Lewis Hamilton war auch im letzten Formel-1-Qualifying 2025 in Abu Dhabi wieder nur ein Schatten seiner selbst. Erst der Crash im Training, dann das erneute Q1-Aus. Der Ferrari-Traum ist zum Albtraum geworden und das Jahr endet auf dem absoluten Tiefpunkt seiner F1-Karriere. Erzrivale und Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg stellt seiner einstigen Nemesis die Rute ins Fenster. Er fürchtet, dass sich Maranello das Debakel nicht mehr länger mitansehen wird.

"Aus seiner Sicht ist es sehr besorgniserregend. Wenn es so weitergeht, wird das Team den Glauben an ihn verlieren, und du weißt, wie sich das innerlich anfühlt. Ganz Italien wird den Glauben an ihn verlieren, und das dauert nicht mehr lange", mahnt Nico Rosberg in seiner Funktion als TV-Experte für Sky Sports F1. "Es ist für ihn eine fürchterliche Saison und keine würdige Art und Weise, seine Karriere zu beenden."

Nico Rosberg fürchtet um Lewis Hamiltons Formel-1-Legacy

Der Deutsche kennt Lewis Hamilton seit Kindheitstagen, fuhr im Kartsport mit ihm für dasselbe Team. Zwischen 2013 und 2016 waren sie auch in der Formel 1 bei Mercedes für vier Saisons Teamkollegen. Rosberg erkennt seinen ehemaligen Konkurrenten nicht wieder. "Wann hast du Lewis Hamilton schon mal auf einer normalen Runde im Training so abfliegen sehen? In seiner gesamten Karriere haben wir so etwas nie von ihm gesehen und jetzt, mit Ferrari, sind überall diese Fehler", so der 40-Jährige. "Das ist unglaublich. Es wird immer schlimmer und schlimmer."

In der Saison 2016 lieferte sich Rosberg mit Hamilton einen WM-Kampf, holte den Titel und trat daraufhin zurück. Für ihn stand stets außer Frage, welches Kaliber sein Gegner hatte - noch bevor dieser mit sieben WM-Titeln mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleichzog. Doch nun fürchtet er um dessen Vermächtnis: "Ich denke, es ist für ihn persönlich sogar noch schlimmer, als es für uns von außen aussieht. Er ist der Größte, darüber brauchen wir gar nicht debattieren, aber er beschädigt damit gerade ein bisschen seine Legacy. Das ist wirklich nicht schön."

Lewis Hamilton für Ferrari-Krise selbst verantwortlich

Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc landete im Qualifying in Abu Dhabi auf Platz fünf. Der Monegasse kam 2025 an 23 von 24 Rennwochenenden ins Q3. Lewis Hamilton gelang das nur 16 Mal, und vor allem den Vergleich mit Leclerc sieht Rosberg kritisch. In den vergangenen drei Qualifyings plus dem Sprint-Qualifying von Katar blieb Hamilton in Runde eins hängen.

"Charles ist Fünfter. Lasst uns das mal nicht vergessen. Also, Lewis ist definitiv dafür verantwortlich, zumindest teilweise, wenn nicht vollständig, dass er im Grid nur auf P16 steht. Das ist unglaublich hart. Es ist so heftig", lautet das vernichtende Urteil Rosbergs. "Er wird von seinem Teamkollegen geschlagen, er fliegt meistens im Q2 raus, er dreht sich von selbst. Es kann gar nicht mehr schlimmer werden, es ist ein wahrer Albtraum."

Ist das Alter in der Formel 1 Lewis Hamiltons Problem?

Nico Rosberg war zum Zeitpunkt seines Rücktritts erst 31 Jahre alt. Er fürchtet, dass Lewis Hamilton mit 40 Jahren einfach nicht mehr den Anschluss halten kann. "Du weißt, dass du mit 41 nicht mehr schneller wirst. Die Zeit ist nicht auf seiner Seite", so Rosberg, der im 44-jährigen Fernando Alonso keinen Gradmesser sieht. "Fernando hat keinen Teamkollegen auf dem Level von Charles Leclerc", verweist er auf den bei Aston Martin stets unterlegenen Lance Stroll.

Vor seinem Titelgewinn 2016 hatte Lewis Hamilton ihm vernichtende Niederlagen zugeführt. Nico Rosberg weiß, wie sich Selbstzweifel anfühlen: "Ich kann wirklich mit ihm fühlen. Es ist schrecklich. Du beginnst, an dir selbst zu zweifeln, ob du es vielleicht nicht mehr draufhast. Er wird so denken, "vielleicht kann ich es nicht mehr." Und vielleicht geht es nächstes Jahr so weiter, und dann wird es noch mehr weh tun. Es ist eine schreckliche Situation und nicht schön anzusehen."

Er denkt, dass Lewis Hamilton über die sehr kurze Winterpause nur ein kompletter mentaler Reset helfen kann. "Er muss sich etwas frei nehmen, aber dann muss er auch wieder an die Arbeit. Er muss in den Simulator und sich mit dem neuen Auto auseinandersetzen, denn es wird nächstes Jahr eine ganz andere F1. Er muss wirklich die Arbeit investieren und sich vorbereiten", sagt er.