Die Formel 1 hat in Katar ein Reifen-Problem. Diese Aussage ist nicht gerade neu, schließlich wurde schon vor dem Wochenende aus Angst vor den hohen Belastungen eine maximale Laufleistung von 25 Runden pro Reifensatz festgeschrieben. Am Freitag aber ist Pirelli nach dem ersten Training und dem Sprint-Qualifying erst recht gewarnt. Denn es zeigen sich selbst auf den eingeschränkt benutzten Reifen bereits Schnitte in der Lauffläche.
Nur ein Fahrer reizte am Freitag im 1. Training mit 25 Runden das vorgegebene Limit vollständig aus, und das auf dem Hard-Reifen, der hier in Katar mit dem C1 die härteste verfügbare Mischung ist. Die meisten Teams fuhren im 1. Training im Bereich von 20 Runden mit einem C1-Satz. Niemand fuhr mehr als 10 Runden auf einen Medium (C2) oder Soft (C3).
Dennoch hatten schon nach dem Training etwa die Racing Bulls gemeldet, dass sie einen ihrer Reifensätze auf Anraten der Pirelli-Ingenieure frühzeitig wegen vermeintlicher Schnitte in der Lauffläche nicht mehr verwendet hatten. Am Abend bestätigt Pirellis Chefingenieur Simone Berra dann: "Wir hatten einige Schnitte auf der Lauffläche."
Kies in Katar ist Gift für verschlissene Pirelli-Reifen
"Das liegt vor allem an den Kiesbetten hier", meint Berra. Die sind aber nur der Endpunkt in einer Verkettung unglücklicher Umstände. Das Grundproblem ist jenes, welches auch das 25-Runden-Limit erzwungen hat. Weil der Verschleiß so hoch ist, kann man innerhalb von 35 Runden die Lauffläche fast komplett herunterfahren. Im Vorjahr hatte Pirelli bei dieser Laufleistung schon an die 100 Prozent Verschleiß gemessen.
Das bedeutet natürlich, dass die Reifen selbst nach 15 bis 20 Runden bereits eine unverhältnismäßig dünne Lauffläche aufweisen. Je dünner eine Lauffläche, desto leichter nimmt sie dann Schaden, wenn sie in Berührung mit scharfen Objekten kommt. Das können jetzt Karbonteile sein, aber bei Rennen mit hohem Verschleiß kann tatsächlich scharfkantiger Kies schon reichen.
In Katar gibt es an mehreren Kurvenausgängen hier schmale Kiesstreifen, um die Fahrer von Track-Limit-Verstößen abzuhalten. Die sind mit auffällig scharfkantigem Kies gefüllt. "Ja, das scheint schärfer zu sein als auf anderen Strecken", bestätigt Berra. "Außerdem hat die Strecke auch drei, vier zusätzliche dieser Kiesstreifen angelegt."
Pirelli hofft: Schnitte in den Reifen in Katar ein Qualifying-Problem
"Wenn die Fahrer am Limit pushen, dann schleppen sie etwas Kies auf die Strecke, und da haben wir ein paar recht tiefe Kies-Schnitte gesehen", meint Berra. "Ein paar davon sind in die Reifen-Konstruktion rein, haben aber zum Glück keine Fasern zerschnitten." Aber wenn diese Probleme anhalten würden, dann steigt die Gefahr für Reifenschäden natürlich.
"Natürlich gehen die Fahrer in Qualifying-Sessions mehr ans Limit", hofft Berra allerdings, dass die Schnitte morgen nach dem Sprint weniger dramatisch aussehen werden. Einfach, weil die Fahrer im Rennen nicht permanent in die Kiesstreifen rutschen. "Im Sprint und im Rennen bleiben sie besser auf der Strecke, also könnte sich das für Sprint und am Sonntag im Rennen entspannen. Aber natürlich halten wir unsere Augen offen."
Wenn der Sprint allerdings trotzdem erneut besorgniserregende Schnitte enthüllen sollte, dann müsste die FIA-Rennleitung wohl ein äußerst vorsichtiges Rennen koordinieren. "Sie können natürlich rote Flaggen oder Safety Cars nutzen, um die Strecke zu säubern", erinnert Berra. Sprich Unterbrechungen oder Neutralisierungen nach jedem Kiesbett-Ausritt im Rennen. Aber so ernst ist die Lage noch nicht, als dass man sich darauf verständigt hätte.



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