Lewis Hamilton kommt nicht mehr raus aus seiner ganz persönlichen Formel-1-Hölle bei Ferrari. Beim letzten Qualifying des Jahres in Abu Dhabi fliegt er erneut in Q1 raus, diesmal auf P16. Wie schwer mitgenommen der leidende siebenfache Weltmeister inzwischen ist, wird danach offensichtlich.

Seit seinem dritten Startplatz in Mexiko hat Hamilton die Top-10 im Qualifying nicht mehr gesehen. Abu Dhabi ist das vierte Mal in Serie, dass er in Q1 zusammenpacken muss. Der Tag hatte diesmal sogar noch schlimmer begonnen als sonst. In FP3 war Hamilton verunfallt. Vermutungen eines Schadens an der Ferrari-Aufhängung kann er nicht bestätigen: "Sie sahen etwas Bouncing am Kurveneingang und meinten, das hätte angehalten."

Daher verlor Hamilton das Heck, schlug ein und beschädigte den Ferrari leicht. Bis zum Qualifying war das zu reparieren. Natürlich half die verlorene Zeit nicht, doch Hamilton ist weit, weit weg davon, es als Ausrede für den 16. Platz zu nutzen: "Wir haben viel am Auto geändert, und es hat sich toll angefühlt. Das Auto fühlte sich toll an."

Entsprechend gibt er dem Auto oder dem Team keine Schuld daran, dass er den Q2-Einzug um acht Tausendstel verpasste. Er bürdet die Verantwortung sich auf, und sich allein: "Ich habe keine Worte, um die Gefühle in mir zu beschreiben. Eine unerträgliche Wut und Rage. Viel kann ich nicht wirklich darüber sagen."

Charles Leclerc relativiert Ferrari-Handling: Auch in Abu Dhabi unfahrbar

Hamiltons inzwischen unbändiger Selbsthass dürfte das Auto allerdings in Abu Dhabi völlig unverdient vom Haken lassen. Hört man Charles Leclerc zu, so scheint klar, dass der SF-25 auch hier im Qualifying fast unfahrbar war. "Entweder bekomme ich die Runde über die Linie oder ich stecke in der Wand", beschreibt Leclerc seinen Ansatz nach dem Qualifying, der ihm einen fünften Startplatz eintrug.

Und das war nicht nur sein Q3-Ansatz: "Besonders die zweite Runde in Q2 war sehr, sehr schwierig über die Linie zu bringen." Nur so verhindert man im Ferrari das Hamilton-Schicksal: "Ich fahre dieses Auto auch, ich sehe wie schwierig es ist. Du musst alles riskieren, und dann bist du entweder in der Wand oder durch Q1. Dann musst du das in Q2 wieder machen. Und dann wieder in Q3."

"Auch das Auto zu verstehen ist viel schwieriger, wenn du es dauernd ans Limit pushen musst", erklärt Leclerc. "In Q2 dachte ich mehrmals, dass ich gleich in der Wand stecken würde. So kannst du dich nicht rantasten wie es McLaren oder Red Bull machen. Die pushen in Q1 und Q2 etwas weniger, um zu verstehen, was das Auto genau will." Die Top-3 des Qualifyings waren sogar auf gebrauchten Reifen locker durch Q2 gekommen, während Leclerc hinter ihnen zaubern hatte müssen.

Verzweifelter Leclerc macht Horror-Ferrari absichtlich noch schlimmer

Nach einem Freitag zum Vergessen riskierte Ferrari in Abu Dhabi außerdem obendrauf ein riskantes Setup, bestätigt Leclerc: "Sonst wären wir niemals auf P5 gelandet." Ins Detail gehen will er zwar nicht, aber er war schon früh in der Saison oftmals gefährliche Wege gegangen, hatte die Vorderachse bis ans Limit der Reaktivität gezwungen und dabei ein instabiles Heck in Kauf genommen.

"Es ist nicht nur das, es sind mehrere Dinge, und das macht es schwierig", räumt Leclerc nach dem Qualifying ein, dass dieses Setup hier sogar auf "noch einem anderen Level" sei. Da das 3. Training generell wegen der zu hohen Temperaturen in der Nachmittagssonne nicht besonders viel aussagt und Hamilton für eine lange Unterbrechung sorgte, fehlen Leclerc jetzt aber ein Longrun und damit eine Referenz mit dem neuen Setup für das Rennen.

"Ich habe viele Fragezeichen bezüglich dieses Extrem-Setups", unterstreicht Leclerc. "Wir müssen also bis morgen warten, aber ich denke, es wird gutgehen." Wenngleich es auch im Rennen nicht einfach zu fahren sein wird. Mit dem von Max Verstappen angeführten Spitzen- und WM-Kampf hat sich Leclerc gar nicht beschäftigt: "Nichts von diesem Meisterschafts-Titel-Ding wird in meinem Kopf sein, weil das nicht mein Job ist."