In den 25 Jahren, die Andrea Stella schon in der Formel 1 verbringt, arbeitete er mit zahlreichen Hochkarätern zusammen. Doch kaum einer hat einen so bleibenden Eindruck hinterlassen wie der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher. Immer wieder zieht der McLaren-Teamchef Vergleiche mit dem Deutschen, wenn es darum geht, Vorfälle zu erklären, die nur schwer zu erklären sind, wie in Baku, als Oscar Piastri nach einem Frühstart auch noch seinen Wagen in die Mauer warf.

Auch nach dem Katar GP, wo sich McLaren einen fatalen Denkfehler begangen hat, zieht Stella mal wieder den Vergleich zu Schumacher. "Racing ist hart und manchmal erteilt dir Racing eine harte Lektion, aber das ist die Geschichte aller Champions. Ich habe mit Michael zusammengearbeitet und wir haben viele Titel zusammengeholt, doch ich habe viel darüber nachgedacht, wie viel Schmerz er durchstehen musste, als er zu Ferrari kam", spielte Andrea Stella auf das Jahr 1996 an.

Damals wechselte Michael Schumacher als amtierender Weltmeister von Benetton zu Ferrari – einem Team, das zwischen 1991 und 1995 gerade einmal zwei Rennen (Deutschland GP 1994, Kanada GP 1995) gewann. Es dauerte fünf Jahre, bis Schumacher seinen ersten Titel mit Ferrari gewann. Zwischen 2000 und 2004 holte der Deutsche dann fünf Titel in Folge. "Das ist die wahre Natur des Rennsports", betonte Stella. Er stieß im Jahr 2000 zu Ferrari und war von 2002 bis 2006 Schumachers Performance-Ingenieur.

Direkt im Anschluss arbeitete er in derselben Funktion am Auto von Kimi Räikkönen, ehe er 2009 zum Renningenieur aufstieg. Eine Rolle, die er anschließend auch für Fernando Alonso ausführte, ehe er nach dessen Ferrari-Abschied mit dem Spanier zu McLaren weiterzog. Nach zwei herben Rückschlägen in Las Vegas und Katar brennt Stella darauf, es in Abu Dhabi besser zu machen. "Wir sind entschlossen, aus unseren Erfahrungen zu lernen und als Team stärker zu werden. Wir wollen diese phänomenale, wunderbare Gelegenheit, um die Fahrermeisterschaft zu kämpfen und Verstappens Dominanz zu beenden, mit unserem ganzen Können angehen", erklärte Stella.

Formel-1-Titelkampf? McLaren will Verstappen schlagen

Vor dem Saisonfinale diese Woche in Abu Dhabi beträgt der Vorsprung von WM-Leader Lando Norris nur noch 10 Punkte auf Verstappen. Oscar Piastri liegt auf Rang drei, hat mathematisch aber noch Chancen auf den Titel. Dadurch ist es nicht ausgeschlossen, dass McLaren eine harte Entscheidung treffen muss. Darauf angesprochen, übte sich Stella in Diplomatie. "Egal, welche Entscheidung wir hinsichtlich unserer Fahrer treffen, werden wir uns an die Grundprinzipien halten, die für unseren Ansatz von grundlegender Bedeutung sind."

Auch bei genauerem Nachfragen blieb der McLaren-Teamchef vage: "Wenn einer unserer Fahrer in der Lage ist, den Titel zu gewinnen, werden wir dies respektieren. Aber es wird keine Entscheidung geben, die den anderen Fahrer ausschließt, solange dieser ebenfalls die Chance hat zu gewinnen. Warten wir ab, wie sich die Situation entwickelt." Dass man intensive Gespräche mit Norris und Piastri führen wird, steht außer Frage. "Denn es ist für uns wichtig, dass wir in der Lage sind, Verstappen mit einem unserer beiden Fahrer zu schlagen."

Das hörte sich zuletzt bei McLaren-CEO Zak Brown anders an. Mehr dazu hier: