auch weil gewisse Lösungen erst innerhalb dieses knappen Monats entwickelt werden. "Die Entwicklungsrate beginnt nicht erst mit dem Saisonstart, sie wird es auch schon bei den Winter-Testfahrten geben", sagte Ferraris Chassis-Leiter dazu.
Ferrari steigt beim Formel-1-Shakedown in Barcelona erst am zweiten Testtag ein. Warum die Scuderia Tag 1 verpasst, könnt ihr hier nachlesen:



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