McLaren-CEO Zak Brown sagt stets frei heraus, was er denkt. Dabei gibt er auch ungeschönt zu, dass er selbst über ein großes Ego verfügt. Allerdings ist er überzeugt, dass er es richtig einsetzt – im Gegensatz zu anderen Formel 1-Teamchefs. "Für mich bedeutet Ego Stolz. Es schützt meine Marke und die Leistung des Teams. Ego ist gut. Arroganz ist schrecklich. Arroganz führt zu Fehlern", stellte der 54-Jährige klar.

In einem aktuellen Interview mit dem "Telegraph" bekam vor allem ein Ex-Teamchef sein Fett weg: Christian Horner. Auch wenn während seiner aktiven Zeit die Giftpfeile vor allem zwischen ihm und Toto Wolff flogen, galten Horner und Brown keinesfalls als Freunde. Der McLaren-CEO glaubt, dass dem früheren Red-Bull-Racing-Teamchef der Erfolg durch die Netflix-Doku "Drive to Survive" zu Kopf gestiegen ist. "Ich kenne Christian seit über 30 Jahren. Wir haben uns gut verstanden. Seine Ergebnisse sind beeindruckend. Hut ab! Aber er hat sich mit der Zeit verändert", erklärte Brown.

Die Erfolgsbilanz der aktuellen Formel-1-Teamchefs im Überblick: Zu wie vielen Podien und WM-Titeln führten sie ihre Fahrer? Wo reihen sie sich in der Geschichte ein?

McLaren-Boss: Verstappen kann ein Grobian sein

In seinen 20 Jahren bei Red Bull Racing habe Horner nicht immer fair gespielt. "Christian ist ein Vier-Räder-Typ, ich bin ein Zwei-Räder-Typ", meinte Brown und führte seine Behauptung näher aus: "Als ich noch Rennen fuhr, gab es Fahrer, die hart kämpften und die Autos ihrer Konkurrenten mit zwei Rädern von der Strecke drängten. Das ist okay. Aber es gab auch Fahrer, die dich mit vier Rädern von der Strecke drängten – und das ist nicht in Ordnung." Welcher Typ Max Verstappen sei, ließ Brown offen.

"Ich möchte Max nicht herabsetzen. Er ist immerhin vierfacher Weltmeister", sagte Brown und holte dann doch zum Rundumschlag aus. "Wenn man sich einige der größten Champions der Formel 1 ansieht, hatten sie alle eine gewisse Arroganz an sich. Sie setzen ihre Ellbogen ein. Max kann ein Grobian sein, der zu aggressiv auf der Strecke ist. Dann kommt seine Arroganz zum Vorschein." Für Brown überschritt der vierfache Champion in seiner Formel-1-Karriere mehrmals die Grenzen. "Vor allem einige seiner Überholmanöver gegen Lewis Hamilton waren übermäßig aggressiv", meint Brown.

Zak Brown: Nr.1-Fahrer? Lieber die WM an Verstappen verlieren! (15:17 Min.)

Brown verteidigt einmal mehr Papaya Rules

Doch Brown teilt nicht nur aus, sondern muss auch einstecken. Die McLaren-Führung stand 2025 für ihre Papaya Rules immer wieder in der Kritik. Zahlreiche Experten forderten eine harte interne Ansage in Form der Ernennung einer Nummer 1, doch McLaren hat dies bis heute ignoriert und wird dies auch weiterhin tun. "Wir werden niemals ein Ein-Fahrer-Team sein, das ist die McLaren-Philosophie. Man muss nur an Ayrton Senna und Alain Prost denken”, sagte Brown, der 2018 zu McLaren stieß.

Damals war der britische Traditionsrennstall ein Schatten seiner selbst. An Siege oder WM-Titel war gar nicht zu denken. "Damals hieß es, McLaren sei am Ende und wir sollten den Laden zumachen. Heute ist das Unternehmen so stark wie nie zuvor. Entsprechend gibt es für uns kein 'Lasst uns vom Gas gehen', sondern nur Vollgas voraus!", erklärte Brown und fügte hinzu: "Denn niemand gewinnt für immer. Die Frage ist also nicht, ob wir aufhören zu gewinnen, sondern wann. So ist der Sport."

Einst kurz vor der Insolvenz, heute dominiert der Rennstall aus Woking und krönt diese Dominanz mit dem vorzeitigen WM-Titel. Mehr dazu: